Der Bericht, der am Dienstag im deutschen Potsdam veröffentlicht wurde, zielt auf den am 7. Dezember beginnenden Weltklimagipfel in Kopenhagen ab und trägt den Titel "Copenhagen Diagnosis".
"Dies ist der letzte wissenschaftliche Aufruf an die Unterhändler von 192 Staaten, den Klimaschutzzug in Kopenhagen nicht zu verpassen", sagte der Direktor des Potsdam-Instituts für Klimaforschung, Hans-Joachim Schellnhuber. "Sie müssen die ganze Wahrheit über die globale Erwärmung und die damit verbundenen nie da gewesenen Risiken kennen."
Eis schmilzt rascher als angenommen
In ihrem Papier fassen die 26 Forscher - die meisten von ihnen Mitautoren früherer UNO-Weltklimaberichte - neue Ergebnisse der Klimaforschung zusammen, die noch nicht im 2007 veröffentlichten vierten Weltklimabericht enthalten waren.
Wörtlich heißt es in dem jüngst präsentierten Bericht: "Die großen Eisschilde der Erde verlieren zunehmend an Masse; das arktische Meereis schwindet deutlich schneller als noch kürzlich projiziert, und der Meeresspiegel wird wahrscheinlich stärker ansteigen als bisher angenommen."
So war der Eisverlust im arktischen Eismeer in den Sommern 2007, 2008 und 2009 jeweils um rund 40 Prozent größer als der Mittelwert der Simulationsrechnungen, die im vierten UNO-Weltklimabericht aus dem Jahr 2007 stehen, wie die Experten betonen.
Überschwemmungen drohen
Ebenso stieg der Meeresspiegel in den vergangenen 15 Jahren um mehr als fünf Zentimeter. Der Anstieg liegt damit um rund 80 Prozent über den Projektionen aus dem dritten Weltklimabericht aus dem Jahr 2001.
Durch den Schmelzwasserzufluss von Eisschilden und Gebirgsgletschern könnte der Pegel bis zum Jahr 2100 global um mehr als einen Meter bis maximal zwei Meter steigen, warnen die Experten.
Treibhausgaskonzentration so hoch wie nie
Im Jahr 2008 wurden laut dem Bericht rund 40 Prozent mehr Kohlendioxid aus fossilen Quellen freigesetzt als im Jahr 1990: "Selbst wenn die Emissionen nicht weiter zunähmen, wäre schon innerhalb von 20 Jahren das Emissionsbudget aufgebraucht, das der Welt noch zur Verfügung steht, wenn die globale Erwärmung auf höchstens zwei Grad begrenzt werden soll."
Ähnliches konstatierte auch die UNO-Wetterbehörde WMO. Der Gehalt von Treibhausgasen in der Atmosphäre sei so hoch wie nie zuvor und steige weiter. Damit könnten die pessimistischsten Szenarien zum weltweiten Temperaturanstieg wahr werden, warnte WMO-Chef Michel Jarraud am Montag.
Die Konzentration des klimaschädlichen CO2 sei 2008 etwas schneller gestiegen als während des vergangenen Jahrzehnts, sagte Jarraud. Die Menge an Kohlendioxid, Methan und Stickstoff, den Hauptverursachern des Klimawandels, befinde sich auf dem höchsten Niveau seit dem Beginn des Industriezeitalters.
"Spielraum so gut wie ausgeschöpft"
Um das Klimasystem zu stabilisieren, müssten die Emissionen von Kohlendioxid und anderen langlebigen Treibhausgasen laut den Forschern des Syntheseberichts "noch in diesem Jahrhundert fast auf null gesenkt werden".
"Unser Spielraum für 'erlaubte Emissionen', die unsere Klimazukunft nicht zu stark gefährden, ist so gut wie ausgeschöpft", sagte Matthew England, Direktor am Climate Change Research Centre der University of New South Wales.
Innerhalb nur eines Jahrzehnts müssten die globalen Emissionen beginnen abzunehmen. Die Welt brauche deshalb dringend eine verbindliche Einigung, "die sicherstellt, dass die großen Emittenten einmütig handeln".
Keine verbindlichen Regeln
Wie rasch es zu der geforderten "verbindlichen Einigung" kommt, bleibt offen. Der UNO-Klimagipfel tagt zwar vom 7. bis zum 18. Dezember, vorerst soll es aber lediglich bei einem politischen Bekenntnis zur Reduktion von Treibhausgasen bleiben.
Juristisch verbindliche Normen sollen erst in einem zweiten Schritt ausgehandelt werden. Damit scheint das ursprünglich für Kopenhagen angestrebte Klimaabkommen als Nachfolgevereinbarung des Kyoto-Protokolls nicht mehr erreichbar zu sein.
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