Unternehmen gibt Werbegag zu

Unternehmen bekannte sich zu Scherz.
Meldungen über einen "sensationellen Meteoriteneinschlag" haben am Montag für Aufregung in Lettland gesorgt. Nachdem erste beeindruckende Fotos und Videos mit einem gut neun Meter breiten, drei Meter tiefen und kräftig rauchenden Krater nahe der nordlettischen Stadt Mazsalaca in Medien aufgetaucht waren, gaben die Behörden allerdings recht schnell Entwarnung.

"Da ist nichts vom Himmel gefallen, sondern dieser Krater wurde von Menschen gegraben. Und das ist die offizielle Erklärung", zitierte die Nachrichtenagentur BNS am Montag den herbeigeeilten Chefgeologen der Universität Riga, Girts Stinkulis.

Keine Detonation
"Da hat jemand wohl einen gewaltigen Scherz inszeniert, chemische Stoffe verteilt und abgefackelt, um dann die Information über einen angeblichen Meteoriteneinschlag zu verbreiten", meinte auch der Geologe Dainis Ozols nach einer Ortsbesichtigung zur Nachrichtenagentur LETA.

Der Astronom Ilgonis Vilks von der Universität Riga hatte bereits zuvor massive Zweifel an dem angeblichen Einschlag geäußert. Zum einen hätten Anrainer die Detonation hören müssen, es habe aber keine Berichte gegeben. Zum anderen würden Meteoriten beim Einschlag in tausend Stücke zerspringen und kein Feuer in dem von ihnen erzeugten Krater auslösen.

Gag sollte "Land inspirieren"
Schließlich löste ein lettisches Telekommunikationsunternehmen das Rätsel. Der Einschlag sei komplett erfunden, räumte ein Sprecher des Unternehmens ein. Der Scherz habe das von der Finanzkrise gebeutelte Land "inspirieren" und die Menschen von ihren Problemen ablenken sollen.

Zugleich kündigte er an, den vergeblich an den vermeintlichen Krater geeilten Rettungsdiensten würden die Kosten erstattet. Der Firma könnte nun ein Ermittlungsverfahren drohen.

Ministerin empört
Sogar Innenministerin Linda Murniece empörte sich über die "zynische Verhöhnung" durch die Firma. Die Behörden veranschlagten die Kosten für Experten, Rettungs- und Sicherheitskräfte auf umgerechnet rund 2.800 Euro.

Berichte über den "gewaltigen Meteoriten" aus dem All hatten zuvor auch international Aufsehen erregt. Der Besitzer des Feldes um die angebliche Einschlagstelle nutzte die Gunst der Stunde, zäunte den Krater ein und verlangte für Besichtigungen ein Eintrittsgeld von einem Lat (1,40 Euro).

Übelkeit in Peru
Zuletzt hatte 2007 ein Meteoriteneinschlag für Furore gesorgt: In Peru erkrankten 200 Menschen an einer rätselhaften Übelkeit mit Schwindelgefühlen, Erbrechen und Kopfschmerzen, nachdem in der Nähe des Titicaca-Sees der Einschlag einen acht Meter tiefen und 20 Meter breiten Krater hinterlassen hatte, aus dem stechender Rauch aufgestiegen war.

Gefahr aus dem Himmel?
Meteoriteneinschläge gelten seit jeher als mysteriöse Ereignisse, deren Folgen allerdings auch heute noch häufig überbewertet werden - vermutlich auch deswegen, weil als plausibelste, wenn auch nicht unumstrittene These für das Aussterben der Dinosaurier ein Meteoriteneinschlag vor 65 Millionen Jahren auf der Yucatan-Halbinsel in Mexiko gilt.

Schon 315 Millionen Jahre zuvor hatte ein Meteoriteneinschlag neueren Erkenntnissen zufolge ein Massensterben unter Fischen und anderen Lebewesen jener Zeit ausgelöst.

Keine Todesopfer
In der Neuzeit hatten Meteoriten allerdings keine so drastischen Folgen: Bisher gibt es keine gesicherten Berichte, dass ein Mensch je durch den Einschlag eines Himmelskörpers getötet worden wäre.

Einziges nachgewiesenes Todesopfer bleibt damit ein Hund, der 1911 in Ägypten von einem Marsmeteoriten erschlagen wurde.

Links: