"Heuer sicher Verlustjahr"

AWD will Berater besser aussuchen.
Der wegen des Verkaufs von Immofinanz-Aktien heftig in die Kritik geratene Finanzdienstleister AWD will kommendes Jahr wieder "in positives Fahrwasser" kommen. Das sagte Ralph Müller, Chef von AWD Österreich und CEE, vergangene Woche. 2009 werde für AWD "sicherlich ein Verlustjahr".

Bei der Sammelklage des Vereins für Konsumenteninformation (VKI) beharrt AWD noch immer darauf, alle Fälle einzeln prüfen zu wollen.

Einbruch bei Umsatz
Im ersten Halbjahr 2009 brach der Umsatz von AWD Österreich und CEE fast um die Hälfte auf 35,6 Mio. Euro ein. Nach neun Monaten betrug der Rückgang rund 40 Prozent auf knapp über 50 Mio. Euro, wie aus dem aktuellen Finanzbericht des AWD-Konzerns hervorgeht. Genaue Österreich/CEE-Zahlen werden seit diesem Quartal nicht mehr bekanntgegeben.

Altersvorsorge "stärkstes Standbein"
Bis zum Jahresende werde sich "nichts Epochales tun", sagte Müller vor Journalisten. Von Monat zu Monat generiere das Unternehmen aber wieder mehr Umsatz. Das "mit Abstand stärkste Standbein" sei die Altersvorsorge, die etwa 60 Prozent des Umsatzes ausmache. "Noch auf kleiner Flamme", aber wieder im Kommen seien Investmentfonds.

Nächstes Jahr will AWD im Wertpapierbereich auf die Core-Satellite-Strategie (sicheres Kerninvestment und risikoreichere Einzelposten) setzen. Heuer würden etwa 100.000 der insgesamt rund 300.000 AWD-Kunden einen neuen Vertrag abschließen, freute sich Müller.

Längeres Training für Berater
Im Zuge der Finanzkrise und der Turbulenzen beim Vertrieb von Immofinanz-Papieren kamen AWD zahlreiche Berater abhanden, seit einigen Monaten halte man aber bei 750. Neue (selbstständige) Mitarbeiter müssen künftig 18 statt zwöf Monate in die AWD-eigene "Akademie" und danach die Prüfung zum gewerblichen Vermögensberater ablegen.

"Damit sind wir strenger als das Gesetz", so Müller. Derzeit laufen Bemühungen, die Finanzdiensleistungsassistenten (FDLA) abzuschaffen.

Bisher konnten die "Keiler" ohne Nachweis von Finanzkenntnissen Wertpapiere verkaufen. Künftig sollen sie nur noch als gewerbliche Vermögensberater oder als Wertpapieragenten tätig sein dürfen, wobei wohl auch Letztere einen Befähigungsnachweis erbringen werden müssen.

Nicht von Beginn an allein
Bei AWD arbeiten laut Müller schon jetzt 85 bis 90 Prozent gewerbliche Vermögensberater. Die Neuen dürfen während ihrer Ausbildungszeit nur gemeinsam mit einem erfahrenen Kollegen zu Kunden und bekommen im ersten Jahr eine finanzielle "Starthilfe". Müller will die Zahl der Berater um 150 bis 200 erhöhen.

Alle zwei Monate sollen etwa 30 Personen, die alle bei einem von rund 15 Vertriebsdirektoren vorstellig werden und ein Assessment-Center ablegen müssen, mit der AWD-Schule beginnen. Die Ausbildung lässt AWD vom WIFI Wien bewerten.

"Massiver" Bedarf erwartet
Müller, der seit Sommer im Amt ist, blickt jedenfalls "mit einer ordentlichen Portion Optimismus in die Zukunft". Nach der Krise werde es bei den Kunden einen "massiven" Beratungsbedarf geben, hofft er.

In den letzten zwölf bis 18 Monaten habe freilich fast jeder dritte Finanzdienstleister sein Geschäft einstellen müssen, räumte der ehemalige Bank-Austria-Vorstand ein. Im ersten Quartal 2010 wolle die AWD-Mutter Swiss Life in Österreich mit Versicherungsprodukten auf den Markt kommen.

"Können nicht gegen Strom schwimmen"
Bei den Provisionen plane AWD "keine großen Veränderungen". Eine Honorarberatung sei zwar "schon ein Thema", aber "überhaupt nicht massenfähig". Die vor allem im Zusammenhang mit den Immofinanz-Papieren kritisierten Bestandsprovisionen will Müller nicht abschaffen. Dieses System sei "am Markt üblich. Ganz allein gegen den Strom schwimmen können wir auch nicht."

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