Staatsanwalt bestätigt Ermittlungen

"Neue Befragungen brachten neuen Verdacht."
Der zuständige Grazer Oberstaatsanwalt Thomas Mühlbacher hat am Sonntag Medienberichte bestätigt, wonach gegen einen Freund des Entführers von Natascha Kampusch, Wolfgang Priklopil, ermittelt wird.

Priklopils Freund war aufgrund seiner Freundschaft zum Entführer von Kampusch schon seit deren Flucht im Sommer 2006 immer wieder Gegenstand von Spekulationen. Laut Mühlbacher haben neue Befragungen jetzt neue Verdachtsmomente ergeben - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.

Verdacht auf Freiheitsentzug
Mühlbacher spricht von Ermittlungen wegen des Verdachts auf Freiheitsentzug: "Es besteht eine Verdachtslage - zum einen aus dieser Nahebeziehung, zum anderen aus einigen Widersprüchen, die noch nicht aufgeklärt sind. Ziel des Ermittlungsverfahrens ist es, diese Widersprüche einer Erklärung zuzuführen."

"Es gibt insbesondere am Tag des Todes von Herrn Priklopil als auch in dem Zeitraum rund um die Entführung einige widersprüchliche Aussagen von H.", sagte Mühlbacher.

Der "Kurier" (Sonntag-Ausgabe) verwies zudem auf Insider, die von "merkwürdigen Details" wissen: Demnach soll Priklopils Freund diesem kurz nach der Entführung 500.000 Schilling überwiesen haben, weil sich Priklopil angeblich einen Porsche kaufen wollte. Zu dieser Zeit hatte er schon einen 850er-BMW. "Ein Großteil des Geldes wurde aber zurücküberwiesen", heißt es im "Kurier".

Spur in Deutschland?
Am Wochenende wurde seitens der deutschen Behörden eine Hausdurchsuchung bei einem mutmaßlichen Zeugen durchgeführt, der "brisantes Material" in der Causa besitzen will.

"Bis jetzt gibt es kein Ergebnis. Das ist aber auch nur eine von vielen Spuren, denen wir derzeit nachgehen. Wir wollten uns nicht dem Vorwurf aussetzen, dass wir einem Hinweis nicht nachgegangen sind", sagte Mühlbacher am Montag.

Bei dem Zeugen handelt es sich - was die Staatsanwaltschaft nicht dementiert - um einen deutschen Grafiker, der behauptet, im Internet auf ein Video von Kampusch in deren Verlies gestoßen zu sein. Neben dem Filmer und Kampusch sei darauf noch ein weiterer Mann zu sehen.

Weiters will er von einem Freund von Priklopil per Post ein "Vermächtnis" erhalten haben, das die Beziehung zwischen Kampusch und Priklopil in ein "anderes Licht" rücke. Wie glaubwürdig dieser Mann ist, wollte Mühlbacher nicht kommentieren. "Wir müssen warten, was die deutschen Behörden uns berichten", sagte Mühlbacher.

Staatsanwaltschaft am Zug
Die Verhängung der U-Haft gegen Priklopils Freund hält Mühlbacher derzeit für nicht angebracht. "Der Beschuldigte hat sein Vermögen im Inland, er ist hier integriert", sagte er dem "Kurier" zur Fluchtgefahr. Verdunkelung nehme Mühlbacher auch nicht an.

Bis Jahresende will er darüber entscheiden, ob die Erhebungen eingestellt werden oder eventuell Anklage erhoben wird. Es gilt die Unschuldsvermutung.

Adamovich: "Nicht ohne Grund"
"Ohne Grund macht das kein Staatsanwalt", zitierte der "Kurier" den Chef der Evaluierungskommission, Ludwig Adamovich. "Man muss das aber mit einer gewissen Vorsicht bewerten: Die Frage ist, ob Anklage erhoben wird oder das Verfahren eingestellt wird. Da muss es über kurz oder lang eine Entscheidung geben", so Adamovich weiter.

Kampuschs Vater nicht überrascht
Der Vater von Kampusch zeigte sich unterdessen gegenüber der Tageszeitung "Österreich" (Sonntag-Ausgabe) von den jüngsten Entwicklungen nicht überrascht. Er habe immer gewusst, "dass der Fall meiner Tochter nicht restlos geklärt ist. Jetzt wird es bald Überraschungen geben."

"Habe nichts zu verbergen"
Priklopils Freund selbst will die Ermittlungen nicht kommentieren - er habe aber "nichts zu verbergen", sagte er gegenüber dem "Kurier". "Für mich ist es die beste Variante, gar nichts mehr zu sagen." Das bedeute allerdings nicht, dass er etwas zu verbergen habe. Vielmehr werde in jede seiner Aussagen "etwas Negatives hineininterpretiert".

Kampusch weiß nichts von Mitwisser
Aus dem Umfeld Kampuschs werden die neuen Entwicklungen aufmerksam, aber mit Vorsicht beobachtet. "Ob der Herr H. Mitwisser war, kann sie nicht wissen", sagte Kampuschs Anwalt Gerald Ganzger über die Sicht seiner Mandantin am Montag zur APA. "Und was Herr H. in den drei Stunden zwischen ihrer Flucht und dem Selbstmord von Priklopil gemacht hat, weiß sie auch nicht."

Kampusch hält - wie von Anfang an - daran fest, nur von Priklopil als Täter gewusst zu haben. An der bisherigen Lage habe sich durch die Anschuldigung, H. komme als Mittäter in Betracht, nichts geändert, so Ganzger. "Entführt hat er sie nicht und gefangen gehalten auch nicht. Sie hat nichts verheimlicht, sie ist von niemandem erpresst worden."

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