"Tropfen auf dem heißen Stein"

Der Rektor war bereits "inkognito" im Audimax.
Trotz der 36 Millionen Euro, die Wissenschaftsminister Johannes Hahn (ÖVP) an die Universitäten auszahlen will, gehen die Uniproteste weiter. Die Studenten lehnten das Angebot als "Tropfen auf den heißen Stein" ab.

Auch der Rektor der Uni Wien, Georg Winckler, zeigt ein "gewisses Verständnis" für die Studentenproteste und sieht die Politik am Zug.

Politik soll "Verantwortung wahrnehmen"
Das Hauptproblem sei, dass "Ziele und Mittel auseinanderklaffen", sagte Winckler im Ö1-"Journal zu Gast" am Samstag. Die Politik sei nun aufgerufen, "Verantwortung wahrzunehmen" und Gespräche mit den protestierenden Studenten aufzunehmen. Es sei wichtig, dass jetzt ein Dialog entstehe, davon hänge auch die Dauer der Unibesetzungen ab - mehr dazu in oe1.ORF.at.

"Inkognito" im Audimax
Wenn die Politik den Dialog verweigere, rechne er damit, dass die Besetzungen noch eine Zeit lang anhalten werden, meinte Wickler. Auf seiner Uni will der Rektor mit den Studenten im Audimax zusammenkommen.

Ein Besuch vom Universitätsrektor wurde von den Besetzern in einer Aussendung am Samstag auch ausdrücklich begrüßt. Wie es im größten Hörsaal der Universität Wien aussieht, weiß Winckler allerdings schon. Denn er war bereits "inkognito" dort, um sich persönlich ein Bild zu machen.

Numerus-clausus-Flüchtlinge nicht Problem
Die Kosten der Besetzung wollte Winckler in Zahlen nicht nennen, er äußerte vielmehr ein "gewisses Verständnis" für die Studenten. Ein höheres Budget für die Unis wäre wichtig, denn Ziele und Mittel klaffen auseinander, so Winckler. Er plädierte dafür, einen "Gesamtplan" zu entwickeln.

Das Grundproblem überlaufener Fächer seien nicht die deutschen Numerus-clausus-Flüchtlinge, sondern die nicht ausreichenden Studienplätze, so der Rektor.

Eine Milliarde gegen 34 Mio. Euro
Der Präsident der Universitätenkonferenz, Christoph Badelt, bezifferte den Finanzbedarf der Unis im "Standard" (Samstag-Ausgabe) mit einer Milliarde Euro im Jahr. Das ist deutlich mehr als die von Minister Hahn in Aussicht gestellte "Notfallreserve" von 34 Millionen Euro.

Das Geld kommt aus einer "Ministerreserve", die zwei Prozent des Unibudgets ausmacht. Für die Jahre 2010 bis 2012 beträgt diese insgesamt 132 Millionen Euro. Die Hälfte davon ist für "Notfälle" reserviert - ein solcher ist nun offenbar eingetreten. Von den 66 Millionen werden 34 Millionen ausgeschüttet. Über die Vergabe sollen die Unileitungen mit den lokalen Hochschülerschaften entscheiden, hieß es aus dem Wissenschaftsministerium.

Tropfen auf dem heißen Stein
Die Studentenvertreter zeigten sich nur wenig beeindruckt: Die Mittel seien nur ein "Tropfen auf den heißen Stein" und außerdem kein zusätzliches Geld, sondern für Notfälle gebildete Rückstellungen im regulären Unibudget, erklärte die Vorsitzende der Österreichischen HochschülerInnenschaft (ÖH), Sigrid Maurer, in der ORF-Sendung "Runder Tisch - dazu in Video iptv.ORF.at.

Ergebnislose Suche nach Hahn-Nachfolger
Unterdessen geht auch die Suche nach einem Nachfolger Hahns für das Wissenschaftsministerium weiter. Unter den Rektoren ist das Interesse an dem Ministerposten alles andere als groß: nach Badelt winkte nun auch Winckler ab.

"Ich bin Rektor der Universität - und das will ich auch bleiben. Den Posten des Wissenschaftsministers schließe ich für mich aus", sagte Winckler in der "Wiener Zeitung" (Samstag-Ausgabe).

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