Wer schafft es 2010?

Österreich hofft auf Nominierung von Arash T. Riahis "Ein Augenblick Freiheit".
Das Sozialdrama "Precious" könnte der nächste "Slumdog Millionär" werden. So wie das in Mumbai gedrehte Straßenkinder-Märchen im Vorjahr quasi aus dem Nichts auftauchte und bei der letzten Oscar-Gala acht goldene Trophäen holte, könnte "Precious" in Hollywood zum Siegeszug durchstarten.

Die bedrückende wie inspirierende Geschichte einer fettleibigen 16-Jährigen im New Yorker Schwarzenviertel Harlem, die vom Vater geschwängert und von der Mutter geprügelt dem Elend zu entkommen versucht, kann auf Gold hoffen. "'Precious' ist einer der Spitzenanwärter für den Oscar als bester Film", prophezeit der Kritiker der Zeitschrift "Rolling Stone".

In Toronto umjubelt
Schon in Cannes wurde das von Oprah Winfrey produzierte und von US-Regisseur Lee Daniels gedrehte Drama mit großem Beifall aufgenommen. Beim Filmfestival in Toronto gewann es kürzlich den Publikumspreis. In der Hauptrolle debütiert die junge Schauspielerin Gabourey Sidibe. Die tyrannische Mutter wird von der Komödiantin Mo'Nique gespielt - beide haben Aussicht auf eine Oscar-Nominierung.

Wieder Cormac McCarthy?
Gute Aussichten bescheinigen Hollywoods Kritiker auch dem düsteren Streifen "The Road", basierend auf dem postapokalyptischen Roman des Pulitzer-Preisträgers Cormac McCarthy über den Überlebenskampf eines Vaters und seines Sohnes, gespielt von Viggo Mortensen und Kodi Smit-McPhee.

Schließlich hatte auch McCarthys brutaler Western "No Country for Old Men" in der Verfilmung der Coen-Brüder 2008 vier Trophäen geholt, darunter als bester Film und für die beste Regie.

Nominierungen am 2. Februar
Hollywood steckt also Monate vor der Verleihung der Academy Awards wieder mitten im "Oscar-Buzz": Es wird getuschelt, es hagelt Vorhersagen, es wird lobbyiert. Kritiker und Film-Insider vergeben Tipps und Vorschusslorbeeren für die vermeintlichen Favoriten, die Anfang März Gold holen könnten.

Nach den Vorschriften der Oscar-Akademie müssen - jedenfalls in den zentralen Kategorien - Filme vor dem Jahresende in US-Kinos angelaufen sein, um sich für eine Nominierung zu qualifizieren. Am 2. Februar werden die Nominierungen für den Filmpreis verkündet, die Vergabe geht dann am 7. März zum 82. Mal über die Bühne.

Zehn Kandidaten für besten Film
Sogar der neue Michael-Jackson-Film "This Is It", der den Sänger bei seinen letzten Konzertproben in den Monaten vor seinem Tod am 25. Juni zeigt, hat Oscar-Fans, auch wenn er in der Dokumentarfilm-Kategorie nicht startberechtigt ist.

Auch das Spezialeffekte-Spektakel "2012" des deutschen Hollywood-Regisseurs Roland Emmerich, der mit viel Geschick die Welt untergehen lässt, wurde schon genannt. Der Kritiker der "New York Post" sieht ihn dank eines neuen Wachstumsschubs beim Oscar auf der Kandidatenliste der besten Filme: Erstmals seit Jahrzehnten lässt die Akademie zehn statt fünf Kandidaten in der Königskategorie zu.

Von Pixar bis Tom Ford
Der Pixar-Animationsfilm "Oben" gilt nun als Top-Ten-Kandidat, ebenso das futuristische Drama "Avatar" von James Cameron, der 1998 mit "Titanic" elf Trophäen gewann und bei seiner Dankesrede proklamierte, er sei der König der Welt.

Clint Eastwood zieht in diesem Jahr als Regisseur mit "Invictus" ins Feld. Morgan Freeman schlüpfte darin in die Rolle des südafrikanischen Freiheitskämpfers Nelson Mandela. Peter Jackson, der mit "Herr der Ringe" 2004 auf einen Schlag elf Oscars holte, tritt mit dem Drama "The Lovely Bones" an.

Auch Jason Reitmans "Up in the Air" mit George Clooney, Rob Marshalls neues Filmmusical "Nine" und "A Single Man", die erste Regiearbeit des Stardesigners Tom Ford, werden immer wieder genannt.

Waltz-Nominierung so gut wie fix
Glaubt man den Prognosen, kann der Österreicher Christoph Waltz fest mit einer Nominierung als bester Nebendarsteller für seine Rolle in Quentin Tarantinos "Inglourious Basterds" rechnen. Richtig eng wird es beim Rennen um den "Auslands-Oscar".

65 Länder reichten ihre Beiträge in der Kategorie bester nichtenglischsprachiger Film ein. Der Film "Das weiße Band" des österreichischen Regisseurs Michael Haneke könnte 2010 den begehrten Oscar nach Deutschland bringen. Österreich schickt "Ein Augenblick Freiheit" des österreichisch-iranischen Regisseurs Arash T. Riahi ins Rennen.

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