Solidarisierung an anderen Unis in Österreich

Auch an der Akademie der Bildenden Künste wird die Besetzung fortgesetzt.
Am zweiten Tag der Besetzung des Audimax der Universität Wien haben sich die Proteste der Studierenden ausgeweitet. Hunderte Studenten besetzen seit Donnerstag das Audimax. Freitagnachmittag wurde der Protest auf die Straße getragen.

Hunderte Studierende zogen am Freitagnachmittag über den Wiener Ring zum Wissenschaftsministerium. Einige Teilnehmer skandierten "Der Hahn (ÖVP-Wissenschaftsminister Johannes, Anm.) gehört gerupft". Einige Zeit blieb aber unklar, wohin sich der Demonstrationszug bewegen solle - mehr dazu in wien.ORF.at. Einig war man sich, dass das Audimax besetzt bleiben soll. "Es ist Common Sense, dass wir Open End dableiben", betonten die Studierenden.

Proteste gegen Hahn
©Bild: Martin Hieslmair
©Bild: Martin Hieslmair
Hahn solle endlich anerkennen, dass sich die Proteste gegen ihn richten. "Es geht um bundespolitische Fragen. Der einzig legitime Ansprechpartner für uns ist Hahn", sagte ein Besetzer.

Die Studenten kritisieren vor allem die fehlenden Ressourcen der Universitäten. Es gebe zu wenige Lehrveranstaltungen für zu viele Studenten in zu kleinen Hörsälen. Seminare mit 50 bis 60 Teilnehmern seien Routine, noch mehr keine Seltenheit.

Hahn: Lokale Proteste
Noch am Vormittag hatte Hahn zwar Gesprächsbereitschaft gegenüber der offiziellen Vertretung aller Studierenden, der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH), bekundet. "Wenn die Österreichische HochschülerInnenschaft sich meldet, kann man darüber diskutieren" - mehr dazu in wien.ORF.at.

Gleichzeitig betonte Hahn aber auch, dass es sich dabei um eine lokale Protestmaßnahme handle. Entsprechend müsse die Uni Wien alle weiteren Schritte entscheiden.

Die ÖH-Vertreter zeigten sich zufrieden über die Proteste der Studenten: "Tausende Studierende haben bewiesen, dass sie genug von Hahns Politik haben", hieß es in einer Aussendung. Indirekt gingen sie auf Hahns Diskussionsbereitschaft ein. Der Minister solle dieses Warnzeichen nun endlich ernst nehmen und sich mit den Studierendenvertretern an einen Tisch setzen.

Breite Solidarisierung
Allerdings bekommen die Studierenden in Wien österreichweit Unterstützungserklärungen von Studentenvertretern anderer Universitäten.

In Graz besetzte eine Gruppe Studierender, unterstützt durch die ÖH, am Freitagabend einen Hörsaal auf der Uni. Rund 50 Studenten hatten sich schon am Nachmittag auf dem Campus zusammengefunden - mehr dazu in steiermark.ORF.at.

Die ÖH der Uni Klagenfurt trug die Forderungen ihrer Wiener Kollegen ebenfalls mit. Sollte sich die Klagenfurter Universitätsleitung ebenfalls zu Zugangsbeschränkungen entschließen, seien auch Proteste in Klagenfurt nicht auszuschließen. Auch die grünen Politiker Peter Pilz und Werner Kogler erklärten sich bei einem Besuch des Audimax mit den Studenten solidarisch.

Keine Gespräche mit Rektorat
Das Rektorat der Uni Wien, Georg Winckler, reagierte noch nicht offiziell auf die Proteste. Es habe bisher keine Verhandlungen mit dem Rektorat gegeben, hieß es vonseiten der Besetzer. Winckler könne sich aber gerne vor das Plenum stellen und mit den Studenten diskutieren. Er sei ohnehin nicht Zielscheibe der Proteste, sondern Hahn.

Ohne auf das Plenum zuzugehen, wird es voraussichtlich schwierig, mit den Studierenden in Kontakt zu treten. Denn hinter den Protesten steht keine einheitliche Organisation, sondern Studierende verschiedener Studienrichtungen. Selbst die Pressesprecher sollen basisdemokratisch täglich neu bestimmt werden.

Akademie-Besetzer kritisieren ÖH
Auch die bereits am Mittwoch gestartete Besetzung der Akademie der Bildenden Künste wird fortgesetzt, da Rektor Stephan Schmidt-Wulffen die Leistungsvereinbarungen mit dem Wissenschaftsministerium unterzeichnete.

Der Rektor habe das für die Besetzung verantwortliche Komitee "teilweise im Unklaren gelassen bzw. in die Irre geführt", kritisierte Martina Pfingstl, eine der Streikorganisatoren. Im Mittelpunkt der Kritik steht die Umstellung des bisherigen Diplomstudiums auf die mehrgliedrige Bachelor/Master-Struktur.

Kritik übte Pfingstl auch an der ÖH. Dieser Protest funktioniere nur, weil sich verschiedene Kleingruppen mehrerer Unis vernetzt hätten und es nicht über die ÖH-Ebene laufe.

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