"Hommage" an Opel

Experten sind überzeugt, dass Opel kein Kosten-, sondern ein Produktproblem hat.
Der Opel-Mutterkonzern General Motors (GM) hat sich entschieden, die Europa-Zentrale von Zürich nach Rüsselsheim zu verlegen. "Wir wollen damit die Marke Opel und den Standort stärken", sagte ein Unternehmenssprecher.

Nach dem Verkauf von Saab wolle sich der US-Konzern in Europa nun auf Opel, das seinen Stammsitz in Rüsselsheim hat, sowie die Marke Chevrolet konzentrieren.

Reaktion auf öffentliche Kritik
Die Standortentscheidung wird von Branchenkennern als Reaktion von GM auf die öffentliche Kritik am Gezerre um die Opel-Zukunft gesehen.

Das Opel-Stammwerk südwestlich von Frankfurt am Main ist mit rund 15.600 Mitarbeitern das Zentrum von Opel. Hier läuft der neue Mittelklassewagen Insignia vom Band. In Rüsselsheim ist zudem das Internationale Entwicklungszentrum (ITZ) angesiedelt. Zusätzlich gibt es in Deutschland Opel-Werke in Bochum, Kaiserslautern und Eisenach.

Umzug begonnen
Der Umzug der rund 150 GM-Mitarbeiter aus Zürich hat bereits begonnen und soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Dort bleibt dann nur noch die Verwaltung der GM-Tochter Chevrolet sowie von Opel Schweiz.

"Mit dem Verkauf der Tochter Saab hat die Mehrmarkenstrategie von GM nicht mehr gegriffen", erklärte der Sprecher die Entscheidung. Nun wolle man für Opel die Verwaltung, Entwicklung und Produktion in Rüsselsheim zusammenführen. Seit Mitte der 80er Jahre hatte der Konzern seine Europa-Zentrale in der Schweiz.

Betriebsrat zufrieden
Der Betriebsrat begrüßte die GM-Entscheidung zum Umzug. "Das ist eine logische Konsequenz und eine Hommage an den Standort Rüsselsheim", sagte der Gesamtbetriebsratsvorsitzende Klaus Franz. Der Betriebsrat erneuerte seine Forderung nach einer Umwandlung der Adam Opel GmbH in eine Aktiengesellschaft, damit Opel mehr Eigenständigkeit erhält.

Das hatte GM-Chef Fritz Henderson Anfang November bei seinem Besuch in Rüsselsheim aber bereits abgelehnt und gesagt: "Ich bin mir einfach nicht sicher, ob das der richtige Weg ist, um erfolgreich zu werden."

Neuer Aufsichtsratschef für Opel
GM möchte bis Ende des Jahres einen neuen Aufsichtsratschef für Opel finden, berichtete die "Welt am Sonntag". Mindestens zwei Kandidaten stünden für den Posten zur Wahl. Dem ursprünglichen Kandidaten, GM-Urgestein Bob Lutz (77), werden in Unternehmenskreisen aber schlechte Chancen eingeräumt, weil er bei den Arbeitnehmern nicht durchsetzbar sei.

Der bisherige GM-Europa-Chef und Vorsitzende des Aufsichtsrats, Carl-Peter Forster, war nach Absage des Opel-Verkaufs zum indischen Tata-Konzern gewechselt.

Produktproblem bei Opel
Nach Expertenmeinung hat Opel weniger ein Kosten- als vielmehr ein Produktproblem und muss dringend seine Modellpalette erweitern. "Da werden die Modelle Astra und Insignia bei weitem nicht ausreichen", sagte Stefan Bratzel von der Fachhochschule der Wirtschaft in Bergisch Gladbach der "Automobilwoche".

Neben dem Abbau von Überkapazitäten und der Reduzierung von Kosten müsse eine auf einem GM-weiten Modulbaukasten aufsetzende Produktstrategie entwickelt werden.

Sanierung teurer als erwartet
Die Sanierung wird nach Worten des Opel-Aufsichtsrats und IG-Metall-Chefs von Hessen, Armin Schild, teurer als von GM bisher genannt. Statt der eingeplanten drei Milliarden Euro koste die Restrukturierung mindestens sieben Milliarden Euro, sagte Schild der "WirtschaftsWoche".

Der gescheiterte Kaufinteressent Magna hatte den Bedarf mit 4,5 Mrd. Dollar kalkuliert. Die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft KPMG bezifferte im September die Sanierungskosten für Opel innerhalb des GM-Konzerns auf 6,1 Mrd. Dollar (4,1 Mrd. Euro).

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