Verliebte Vampire

Der zweite Film der "Twilight"-Saga, "New Moon", kommt Ende November in die Kinos.
Man nehme ein paar blasse Teenager, nostalgische Erinnerungen an die erste Liebe (aber ohne Sex, bitte!) und eine Dosis Fantasy - fertig ist das größte popkulturelle Phänomen seit "Harry Potter".

Mit der "Twilight"-Reihe, vier Jugendromanen über verliebte Highschool-Vampire in einer Kleinstadt im Nordwesten der USA, landete die US-Autorin Stephenie Meyer einen großen Erfolg. Doch erst mit der Verfilmung des ersten Bandes im Vorjahr hob die Marke "Twilight" so richtig ab.

Das "Twilight"-Virus
Um die zuvor kaum bekannten Hauptdarsteller Robert Pattinson und Kristen Stewart entwickelte sich eine Art globale Hysterie - Pattinson selbst spricht von einem "Virus" -, die kurz vor dem Start des zweiten Films "New Moon" am 27. November einen neuen Höhepunkt erreicht.

An den vergleichsweise simpel gestrickten Vampirgeschichten kann das nicht liegen, und auch mit dem geschickten Marketing allein lässt sich die globale Begeisterung nur schwer erklären: "Twilight" hat ein Eigenleben entwickelt.

"RPattz" + "K-Stew" = "Robsten"
In einschlägigen Gossip-Blogs wie Popsugar und Perez Hilton, die sich im Regelbetrieb recht ausgewogen mit A- bis F-Promis aller Art beschäftigen, handelt derzeit jede zweite Meldung von "RPattz", "K-Stew" (gemeinsam heißt das Paar übrigens "Robsten") und dem Rest der jugendlichen Vampirtruppe.

US-Klatschmagazine wie "Life & Style Weekly" und "OK!" berichten über regelrechte Absatzsprünge, wenn Pattinson und Stewart auf dem Cover sind. Und "Twilight"-Autorin Meyer gab am Freitag ihr einziges Interview zum "New Moon"-Start natürlich im Talk-Olymp: bei Oprah Winfrey.

Turteln in Paris
Dem Publikum hat es besonders Pattinson angetan, der in den Filmen den noblen Jungvampir Edward Cullen spielt. Er begeistert "Bravo"-Leserinnen auf dem Höhepunkt der Pubertät ebenso wie Mittdreißiger, die mit beiden Beinen im Leben stehen.

Auf ihrer aktuellen PR-Ochsentour durch Europa - am Wochenende nahmen sie die mit kreischenden Fans gefüllte Olympiahalle in München in Beschlag - werden Pattinson und Stewart empfangen wie einst die Beatles in den USA. Als jüngst ausgerechnet während ihres Aufenthalts in Paris, der Stadt der Liebe, Paparazzi-Schnappschüsse auftauchten, die das Filmtraumpaar möglicherweise händchenhaltend zeigten, gab es im Netz kein Halten mehr.

Ein ratloser kleiner Bub
Das Spiel mit ihrer Beziehung gehört ebenso zum Spektakel wie Pattinsons zur Schau getragene Schüchternheit. "Bei Interviews scheiß' ich mir sprichwörtlich in die Hose, und ich will nicht, dass Redepausen entstehen, sonst beginne ich zu weinen", sagte er der Zeitschrift "GQ" einmal.

"Seine Ratloser-kleiner-Bub-Nummer spricht die 'Soccer Moms' an, die ihn retten und bemuttern wollen, und zugleich gibt es Teenagermädchen das Gefühl, tatsächlich mit ihm ausgehen zu können", versuchte der "Life & Style Weekly"-Chefredakteur Dan Wakeford gegenüber der Website The Daily Beast das Phänomen zu erklären.

"Twilight" vs. "Harry Potter"
Auch wenn "Twilight" finanziell im Vergleich mit der ähnlich angelegten "Harry Potter"-Reihe derzeit noch etwas Aufholbedarf hat - der erste Teil der Vampirfilme hat weltweit knapp über 380 Millionen US-Dollar eingenommen, der erste "Potter"-Film fast eine Milliarde -, in Sachen Aufmerksamkeit hat die Vampirsaga die Nase vorn.

Auffällig ist dabei, dass in keiner Phase der "Potter-Mania" die durchaus populären Hauptdarsteller um Daniel Radcliffe stärker im Fokus waren als die Geschichte selbst, wie das nun bei ihren "Twilight"-Kollegen der Fall zu sein scheint. Am ehesten erinnert der Hype noch an die Zeit kurz vor und nach dem Kinostart von "Titanic" und die damit einhergehende Leonardo-DiCaprio-Hysterie.

"'Twilight' ist Mist"
Neben den verschiedenen Erklärungsmustern, warum "Twilight" so stark von der Teenager-Zielgruppe in den Mainstream überschwappen und ein globales popkulturelles Phänomen werden konnte, herrscht unter Kritikern vor allem Verwunderung vor.

"'Twilight' ist Mist. Warum also dürsten normalerweise intelligente Erwachsene nach diesem Teenager-Dreck?", fragte das Magazin "Time Out" jüngst.

"Sicher, das 'Twilight'-Phänomen stellt die Macht gewitzten Marketings und viraler Online-Kultur unter Beweis, aber es ist auch ein Symptom steigender erwachsener Fixierung auf die Jugend und, was noch beängstigender ist, einer freiwilligen Rückkehr zu überholten Geschlechterbildern."

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