Hohe Erwartungen an LHC

"Der LHC wird ein Fenster in dieses dunkle Universum öffnen."
Von der größten Maschine, die Menschen je gebaut haben, erwartet Rolf-Dieter Heuer nicht weniger als den ersten Schritt in ein geheimnisvolles "dunkles Universum".

Der 61-jährige Physikprofessor ist Chef des Europäischen Teilchenforschungszentrums (CERN) bei Genf. Unter seiner Ägide werden die ersten Ergebnisse der weltgrößten Forschungsmaschine, des LHC (Large Hadron Collider), eintreffen.

"Ganz fantastisch"
Die Physiker, erklärte Heuer im Vorjahr anlässlich der ersten Inbetriebnahem des LHC, verstünden erst vier bis fünf Prozent des Universums, nämlich die sichtbare Welt. "Wir verstehen, wie ein Tisch, die Sterne und so weiter aufgebaut sind."

Mehr als 95 Prozent des Kosmos bestehen jedoch aus einer unerforschten "Dunklen Energie" und einer unbekannten "Dunklen Materie". "Der LHC wird ein Fenster in dieses dunkle Universum öffnen, hoffe ich. Das finde ich faszinierend. Die Möglichkeit, den ersten Schritt in das dunkle Universum zu gehen, finde ich ganz fantastisch", so Heuer.

"Keine Mini-Schwarzen-Löcher"
Befürchtungen, die Teilchenschleuder könnte die Erde dabei in einem Schwarzen Loch versenken, bereiten dem Wissenschaftler keine schlaflosen Nächte.

"Ich bin sicher, dass der LHC keine gefährlichen Mini-Schwarzen-Löcher erzeugen kann. Die Existenz der Erde, des Sonnensystems und des gesamten Universums sind für mich der beste Beweis", so der CERN-Generaldirektor.

Was die Physiker rund hundert Meter unter der Erde im französisch-schweizerischen Grenzgebiet tun, geschieht im Universum unentwegt und mit viel größerer Wucht, als sich je auf der Erde nachstellen lässt.

Auch ein soziologisches Experiment
Der LHC ist für Heuer nicht nur physikalisch ein fesselndes Experiment, sondern auch soziologisch: Tausende Forscher verschiedener mit verschiedenem kulturellen Hintergrund aus aller Welt zu vereinen erfordere besonderes Geschick, betonte er: "Solche Riesenexperimente zusammenzuhalten, das ist alles andere als einfach."

Die wissenschaftliche Zusammenarbeit könne dabei durchaus als Vorbild für politische Kooperation dienen, betonte Heuer: "Am CERN arbeiten etwa Israelis und Palästinenser zusammen, das ist überhaupt kein Problem." Wissenschaft war nach seiner Überzeugung schon immer eine treibende Kraft für die Verständigung unter den Völkern.

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