Die Vorwürfe sind seit mehreren Jahren bekannt. Die Kommission trug in neun Jahren umfassende Details zu den Vorwürfen zusammen, mehr als hundert kirchliche Einrichtungen wurden untersucht und rund 2.500 Zeugen befragt.
Missbrauch und Misshandlung
Die Zeugen gaben an, in kirchlich geführten Institutionen wie Waisenhäusern, Erziehungsanstalten und Armenhäusern sexuell missbraucht oder körperlich misshandelt worden zu sein. Der Großteil dieser Institutionen wurde in den 70er Jahren geschlossen. Betroffen sind vor allem Einrichtungen der Barmherzigen Schwestern und des in Irland gegründeten Ordens der Christian Brothers. Rund 35.000 Kinder waren bis zum Jahr 1980 in Erziehungsanstalten, Schulen und auch Heimen für Menschen mit Behinderung untergebracht.
Orden sichert sich Anonymität
70 Millionen Euro kosteten die Ermittlungen. Erschwert wurde die Arbeit der Kommission durch fehlende Dokumente und Gerichtsverfahren. Der Orden der Christian Brothers hatte die Untersuchungen ein Jahr verhindert, weil er - erfolgreich - vor Gericht für die Anonymität seiner Mitglieder in dem Bericht kämpfte.
Selbst in Fällen, wo es bereits zu Verurteilungen wegen sexuellen Missbrauchs oder physischer Attacken kam, sollten keine Namen genannt werden dürfen.
Späte Entschuldigung
Der Report kritisiert vor allem diesen Umgang und die Reaktion der Kirche auf die Missbrauchsvorwürfe, berichtete die britische BBC. Denn die Kirche habe sich bemüht, die Vergangenheit so weit als möglich in Vergessenheit geraten zu lassen. Im Vorfeld zur Veröffentlichung des Reports im Mai gab es keine Stellungnahmen der kirchlichen Vertreter.
Nach der Präsentation sagte Kardinal Sean Brady, der Primas von Irland und Erzbischof von Armagh, er sei "zutiefst beschämt, dass Kinder in diesen Institutionen auf so schreckliche Weise leiden mussten".
TV-Doku brachte Vorwürfe ins Rollen
Eine TV-Dokumentation brachte den Skandal Ende der 90er Jahre ans Licht. Christine Buckley war eine der Ersten, die Anfang der 90er Jahre das Schweigen brach. Für sie zeigt der aktuelle Report, "ob der Weg zu mehr Gerechtigkeit, der von so vielen so lange gegangen wurde, erfolgreich war".
60 Rosenkränze pro Tag herstellen
Buckley wurde Ende der 50er Jahre in ein Waisenhaus der Barmherzigen Schwestern gebracht - als Kind einer unverheirateten irischen Mutter und eines nigerianischen Vaters. In ihrem Heim wurde verlangt, dass die Kinder pro Tag 60 Rosenkränze herstellen sollten, andernfalls drohten ihnen verbale Demütigung oder Schläge.
Andere berichteten davon, dass es auch Strafen gab, wenn bei den Mahlzeiten gesprochen oder mit der linken Hand geschrieben wurde.
Arbeit für den Orden
Ein erster Zwischenbericht wurde bereits 2003 veröffentlicht. 700 Zeugen hatten zu ihrem Leben in einer der kirchlichen Institutionen ausgesagt. Sie berichteten, mit Lederriemen und Stöcken geschlagen worden zu sein. Andere erzählten, wie sie von mehreren Tätern gleichzeitig vergewaltigt wurden.
Für die meisten Kinder, die in einer dieser Institutionen untergebracht waren, endete die Schulpflicht mit zwölf Jahren. Danach arbeiteten sie für den religiösen Orden in der Landwirtschaft, in Wäschereien und als Haushaltshilfen. Viele blieben bis zu ihrem 16. Lebensjahr in den Einrichtungen.
Die meisten Kinder kamen in kirchliche Obhut etwa wegen Schulschwänzens oder weil sie unehelich geboren wurden. Die Kinder seien in "Häusern des Horrors" gefangen gewesen, meinte die Journalistin Mary Raftery, die sich mit dem Fall näher beschäftigte.
"Es ist eine beschämende Episode unserer Geschichte", sagte sie gegenüber der BBC. Dennoch wurde lange Stillschweigen bewahrt. Die Opfer befürchteten, von weiten Teilen der katholischen Gesellschaft Irlands als Lügner abgestempelt zu werden.
Mit dem Report und der Veröffentlichung ihrer Erlebnisse hoffen die Opfer nun auf späte Rehabilitation. Erstmals gibt es auch spezifische Daten zu bestimmten Einrichtungen.
Schadenersatzzahlungen ermöglicht
Der erste große Skandal eines pädophilen Priesters 1994 brachte eine ganze Regierung zu Fall. 1999 entschuldigte sich der frühere Premierminister Bertie Ahern für das jahrelange staatliche Versagen, die Rechte seiner Kinder zu schützen.
Er war es auch, der die Untersuchungskommission etablierte und Schadenersatzzahlungen von umgerechnet jeweils rund 61.000 Euro für 12.000 Opfer veranlasste.
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