Hoffen auf kauffreudige Amerikaner

Tag nach Thanksgiving läutet traditionell die Weihnachtssaison ein.
Bereits bisher hat der Tag nach Thanksgiving eine wichtige Rolle für die US-Wirtschaft gespielt. In diesem Jahr aber erscheint der "Schwarze Freitag" ("Black Friday") krisenbedingt wichtiger denn je.

Mit einer wahren Rabattschlacht werden dann die US-Einzelhandelsgiganten Wal-Mart und Co. in ihren Filialen das Weihnachtsgeschäft eröffnen, das bereits in den Jahren zuvor manches Unternehmen noch vor den roten Zahlen retten konnte.

Eine ganze Flut von Konjunkturdaten könnte zudem neuen Aufschluss darüber geben, ob die weltgrößte Volkswirtschaft tatsächlich wieder Tritt fasst.

134 Millionen Käufer erwartet
Beobachter sind sich einig, dass die letzten Wochen des Jahres entscheidendenden Einfluss auf die fragile Erholung der US-Wirtschaft haben werden.

Die Blicke richten sich dabei vor allem auf das Verhalten der Verbraucher, da nicht zuletzt von deren Kauflaune die Wirtschaftskraft des Landes abhängt.

Der US-Einzelhandelsverband (National Retail Federation, NRF) blickt optimistisch auf das "Black Friday"-Wochenende, da laut einer Studie dieses Jahr mit 134 Millionen deutlich mehr Menschen in den Geschäften erwartet werden als im Jahr zuvor (128 Mio., Anm.).

Kaum vorhersehbar
Angesichts der Skepsis von Beobachtern, die einen flauen Start des Weihnachtsgeschäfts erwarten, dürften aber erst die nächsten Wochen Aufschluss über das wahre Konsumentenverhalten geben.

Zudem werden bis dahin auch die Einzelhändler über den November Bilanz gezogen haben.

Die Branche blickt in diesem Jahr jedenfalls mit besonderer Nervosität auf das entscheidende Weihnachtsgeschäft, da das Verhalten der Kunden angesichts der Krise als kaum vorhersagbar gilt.

"Wie viele Dollar haben sie in der Tasche?"
"Historisch gesehen gibt der amerikanische Verbraucher so lange Geld aus, bis er wirklich nichts mehr in seiner Tasche hat", sagte Lawrence Creatura, Portfolio-Manager bei Federated Clover Capital Advisors.

"Deshalb lautet die Frage: Wie viele Dollar haben sie in der Tasche? Die Antwort darauf werden wir nach dem 'Black Friday' bekommen."

"Zwei Schritte vorwärts, einer zurück"
Zuletzt kamen an der Wall Street immer wieder Zweifel auf, ob es mit der US-Wirtschaft nun endgültig bergaufgeht oder bereits die nächste Talfahrt bevorsteht.

Insgesamt zeichnet sich zwar eine Erholung ab, nur deshalb konnten die wichtigsten Indizes in der vergangenen Woche neue Jahreshöchststände erklimmen. "Die wirtschaftlichen Daten weisen grundsätzlich in die richtige Richtung", sagte auch Michael Sheldon von RDM Financial. "Aber auch in Zukunft wird es für die Investoren heißen: zwei Schritte vorwärts, einer zurück."

Datenflut in Thanksgiving-Woche
Grundsätzlich herrscht unter Anlegern die große Sorge, dass die Rallye der vergangenen Monate übertrieben ausgefallen und der noch immer tristen wirtschaftliche Realität weit vorausgeeilt sein könnte.

Trotz der feiertagsbedingt verkürzten Handelswoche dürften die Börsianer nicht über fehlende Daten klagen. Aufschluss über den Stand der US-Wirtschaft erwarten sie sich etwa von den aktuellen Zahlen zu Hausverkäufen, Verbrauchervertrauen und Industrieaufträgen sowie einer weiteren Schätzung der Wirtschaftsleitung.

Zudem gilt selbst ein gutgehendes Weihnachtsgeschäft noch nicht als Garant für bessere Zeiten - zu groß erscheint derzeit noch die durch die Krise aufgebürdete Hypothek.

Wichtiger Indikator
Die Umsätze am "Black Friday" gelten dennoch als wichtiger Indikator dafür, wie sich die Geschäfte in den Monaten November und Dezember entwickeln. Traditionell werden an diesem Wochenende etwa zehn Prozent des Jahresumsatzes erwirtschaftet.

Der Freitag direkt nach Thanksgiving hat seinen Namen daher, dass der US-Einzelhandel meist erst ab diesem Tag Gewinne macht, das heißt schwarze Zahlen schreibt. Die Entwicklung der Konsumausgaben ist von zentraler Bedeutung für die US-Wirtschaft als Ganzes. Immerhin machen sie rund zwei Drittel des amerikanischen Bruttoinlandsprodukts (BIP) aus.

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