Kohl würdigte Gorbatschow und Bush als die wichtigsten Partner Deutschlands in der Wendezeit. Er sei froh, dass das Wiedersehen nach all den Jahren zustande gekommen sei, sagte der Altkanzler, der inzwischen an den Rollstuhl gefesselt ist und nur noch sehr schwerfällig sprechen kann.
Der 79-Jährige war im vergangenen Jahr schwer gestürzt und erst im Mai dieses Jahres wieder öffentlich aufgetreten. "Ich war gar nicht sicher, ob ich noch mal so einen Auftritt habe", sagte der CDU-Politiker.
Kohl lobt Mut der Menschen
Für die friedliche Wiedervereinigung sei der Mut der Menschen ebenso notwendig gewesen wie die Unterstützung der Nachbarn, betonte Kohl. "Das ist nicht vom Himmel heruntergefallen." Ihn selbst erfülle es mit Stolz, was damals geschehen sei. "Ich habe nichts Besseres, als stolz zu sein auf die deutsche Einheit."
Dank auch an Österreich
In einem Interview mit der "Kleinen Zeitung" hatte Kohl Anfang November auch die Rolle Österreichs im Wendejahr gewürdigt: "Die Regierung und besonders viele Bürger im Burgenland bemühten sich in den Sommermonaten 1989 in einer besonderen Weise um die Deutschen aus der DDR. Wir werden ihnen dieses Zeugnis der Menschlichkeit nie vergessen."
Der vom damaligen Außenminister Alois Mock (ÖVP) und seinem ungarischen Amtskollegen Gyula Horn inszenierten Durchschneidung des Eisernen Vorhangs im Juni 1989 maß Kohl besondere Bedeutung bei: "Mock und Horn brachten mit ihrer symbolischen Geste das SED-Regime weiter in Bedrängnis."
Bush betonte, dass die historischen Ereignisse nicht nur in den Hauptstädten stattgefunden hätten, sondern auch in den Herzen der Menschen, die so lange auf die Achtung ihrer Rechte hätten warten müssen.
Gorbatschow sorgt für Irritation
Gorbatschow sorgte mit seiner Rede für einige Irritationen. Zunächst lobte er die DDR für ihre Rolle bei der Annäherung von Ost- und Westeuropa in den Zeiten des Kalten Krieges. "Über die DDR haben wir ein Fenster nach Deutschland geöffnet", sagte er.
Dann empfahl er den USA einen grundsätzlichen gesellschaftlichen und politischen Wandel. "Sie brauchen eine Perestroika", sagte er zu Bush. In der jetzigen Situation werde sehr viel von den USA abhängen. "Hier wird man Führungsqualitäten beweisen müssen", so Gorbatschow mit Blick auf den Machtwechsel in den USA vor einem Jahr.