Mit der Umstellung auf das neue System wird nicht mehr der Besitz, sondern allein die Nutzung von Autos besteuert. Die Kilometergebühr soll zunächst durchschnittlich drei Cent betragen, bis 2018 soll der Tarif auf 6,7 Cent steigen.
Das System soll satellitengestützt funktionieren und ist auch in den Niederlanden selbst nicht unumstritten. In Österreich wäre ein derartiges System zumindest derzeit chancenlos, wie das Ö1-Mittagsjournal berichtete - mehr dazu in oe1.ORF.at.
Studie: Sechs von zehn würden profitieren
Die niederländische Regierung - eine Koalition aus Sozial- und Christdemokraten - geht davon aus, dass sich die Belastung der Umwelt durch Kohlendioxid in Fahrzeugabgasen mit Hilfe der Kilometersteuer um zehn Prozent reduziert.
Insgesamt werde die Zahl der gefahrenen Kilometer um 15 Prozent abnehmen, da mehr Menschen auf öffentliche Verkehrsmittel umsteigen würden.
Zudem könne bis 2020 die Zahl der vor allem im Berufsverkehr zermürbenden Staus auf das Niveau von 1992 verringert werden. Weiters präsentierte die Regierung Berechnungen, wonach sechs von zehn Autofahrern mit dem neuen Modell sogar weniger Steuer zahlen würden.
Nein von ÖVP, FPÖ und BZÖ
In Österreich stößt das niederländische Modell bei den Parlamentsparteien nur auf geringes Interesse. Von ÖVP-Verkehrssprecher Ferdinand Maier kam ein klares Nein - mit der Vignette verfüge man über ein bewährtes Instrument.
"Es gibt derzeit keinen Anlass, von unserem System abzugehen", hieß es auch aus dem ÖVP-geführten Finanzministerium.
FPÖ-Verkehrssprecher Harald Vilimsky äußerte sich ähnlich. Mobilität sei ein Grundrecht, die Debatte solle eingestellt werden.
BZÖ-Verkehrssprecher Christoph Hagen hält das niederländische Modell zwar für "interessant", vermutet aber, dass damit das Fahren noch teurer würde. Das lehne er ab.
SPÖ derzeit dagegen
Im Koalitionsabkommen stehe nichts über eine Kilometersteuer, also sei das in den nächsten vier Jahren auch kein Thema, erklärte Verkehrsministerin Doris Bures (SPÖ).
Derzeit gebe es die Vignette, das bleibe für diese Legislaturperiode auch so, sagte Bures. Sie werde sich aber andere Modelle ansehen und dann überlegen, was für Österreich und die Umwelt gut sei.
Grüne im Prinzip dafür
Die Verkehrssprecherin der Grünen, Gabriela Moser, hegt zwar Sympathie für das niederländische System, hält es aber für nicht ganz durchdacht, da es nicht zwischen Benzinfressern und sparsamen Autos unterscheide. Sie sprach von einem "Rasenmähersystem".
ÖAMTC dagegen
Der Autofahrerclub ÖAMTC lehnt das niederländische Modell ab. "Wir haben mit der Mineralölsteuer und dem Road-Pricing die bessere Lösung", sagte Mario Rohracher, Chef der ÖAMTC-Interessenvertretung.
Dudenhöffer: Ein Beispiel nehmen
Der Leiter des Lehrstuhls für Automobilwirtschaft an der Universität Duisburg-Essen, Ferdinand Dudenhöffer, forderte dagegen, Deutschland solle sich an dem "fortschrittlichen Modell ein Beispiel nehmen".
"Für ein Fahrzeug, das im Jahr 100 Kilometer fährt, bezahlt man in Deutschland den gleichen Steuerbetrag wie für das gleiche Auto, das 100.000 Kilometer fährt", kritisierte der Verkehrsexperte.
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