Audimax-Besetzung als Auftakt

An 20 Unis in Deutschland und in der Schweiz werden Hörsäle besetzt.
Während Österreichs Studenten am Donnerstag gemeinsam mit den Metallern auf die Straße gegangen sind und im Nationalrat in einer Sondersitzung über den "Notstand an den Universitäten" diskutiert wurde, findet die Protestbewegung auch im Ausland immer mehr Unterstützer.

Ausgehend von Österreich sind mittlerweile an fast 20 Universitäten Deutschlands Räume besetzt. In München, wo bereits die Akademie der bildenden Künste besetzt ist, nahmen etwa 300 Studenten auch das Audimax der Ludwig-Maximilians-Universität in Beschlag. An der Universität Hamburg blockierten mehrere hundert Studenten ebenfalls den zentralen Hörsaal. In Berlin wollen Studenten zwei Hörsäle der Humboldt-Universität und Freien Universität (FU) bis Dienstag besetzt halten.

In Tübingen räumten die Studenten unterdessen einen besetzten Hörsaal, nachdem die Unileitung die Polizei alarmiert hatte.

Deutschlandweiter Protesttag geplant
Die Studenten in Deutschland und der Schweiz fordern genau wie ihre österreichischen Kollegen bessere Lernbedingungen und die Abschaffung von Bildungsgebühren. In Deutschland wurde neben dem Hauptprotesttag am 17. November auch eine Blockade der Kultusministerkonferenz am 10. Dezember in Bonn angekündigt, wie die Organisatoren des bundesweiten Bildungsstreiks in Berlin bekanntgaben.

Insgesamt hat die deutsche Studentenbewegung International Student Movement für die Woche von 30. November bis 6. Dezember Aktionen von fast 70 Gruppen in 30 Ländern angekündigt.

Mehr Demokratie gefordert
Dabei soll auf die zunehmende Ökonomisierung von Bildung, den Demokratieabbau an den Hochschulen und den Wert freier Bildung aufmerksam gemacht werden. Gefordert werden unter anderem ausreichend Plätze für Master-Abschlüsse und mehr Demokratie im Bildungsbereich, sagte der Student Michael Dunker von der Universität Münster gegenüber der dpa.

Proteste in Österreich weiten sich aus
Paula Rauch vom französischen Gymnasium in Berlin kritisierte das "Turbo-Abitur" nach zwölf Schuljahren: "Wir wollen fürs Leben lernen und nicht für die Wirtschaft." Robert Pospichal von der TU Wien sagte, in Österreich hätten sich die Streiks gegen das europäische Bildungssystems bereits zu einem "kleinen Flächenbrand" ausgeweitet.

D: Unterstützung von Gewerkschaften
Auch in Deutschland erhalten die Studenten mittlerweile Unterstützung von großen Gewerkschaften wie der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) und ver.di. Nach den Bildungsstreiks vom Juni sei die erforderliche "Kehrtwende in der Bildungspolitik" ausgeblieben, sagte GEW-Vorsitzender Ulrich Thöne.

40 Mrd. Euro für Deutschland gefordert
Die GEW fordert 40 Milliarden Euro pro Jahr zusätzlich für den Bildungsbereich. Für Kinder müsse es bessere Krippen- und Kindergartenplätze sowie Ganztagsschulen geben. Mindestens 370.000 Studienplätze zusätzlich müssten finanziert und der uneingeschränkte Übergang zwischen den Studienabschlüssen Bachelor und Master möglich werden.

"Studierende brauchen klare Signale"
Die deutsche Bildungsministerin Annette Schavan (CDU) rief am Donnerstag ihre Länderkollegen auf, die verabredeten Hochschulreformen rasch umzusetzen. "Die Studierenden brauchten klare Signale, dass es die verabredeten Korrekturen bei der neuen Studienstruktur gibt", sagte sie dem Südwestrundfunk. Sie forderte zudem eine "Entschlackung der Studiengänge".

Kontakte zu Wien intensivieren
In der Schweiz halten Studenten, Lehrende und Sympathisanten Hörsäle an der Universität Basel besetzt. Man sei bestrebt, den Kontakt mit anderen europäischen Universitäten - u. a. jener in Wien - zu intensivieren und sich auf internationaler Ebene auszutauschen, hieß es in einer Mitteilung, die in der Nacht auf Donnerstag von den Besetzern veröffentlicht wurde.

150 Demonstranten in Wien
Bei der gemeinsamen Protestaktion von Studenten und Metallern fanden sich am Donnerstag in Wien 150 Menschen vor der Wirtschaftskammer (WKÖ) ein. Die Audimax-Besetzer sprachen von einem "super Schulterschluss". Rund 70 Personen marschierten anschließend weiter zur Technischen Universität (TU) Wien. Die ursprünglich geplante Schlusskundgebung auf dem Schwarzenbergplatz wurde abgesagt - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

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