Reibungsloser Neustart des LHC

Vorsichtiger Neustart nach monatelanger komplizierter Reparatur.
Nach monatelangen Reparaturen ist Freitagabend die "Urknallmaschine" der Europäischen Organisation für Kernforschung (CERN) in einem zweiten Anlauf wieder in Betrieb gegangen.

Der Start des des Teilchenbeschleunigers LHC (Large Hadron Collider) sei ohne Fehler verlaufen, meldete das Forschungszentrum bei Genf. Mit der fast vier Milliarden Euro teuren Anlage wollen Physiker dem Urknall vor 13,7 Milliarden Jahren auf die Spur kommen.

Vorsichtiger zweiter Anlauf
Der Neustart war vorsichtig vorbereitet worden, um erneute Schäden am LHC zu vermeiden, erfolgte dann aber um einige Stunden rascher als erwartet.

Gegen 22.00 Uhr wurde der erste Protonenstrahl durch den 27 Kilometer langen Beschleunigungskanal geschickt, bestätigte CERN-Sprecher James Gillies. Zwei Stunden später folgte ein weiterer - in die entgegengesetzte Richtung.

Ohne Probleme
"Es ist großartig, dass der Strahl wieder zirkuliert", zeigte sich CERN-Generaldirektor Rolf Heuer mit dem zweiten Anlauf zufrieden.

Bilderbuchstart mit anschließender Panne
Der Teilchenbeschleuniger an der schweizerisch-französischen Grenze war im September des Vorjahrs mit einem Bilderbuchstart erstmals in Betrieb genommen worden. Wenige Tage später jedoch legte eine schwere Panne die "Urknallmaschine" wieder lahm. Aus dem Kühlsystem war Helium entwichen. An den Beschleunigungsmagneten entstanden ebenfalls Schäden.

Langwierige Reparaturarbeiten
Die Reparaturarbeiten dauerten länger als ein Jahr. Inzwischen wurden Sicherungsvorrichtungen eingebaut, die einen reibungslosen Betrieb gewährleisten sollen. Um seine volle Leistungskraft zu erreichen, muss der LHC allerdings mehrere Jahre laufen.

Erste wissenschaftliche Experimente sollen aber, einen reibungslosen Betrieb vorausgesetzt, bereits im Jänner durchgeführt werden, hieß es aus Genf.

Schwierige Reparatur
Die monatelange Reparatur gestaltete sich vor allem wegen der Temperaturverhältnisse in der Anlage schwierig. Diese arbeite, hatte nach der Abschaltung CERN-Sprecher Gillies erklärt, bei einer Temperatur nahe dem absoluten Nullpunkt (minus 273,15 Grad Celsius) - damit sei es im Inneren kälter als im Weltall.

Für die Instandsetzung musste das System daher in einem langwierigen Prozess erst erwärmt und danach wieder abgekühlt werden.

Fast 20-jährige Vorbereitungszeit
Nach fast 20-jähriger Vorbereitungszeit hatten Wissenschaftler des CERN am 10. September 2008 den ersten Protonenstrahl in die 27 Kilometer lange unterirdische Röhre des weltweit leistungsstärksten Beschleunigers geschickt.

Die Forscher wollen in dem mehr als hundert Meter unter der Erde gelegenen LHC Protonen auf enorme Geschwindigkeit beschleunigen und miteinander kollidieren lassen. Zum Beschleunigen der Protonen ist eine Temperatur von minus 271,3 Grad Celsius notwendig, weshalb ein ausgeklügeltes Kühlsystem notwendig ist.

Die "Urknallmaschine"
Von den Experimenten erhoffen sich die CERN-Wissenschaftler Aufschluss über fundamentale Fragen wie die Entstehung des Universums und die Struktur der Materie.

Im LHC werden Atomkerne nahezu auf Lichtgeschwindigkeit beschleunigt und mit Magnetfeldern, die 100.000-mal stärker sind als das irdische, auf eine Kreisbahn gezwungen. Bei gezielten Zusammenstößen der energiereichen Kerne wollen die Physiker mit haushohen Nachweisgeräten unter anderem erkunden, was kurz nach dem Urknall geschah, woraus die rätselhafte dunkle Materie besteht und warum Materie überhaupt eine Masse besitzt.

Warnungen vor Weltuntergang
Als unbegründet und absurd hatten die CERN-Forscher vor dem ersten Start Einwände einzelner Wissenschaftler zurückgewiesen, die Hochenergie-Experimente im LHC seien hochgefährlich und könnten schlimmstenfalls sogar zum Weltuntergang führen.

Kritiker führten unter anderem ins Feld, bei den Experimenten könnten "Strangelets" entstehen - hypothetische Teilchen, die die Erde verschlingen könnten.

Schwarze Löcher?
Auch würden womöglich Schwarze Löcher produziert, die als gefräßige Schwerkraftmonster dem Planeten gefährlich werden könnten. Die CERN-Wissenschaftler halten dem unter anderem entgegen, dass die Natur seit jeher beim Auftreffen kosmischer Höhenstrahlung auf die Erde weit höhere Energien produziere als der LHC.

Nach Angaben des CERN ist der LHC die größte Maschine, die Menschen je gebaut haben.

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