"Deutliche Annäherung"

Zuletzt rauer Ton wegen drohender Streiks.
Derzeit verhandeln Arbeitgeber und Arbeitnehmer der Metallindustrie wieder über die Löhne für das Jahr 2010. Es ist die entscheidende Runde, denn die Gewerkschaft hat Warnstreiks schon für Dienstag angekündigt, sollt es wieder keine Einigung geben. Bereits am Wochenende hatte es einen 19-stündigen Verhandlungsmarathon gegeben.

Dabei konnte die Gewerkschaft immerhin ihre zentrale Forderung durchsetzen: Die Arbeitgeber gaben die von ihnen verlangte Junktimierung von Lohnerhöhung und weiterer Flexibilisierung der Arbeitszeiten auf. Über längere Durchrechnungszeiträume - damit weniger Überstunden und geringere Lohnkosten - wird nun separat im Frühjahr verhandelt.

Pause bei Verhandlungen
Die Metallerverhandlungen werden traditionell besonders genau beobachtet, auch wenn ihre Signalwirkung auf andere Branchen in den letzten Jahren zurückging.

Montagmittag wurden die Verhandlungen für eine Pause unterbrochen. Dabei bestätigten beide Seiten, dass es eine "deutliche Annäherung" gegeben habe. Details wurden jedoch nicht bekannt.

Vorstellungen weit auseinander
Knackpunkt ist nun, wie viel Prozent die Mitarbeiter im kommenden Jahr mehr verdienen. Laut Gewerkschaft ist die Arbeitgeberseite noch weit von den Vorstellungen der Beschäftigten entfernt.

Die Kollegen vom Metallgewerbe hatten erst kürzlich mit plus 1,45 Prozent und damit leicht über der erwarteten Jahresinflationsrate abgeschlossen, eine Einigung darunter gilt in der Industrie als extrem unwahrscheinlich. Als wahrscheinlich wird angesehen, dass es für die unteren Einkommensschichten zusätzliche Einmalzahlungen gibt und die Höhe des Lohnanstiegs auch vom Betriebsergebnis (EBIT) abhängt.

Appell an Verantwortung
Die Arbeitgeberseite erwartet sich jedenfalls, dass es keine Streiks gibt, solange verhandelt wird - und dass bald eine Einigung gefunden werde, denn das sei auch im Interesse der Beschäftigten. "Wir hoffen, die Arbeitnehmervertreter sind sich ihrer Verantwortung bewusst", wurde betont.

Die Gewerkschaft wiederum sieht die Industriellen gefordert. "Montag besteht für die Arbeitgeber die letzte Möglichkeit, auf dem Verhandlungsweg ein Ergebnis zu erzielen", erklärten die beiden Verhandlungsführer Rainer Wimmer (Gewerkschaft Metall-Textil-Nahrung) und Karl Proyer (GPA-djp).

"Sollte es in der Montagsrunde zu keiner Einigung kommen, werden in allen Bundesländern ab Dienstag Betriebsversammlungen durchgeführt und schrittweise Kampfmaßnahmen eingeleitet."

Von Forderungen überrascht?
Am Freitag hatten Arbeitgeber und Arbeitnehmer 19 Stunden lang in der Wirtschaftskammer in Wien ergebnislos verhandelt. In den späten Nachtstunden - nach der Entkoppelung der Lohn- von der Arbeitszeitdiskussion - schien eine Einigung greifbar, doch dann dürften die Arbeitgeber doch von den Lohnforderungen überrascht worden sein.

Aus Verhandlungskreisen war zu hören, dass die Arbeitgeberseite nach dem Verzicht auf eine sofortige Einigung bei der Arbeitszeitflexibilisierung ein Entgegenkommen bei den Lohnforderungen erwartete. Die Arbeitnehmer meinten aber, dass bei der Herbstlohnrunde ohnehin nur über die Lohnhöhe verhandelt werde und es daher noch gar kein Entgegenkommen der Industrie gegeben habe.

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