Gesamtbetriebsratschef Klaus Franz rief die Beschäftigten zum gemeinsamen Widerstand gegen Stellenabbau und Werksschließungen auf: "Wir werden gemeinsam für unsere Zukunft streiten. Wir geben uns nicht geschlagen, wir sind selbstbewusst, denn wir sind Opel."
Der Machtkampf um die Zukunft von Opel ist damit voll entbrannt: Während die deutschen Opel-Beschäftigten an allen vier Standorten gegen befürchtete Einschnitte protestieren, gibt sich GM betont selbstbewusst.
GM droht mit Insolvenz
Der US-Konzern droht der Belegschaft offen mit Insolvenz, sollten die Betriebsräte nicht zu Zugeständnissen bereit sein. Und GM ist sich der Staatshilfe aus Deutschland und der anderen europäischen Opel-Länder sicher: "Wenn sie den Magna-Plan mögen, mögen sie auch den GM-Plan", sagte Vizepräsident John Smith am Mittwochabend.
Der Opel-Betriebsrat bezeichnete die Drohung von GM, Opel in die Insolvenz zu schicken, als versuchte Erpressung und Einschüchterung. "Hört auf mit dem Geschwätz von der Insolvenz, das ist geschäftsschädigend", rief der Betriebsratschef unter dem Beifall der Opel-Beschäftigten.
Er forderte künftig mehr Eigenständigkeit für den Autobauer. "Die Adam Opel GmbH muss in eine deutsche Aktiengesellschaft umgewandelt werden. Wir wollen kein Anhängsel sein, das von Detroit aus durchregiert wird", sagte Franz am Donnerstag in Rüsselsheim.
Gewerkschaft will Protest ausdehnen
Die IG Metall will die Proteste der Opel-Belegschaft indessen europaweit massiv ausdehnen. "Wir planen europaweit eine wirkungsvolle Gegenwehr und einen Konflikt mit GM", sagte der Frankfurter IG-Metall-Bezirksleiter und Opel-Aufsichtsrat Armin Schild der "Berliner Zeitung" (Freitagausgabe).
Die Proteste am Donnerstag seien nur der Anfang gewesen, nicht mehr als ein "zarter Beginn". Nachdem der US-Konzern beschlossen habe, Opel nicht an den kanadisch-österreichischen Autozulieferer Magna zu verkaufen, gebe es keine Verhandlungsgrundlage mehr, sagte Schild weiter.
Merkel stellt Forderung an GM
Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) will den Druck auf GM jetzt jedenfalls erhöhen. Merkel habe mit US-Präsident Barack Obama telefoniert, teilte ein Regierungssprecher am Donnerstag mit.
"Die Bundeskanzlerin wies darauf hin, dass die Bundesregierung darauf dringen werde, dass General Motors schnellstmöglich eine neue Konzeption zu Opel vorlegt und der Brückenkredit bis Ende November zurückgezahlt wird."
GM: Sanierungsplan "in Kürze"
GM-Chef Fritz Henderson kündigte am Donnerstag an, die offenen Schulden im Rahmen des von der deutschen Regierung geleisteten Brückenkredits zurückzuzahlen. Der Konzern habe hierfür ausreichende Mittel. Zudem will GM schon in Kürze seinen Sanierungsplan für Opel vorlegen. Wie hoch der Stellenabbau ausfallen werde, wollte Henderson nicht sagen.
Weiters kündigte er eine rasche Umbildung des Opel-Managements an. "Binnen Tagen oder Wochen" wolle man ein neues Führungsteam für Opel/Vauxhall zusammenstellen, sagte Henderson nach einem Bericht des "Wall Street Journals" am Donnerstag vor Journalisten in Detroit.
Vor dem Hintergrund der Proteste in Deutschland räumte Henderson ein, dass die Beziehungen zur Belegschaft in Europa durch den langen Entscheidungsprozess des GM-Verwaltungsrats belastet seien. "Da muss einiges gekittet und repariert werden", sagte er.
Putin rügt Umgang von GM
Der russische Ministerpräsident Wladimir Putin kritisierte den Rückzieher des US-Autokonzerns scharf und kündigte eine rechtliche Prüfung an - mehr dazu in oe1.ORF.at.
Die Entscheidung zeige, "um es milde auszudrücken, die eigenartige Weise unserer amerikanischen Partner, mit ihrem Gegenüber umzugehen", sagte Putin am Donnerstag bei einem Treffen mit Ministern.
Lohnverzicht nur für Magna
Nachdem der Verkauf an Magna in der Nacht auf Mittwoch von GM überraschend abgesagt wurde, will der US-Konzern Opel nun in Eigenregie sanieren.
Der Opel-Betriebsrat lehnt unter diesen Umständen Lohnzugeständnisse ab. Auch im Wiener Motoren- und Getriebewerk Aspern sei der Lohnverzicht an den Verkauf an Magna gebunden gewesen - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
Ersten Angaben zufolge will GM europaweit etwa 10.000 der insgesamt rund 50.000 Jobs abbauen. Allein in Deutschland arbeiten 25.000 Beschäftigte, im Werk in Aspern sind es rund 1.800. Der deutsche Automobilexperte Wolfgang Meinig glaubt allerdings nicht, dass es bei der angekündigten Streichung der 10.000 Stellen bleibt. "Es könnte das Doppelte werden", sagte er im Ö1-Mittagsjournal - mehr dazu in oe1.ORF.at.
GM beruhigt Händler
Bei den eigenen Händlern versuchte GM indessen die Wogen zu glätten: In einer Telefonkonferenz am Donnerstag wurden die europäischen Opel-Händler über die derzeitige Situation informiert.
Darunter war auch Helmut Günther, Chef des österreichischen Opel-Händlerverbands. GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster habe sich bei den Händlern bedankt, so Günther. Es wird laut Günther keine Veränderung der Händlerstruktur geben.
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