Nicht zuletzt durch die Erderwärmung, die unzugängliche polare Ölfelder und Bergbaugebiete nun leichter erschließen lässt, gilt die Insel in der Arktis als vielversprechendes Abbaugebiet. Die Bergbau- und Ölindustrie sieht darin neue kommerzielle Möglichkeiten, die Regierung hofft auf zusätzliche Einkünfte.
Nigeria der Arktis?
Kritiker befürchten jedoch nicht nur massive Auswirkungen auf das fragile Ökosystem der Arktis. Einige sprechen von einem "Fluch der Ressourcen", wie er bereits afrikanische Staaten wie Nigeria getroffen habe. Dort löse der Ölreichtum eine Abwärtsspirale hin zu Diktaturen aus, so die Argumentation der Zweifler.
"Wenn ich in der Nacht wach bin, bete ich, dass wir kein Öl finden werden", sagte Aqqaluk Lynge, Grönland-Präsident des Inuit Circumpolar Council, in einem Interview mit dem Magazin "Atlantic Monthly". Als Mitglied dieser Organisation vertritt Lynge die Interessen der indigenen Bevölkerung.
Hoffnung auf Öl
Eine große Auswahl an ökonomischen Alternativen hat Grönland allerdings nicht. Nach wie vor ist die Insel von der Fischerei und den Zahlungen aus Kopenhagen abhängig.
Trotz sozialer und finanzieller Probleme hatten sich vor einem Jahr mehr als drei Viertel der Bevölkerung für eine größere Unabhängigkeit von Dänemark ausgesprochen. Der Großteil von ihnen hofft darauf, dass die künftigen Öleinnahmen den Loslösungsprozess beschleunigen.
Der damalige Ministerpräsident Hans Enoksen sprach nach dem eindeutigen Referendum von einer "strahlenden Zukunft" für die Insel. Vertreter der Demokratischen Partei hatten allerdings vehement für ein Nein gekämpft. Sie befürchteten, dass mit einer größeren Autonomie und damit geringeren Zahlungen aus Dänemark die sozialen Probleme, etwa ein niedriger Bildungsstandard und massive Alkoholismusraten, nicht in den Griff zu bekommen wären.
Bisher kaum nennenswerte Funde
Bisher wurden bei den bereits 1971 begonnenen Ölbohrungen in Grönland keine nennenswerten Vorkommen entdeckt. Die Hoffnung auf Wohlstand durch Rohstoffe aber bleibt. Die US Geological Survey (USGS), eine Behörde des US-Innenministeriums, vermutet, dass vor Grönlands Küste zwischen 16 und 47 Milliarden Barrel Öl zu finden seien.
Offen für Investoren
Die Regierung forciert Investitionen in den Abbau von Rohstoffen, um die Unabhängigkeit von Dänemark zu voranzutreiben. Dementsprechend begeistert werden ausländische Investoren aufgenommen. Die schottische Ölfirma Cairn Energy etwa kündigte eine Investition von 310 Millionen Dollar (210 Mio. Euro) an, um vor Grönlands Küste nach Öl zu suchen.
Nachdem zuletzt viele Bergbauminen geschlossen worden waren, eröffnete die Regierung im Oktober zudem wieder eine Gold- und Silbermine, wie die Londoner "Times" berichtete.
Truppe für Grönland
Die wachsende geostrategische Bedeutung Grönlands lässt nun aber auch Dänemark aktiver werden. Kopenhagen plant in seinem Verteidigungsplan für 2010 bis 2014 eine militärische Einsatztruppe speziell für die arktischen Gebiete. Diese soll sich neben allfälligen Einsätzen auf dem eigenen Territorium - vor allem dem autonomen Grönland - an möglichen "internationalen Einsätzen in der arktischen Region" beteiligen können.
Und auch auf Anteile allfälliger Öleinnahmen Grönlands sicherte sich
Dänemark vorsorglich einen Zugriff.
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