Der 39-jährige Militärpsychiater Major Nidal Malik Hasan hatte am Donnerstag auf dem Armeegelände das Feuer auf Kameraden, die gerade letzte Vorbereitungen auf Auslandseinsätze durchliefen, eröffnet. 13 Soldaten starben, 31 weitere Menschen wurden verletzt, unter ihnen auch Hasan selbst. Er liegt im Koma. Ob er die Tat bereits länger geplant hatte, ist bisher unklar.
Bevorstehende Versetzung als Motiv?
Verbindungen Hasans - seine Eltern sind palästinensischer Abstammung - zu extremistischen Gruppen schloss die Polizei mittlerweile aus. Fest steht allerdings, dass sich der 39-Jährige vehement gegen seine bevorstehende Versetzung als Truppenbetreuer nach Afghanistan oder in den Irak gewehrt hatte.
Diese stand jedoch nicht, wie es zuvor geheißen hatte, unmittelbar bevor, wie Armeesprecherin Colonel Cathy Abbott am Samstag gegenüber der Nachrichtenagentur AP bestätigte. Hasan habe die Vorbereitungsphase durchlaufen, die mehrere Monate dauern könne.
Wohnung bereits gekündigt
Trotzdem hatte sich der Arzt und Psychiater laut AP bereits in den letzten Tagen "systematisch" von seiner Umgebung verabschiedet. Das nährt nun Spekulationen, Hasan könne seine Tat bereits länger geplant haben.
Hasans Vermieter Jose Padilla erklärte, der spätere Amokläufer habe seine Wohnung bereits vor zwei Wochen gekündigt. Anschließend habe er das Appartement sauber gemacht. Die bereits bezahlte Miete in Höhe von mehreren hundert Dollar habe Hasan nicht zurückverlangt, so Padilla. Stattdessen habe dieser ihm aufgetragen, das Geld jemand Bedürftigem zu geben.
Abschiedsanruf bei einem Freund
Nachbarn habe der strenggläubige Muslim am Tag seiner Tat persönliche Dinge, darunter einen Koran, T-Shirts und Lebensmittel, geschenkt, berichtete AP. Schließlich habe er gegen 5.00 Uhr noch einen Freund angerufen und diesem die Nachricht hinterlassen: "Ich wollte Willie nur danken, dass er mein Freund und immer für mich da ist. (...) Es ist schön, dich zu kennen, alter Freund. Ich werde dich vermissen."
"Das war's. Wir haben gedacht, es war nur eine nette Botschaft, bevor er abreist", sagte Jacqueline Harris, die Lebensgefährtin von Hasans Freund Willie Bell, an den die Botschaft gerichtet war.
Schüsse aus zwei Waffen
Hasan hatte ersten Ermittlungen zufolge am Donnerstag eine Pistole und eine halbautomatische Waffe auf seine Kameraden gerichtet. Die Waffen stammten nicht aus Armeebeständen.
Berichte von Augenzeugen, wonach Hasan während der Schüsse "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben soll, wurden vom Kommando der US-Basis in Fort Hood mittlerweile dementiert.
Nie aufgefallen
Auffällig war das Verhalten des 39-Jährigen vor seiner Wahnsinnstat offenbar nicht. "Ich habe keine Probleme bemerkt", erklärte Steve Bravermann, Kommandant des Heeresspitals von Fort Hood, gegenüber AP. "Wir hatten an seiner Arbeit nichts auszusetzen."
Eine Tante des Mannes, Noel Hasan, sagte der "Washington Post", er sei seit den Anschlägen vom 11. September 2001 wegen seines Glaubens immer wieder schikaniert worden. Er habe sich jedoch zu keiner Zeit extremistisch geäußert, versicherte der frühere Imam einer Moschee in Silver Spring (US-Bundesstaat Maryland), die Hasan besuchte.
Streit über US-Auslandseinsätze
Immer mehr deutet allerdings darauf hin, dass der Experte für Kriegstraumata seine anstehende Versetzung befürchtete. So erzählte Terry Lee, ein pensionierter Colonel, Hasan sei mit Kollegen immer wieder über die Einsätze im Irak und Afghanistan in Streit geraten. Er habe auch immer wieder die Hoffnung geäußert, dass Präsident Barack Obama die Truppen zurückholen werde.
Hasan soll seit Jahren versucht haben, aus der Armee entlassen zu werden. Er soll sogar angeboten haben, der Armee die Kosten für seine medizinische Ausbildung zurückzuzahlen, wie seine Tante der "Washington Post" berichtete.
"Entsetzt" über Versetzungspläne
Ein Cousin des Todesschützen erklärte gegenüber US-Medien, Hasan sei "entsetzt" über seine anstehende Versetzung gewesen. "Wir wussten, dass das die letzten fünf Jahre sein größter Alptraum war."
Keine Einvernahme möglich
Hasan, der von vier Kugeln getroffen wurde und auf der Intensivstation liegt, konnte noch nicht einvernommen werden. Drei weitere Soldaten, die kurz nach den Schüssen festgenommen worden waren, kamen wenig später wieder frei. Insgesamt wurden über 100 Personen einvernommen.
"Nidal Hasan" lobt Selbstmordanschläge
Auch wenn offizielle Seiten einen terroristischen Hintergrund ausschließen, untersucht die US-Bundespolizei FBI laut "New York Times" Weblog-Einträge im Internet, die vom Amokläufer stammen könnten. Darin debattiert ein Mann, der sich "Nidal Hasan" nennt, über Selbstmordanschläge und findet dafür positive Argumente.
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