Ruf der Kirche schützen

Vertreter der Opfer bezeichneten das Angebot der Christian Brothers als "Schall und Rauch".
Jahrzehntelang sind Hunderte irische Kinder in Heimen und Schulen der Katholischen Kirche sexuell missbraucht und physisch misshandelt worden. Bereits im Mai legte die von der Regierung mit dem Fall betraute Untersuchungskommission einen ersten Bericht mit Details über Schläge, Demütigungen und Vergewaltigungen unter dem Dach der Kirche offen.

Regierung gesteht Fehler ein
Am Donnerstag wurde der zweite Teil der Ergebnisse präsentiert. Über 700 Seiten zeigen das Stillschweigen staatlicher Behörden und der Polizei, und wie die Spitze der katholischen Kirche jahrzehntelang Missbrauchsvorwürfe aktiv vertuschte.

Bei der Präsentation des Berichts entschuldigte sich der irische Justizminister Dermot Ahern für die Fehler staatlicher Behörden: "Dieser Bericht katalogisiert Übeltat für Übeltat, die alle im Namen dessen begangen wurden, was perverserweise als das Gute gesehen wurde."

Ruf der Kirche schützen
Wie der Bericht zeigt, sollen vier frühere Erzbischöfe von Dublin routinemäßig zumindest bis in die 90er Jahre Priester geschützt haben. Im Umgang mit Missbrauchsfällen sei es ihnen vor allem um Geheimhaltung, den Ruf der Kirche und den Erhalt des Vermögens gegangen. "Alle anderen Erwägungen, darunter das Wohl von Kindern und Gerechtigkeit für Opfer, wurden diesen Prioritäten untergeordnet", so der Bericht.

Im Mittelpunkt der Untersuchungen standen die Fälle von 46 Priestern, denen in den Jahren 1975 bis 2004 über 300 Fälle von Missbrauch zur Last gelegt wurden.

Versicherung gegen etwaige Klagen
Ebenfalls in dem Bericht angesprochen wurde eine bereits 1987 von der Dubliner Erzdiözese ausgehandelte Versicherungspolizze für etwaige Kosten für Gerichtsverfahren und Ansprüche. Demnach wussten die drei Erzbischöfe John Charles McQuaid, Dermot Ryan und Kevin McNamara zu dieser Zeit bereits von zumindest 17 Priestern, die mit Kindesmissbrauch in Verbindung gebracht werden können.

Die Versicherung und die Furcht vor entstehenden Kosten sei ein Beweis dafür, dass die Diözese bereits über die Missbrauchsfälle informiert war, kritisierte die Untersuchungskommission.

Dubliner Erzbischof "schockiert"
Der Report "schockiert uns alle", sagte der derzeitige Dubliner Erzbischof Diarmuid Martin. Im Gegensatz zu seinem umstrittenen Vorgänger Desmond Connell, der aufklärende Dokumente verschlossen hatte, war er entscheidend an der Aufarbeitung des Skandals beteiligt.

Connell wurde vorgeworfen, des Missbrauchs verdächtige Priester in andere Pfarren versetzt zu haben, ohne dem Problem auf den Grund zu gehen. Er wurde wie die anderen drei kritisierten Erzbischöfe mit Vorwürfen der Vertuschung konfrontiert.

161 Mio. Euro für Missbrauchsopfer
Vor allem die früher mächtige irische Ordensgemeinschaft Christian Brothers stand im Mittelpunkt der Vorwürfe. Fast ein halbes Jahr später reagierten die Christan Brothers am Mittwoch auf den Bericht vom Mai. Angesichts dieser Ergebnisse empfinde man "Scham und Bedauern". Die Ordensgemeinschaft fasst heute nur noch rund 250 Mitglieder mit einem durchschnittlichen Alter von 74 Jahren.

Nur einen Tag vor der Präsentation des zweiten Teils des Berichtes bot der Orden den Opfern 161 Millionen Euro Entschädigung an. Damit solle "unsere moralische Verpflichtung gegenüber den Überlebenden des Missbrauchs" anerkannt werden.

Der Orden hatte jahrelang gerichtlich versucht, die Namen seiner Mitglieder in diesem Fall nicht veröffentlichen zu müssen.

"Schall und Rauch"
Diese 161 Millionen Euro setzen sich laut Christian Brothers aus 30 Millionen Euro für den Treuhandfonds der Regierung, vier Millionen Euro für psychologische Beratung und aus der Übergabe von Spiel- und Sportplätzen im Wert von 127 Millionen Euro, die zu katholischen Schulen gehörten, an den irischen Staat zusammen.

Vonseiten der Missbrauchsopfer gab es harsche Kritik an dem Entschädigungsangebot des Ordens. Denn nur 34 Millionen Euro des Angebots seien tatsächlich "neues Geld", reagierte eine Gruppe der Opfervertreter erbost. Sie bezeichnete das Angebot als "Schall und Rauch".

Staat leistet Entschädigung
Auch die Orden der Barmherzigen Schwestern und der Barmherzigen Töchter versprachen kurz vor der Präsentation fünf beziehungsweise zehn Millionen Euro als Kompensation.

Bereits 2002 hatten sich die katholischen Kirchenorden verpflichtet, Missbrauchsopfer in kirchlichen Heimen mit 128 Millionen Euro zu entschädigen. Die irische Regierung hatte dafür zugesagt, weitere Entschädigungsforderungen zu übernehmen, da kirchliche Heime teilweise in staatlichem Auftrag Kinder aufgenommen hätten.

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