"Profitable und tragfähige" Situation angepeilt

Auch GM-Europa-Chef Forster zeigte sich von Absage an Magna überrascht.
Nach der überraschende Absage des Opel-Verkaufs an Magna ist die Konzernmutter General Motors (GM) nun offenbar um Entspannung bemüht.

Auch wenn Details des Sanierungskonzepts erst ausgearbeitet werden müssten, gab der stellvertretende GM-Chef John Smith Mittwochabend per Telefonkonferenz bereits bekannt, dass sich der Plan von GM zumindest in Bezug auf Stellenstreichungen nicht wesentlich von den Magna-Plänen unterscheiden werde.

In allen Konzepten sei man davon ausgegangen, dass die Strukturkosten um 30 Prozent gesenkt werden müssten. "Wir gehen alle davon aus, dass das den Abbau von rund 10.000 Stellen bedeutet, um Opel in eine profitable und tragfähige Situation zu bringen", so Smith, der gleichzeitig versprach, dass "genau diese Zahl auch im GM-Restrukturierungsplan stehen wird".

"Mit Magna ausgearbeitet"
Zuvor wollte auch GM-Europa-Chef Carl-Peter Forster nicht ausschließen, dass sich der US-Konzern bei der Sanierung von Opel am Konzept des nicht zum Zug gekommenen Zulieferers Magna orientieren könnte.

"Es gibt einen Restrukturierungsplan, er ist mit Magna ausgearbeitet worden, das heißt aber nicht, dass er ohne Magna falsch ist", sagte Forster am Mittwoch in Berlin. "Das wäre für mich ein Startpunkt." Ob das Konzept auch ohne den Zulieferer tragfähig wäre, müsse jetzt geprüft werden.

Auch GM blickt nach Russland
Wesentlicher Bestandteil des Zukunftskonzepts von Magna war die Eroberung des russischen Markts mit Unterstützung des Autobauers GAS. Auch GM-Chef Fritz Henderson machte bereits deutlich, verstärkt in Russland aktiv werden zu wollen.

Nachdem bereits vergangene Woche in der russischen Ostsee-Exklave Kaliningrad im Montagewerk Awtotor mit der Produktion von Opel-Modellen begonnen wurde, gilt laut Beobachtern auch eine direkte Zusammenarbeit mit GAS nicht als ausgeschlossen.

"Attraktive Lösung" für Werk in Bochum
Noch nicht entschieden ist laut GM-Vize Smith die Zukunft des von der Schließung bedrohten Werks in Bochum, für das es möglicherweise eine "attraktive Lösung" gebe.

Smith zufolge beruht der Restrukturierungsplan von GM auf einem früheren Konzept. Ziel sei es nun, diesen möglichst bald auszuarbeiten und dann den europäischen Regierungen vorzulegen. Vorgestellt werden soll das Konzept bis zum Ende des ersten Quartals 2010.

Die Gespräche mit Betriebsräten und Regierungen sollen in Kürze beginnen. GM werde außerdem die in Anspruch genommenen 900 Millionen Euro vom Brückenkredit an die deutsche Bundesregierung zurückzahlen.

"Massive Einschnitte"
Forster zeigte sich laut "Bild"-Zeitung (Donnerstag-Ausgabe) allerdings bereits deutlich pessimistischer.

"Wir hatten einen guten Sanierungsplan ausgehandelt, der auf dem Tisch lag und fertig war. Jetzt besteht die Gefahr, dass die vernünftige Verteilung der Lasten wieder aufgeschnürt wird und alles von vorne beginnt", gab Forster der Zeitung zufolge zu bedenken.

Sicher sei jedenfalls, dass es bei dieser Lösung "massive Einschnitte" geben werde.

"Ein paar Nächte darüber schlafen"
Forster gestand zudem ein, dass auch er nicht mit dieser Entscheidung gerechnet habe. "Wir müssen schnellstens mit der Konzernmutter Verhandlungen aufnehmen und alle offenen Fragen klären", was sicherlich einige Zeit dauern werde.

Zu seiner persönlichen Zukunft bei Opel äußerte sich Forster sehr zurückhaltend: "Da muss ich jetzt erst einmal in Ruhe ein paar Nächte drüber schlafen. Es ist ja kein Geheimnis, dass ich die Magna-Lösung für gut gehalten habe. Ich werde in Ruhe nachdenken."

Überraschende Kehrtwende
Der GM-Verwaltungsrat hatte am Dienstag völlig überraschend entschieden, Opel nicht an Magna zu verkaufen. Stattdessen will der US-Konzern den deutschen Autobauer selbst sanieren.

Fraglich ist, inwieweit die deutsche Regierung dafür Staatsgarantien zur Verfügung stellt. Für Magna waren insgesamt 4,5 Milliarden Euro vorgesehen. Henderson kündigte bereits an, bei europäischen Regierungen um Hilfe für die Opel-Sanierung zu bitten.

Smith betonte in diesem Zusammenhang, dass GM zuversichtlich sei, trotz aller aktuellen Kritik auch von Deutschland Staatshilfe zu bekommen: "Ich bin hoffnungsfroh, dass die Bundesregierung unseren Plan, wenn sie ihn gesehen hat, gut finden und uns genauso unterstützen wird wie die Regierungen aus Spanien, Polen und Großbritannien."

Insolvenzdrohung
Der Kampf um Staatsgelder und Arbeitsplätze droht allerdings hitzig zu werden, wobei GM der Belegschaft laut dpa bereits am Mittwoch die Pistole an die Brust setzte: "Wenn wir uns nicht auf die nötige Restrukturierung einigen können, hätte das die Opel-Insolvenz zur Folge".

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