Viel Wind im Kattegat

Wie gut ist die Energienutzung auf der Vorzeigeinsel Samsö?
Wenn im Dezember die UNO-Klimakonferenz in Kopenhagen stattfindet, dann wird so mancher Referent auf ein in Dänemark befindliches Vorbild verweisen: die Insel Samsö mit ihren 4.200 Einwohnern.

Samsö mit seinen 114 Quadratkilometern liegt im Kattegat nördlich von Fünnen oder, wie die Inselbewohner stolz vermelden, genau im Herzen Dänemarks.

Pilgerziel für Nachhaltigkeitsexperten
©Bild: Reuters/Bob Strong
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Seit Monaten zieht die Insel Experten, Diplomaten und Politiker an, die alle das "Wunder von Samsö" (wie die "Frankfurter Allgemeine Zeitung" im Sommer schrieb) bewundern wollen. Samsö gilt als beinahe energieautonome Insel bzw. vermarktet sich selbst mit seiner scheinbar makellosen Energiebilanz.

Vor über zehn Jahren hatte der Lehrer und nunmehrige Chef der Samsöer Energieagentur, Sören Hermansen, mit Berechnungen begonnen, in denen er den Energieverbrauch der hauptsächlich landwirtschaftlich geprägten Insel aufschlüsselte. 250 Mio. Kilowattstunden brauchte die Insel pro Jahr. Für das Öl gaben die Samsinger im Jahr immerhin sieben Mio. Euro aus. Kostspielig wurde das Öl via Schiff vom dänischen Festland zum Inselhafen Kolby Käs transportiert.

Hermansens Plan war zunächst, den Energieverbauch um ein Fünftel zu senken und einen Verein zu gründen, in dem sich möglichst viele Insulaner zu einer Art Energiegemeinschaft zusammenschlossen. Daraus entstand die "Energiakademi".

Insel exportiert Strom
©Bild: Reuters/Bob Strong
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Über die Jahre wurde vor der Insel ein Offshore-Windanlagenpark aufgebaut, auf der Insel Biogasanlagen und Zusammenschlüsse von Heizanlagen zu einem kleinen Fernwärmemodell geschaffen. Mittlerweile exportiert die Insel Strom aus ihren Windkraftwerken - pro Jahr sind es 80 Millionen Kilowattstunden.

In Broschüren wirbt Samsö mit seinem ökologischen Fußabdruck: Von 60.000 Tonnen sei dieser auf minus 15.000 Tonnen pro Jahr gesunken.

Energieverbrauch nicht gesunken?
Dennoch halten Kritiker des Projekts Samsö entgegen, dass der Energieverbrauch auf der Insel selbst gar nicht gesunken sei. Man sei aber nur noch in beschränktem Maße auf Energielieferungen von außen abhängig. Und auch beim Heizen auf der Insel kommt man noch nicht ganz ohne Öl aus. 75 Prozent der Heizenergie komme aus dem Verbrennen von Stroh, Korn und Biogasen. Für den Rest muss immer noch das Öl aufkommen.

Auch die Fähre nach Samsö fährt weiterhin mit Diesel, und laut Medien gibt es nur einen Herzeigebauern, der aus Raps selbst Öl macht und damit Traktor und Dieselauto antreibt. Sonst ist man auf der Insel mit konventionellen Autos unterwegs.

Zu sehr auf Windparks verlassen?
Energieexperten beurteilen das Experiment Samsö mit gemischten Gefühlen. Wichtig sei, dass sich die Insel nicht zu sehr auf ihre Windparks verlasse, sondern die Energieautonomie tatsächlich aus verschiedenen Nutzungsformen direkt auf der Insel generiere, zitierte die "New York Times" jüngst den Energieexperten Philip Sargent vom Cambridge Energy Forum. Nicht überall gebe es so viel Meer und so günstige Windbedingungen rund um ein Siedlungsgebiet, so Sargent.

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