Verlage feilschen um Rechte

In Müllers Geburtsort Nitchidorf und in der Stadt Temesvar wurde gejubelt.
In Herta Müllers Geburtsland Rumänien hat der Philosoph und Kunsthistoriker Andrei Plesu hocherfreut auf die Zuerkennung des Nobelpreises an die rumäniendeutsche Schriftstellerin reagiert.

"Für mich ist Herta Müller schon lange eine Nobelpreisträgerin. Ich kann mich also nur freuen, dass heute meine Vorahnung offiziell bestätigt wird", so Plesu.

Talent und Verantwortung
"Was ich bei Herta Müller bewundere, ist die perfekte Mischung von Talent, menschlicher und politischer Verantwortung sowie ethischem Gedächtnis, die in ihren Büchern zu finden ist", sagte der Philosoph weiter.

"Die Rumänen sind seit Jahren traurig, dass es keinen rumänischen Nobelpreisträger gibt. Jetzt können sie sich beruhigen. Herta Müller ist zwar eine deutsche Schriftstellerin, aber sie stammt aus Rumänien, und ihre Werke enthalten ein Stück rumänische und osteuropäische Geschichte."

"Plötzlich rotieren hier alle"
Der Direktor der Wiener Staatsoper, Ioan Holender, befand sich bei der Bekanntgabe gerade in Rumänien. "Ich sitze in Temesvar am Hauptplatz, und plötzlich rotieren hier alle", beschrieb der Kulturmanager die Reaktionen. Holender ist in Temesvar (Timisoara) geboren, Müller studierte hier.

"In Temesvar freuen sich alle mit ihr, und auch ich bin sehr froh für diese Stadt. Aber Temesvar ist nicht Rumänien, und in Bukarest wird das, glaube ich, niemanden freuen", so Holender.

Jubel im Geburtsort
Große Freude herrschte am Donnerstag hingegen in dem kleinen Ort Nitchidorf im Westen Rumäniens, dem Heimatdorf Müllers. Bürgermeister Ioan Mascovescu sagte der Nachrichtenagentur AFP, er sei "glücklich", dass mit Müller eine aus Nitchidorf stammende Autorin die begehrte Auszeichnung erhalte - auch wenn sie nicht mehr dort lebe. Die Gemeinde will Müller die Ehrenbürgerschaft anbieten.

In dem Ort, der im Jahr 1784 erstmals schriftlich erwähnt wurde, leben vor allem Angehörige der deutschen Minderheit. Die 1953 in Nitchidorf geborene Müller war 1987 mit ihrem Ehemann, dem Schriftsteller Richard Wagner, nach Deutschland ausgewandert.

"Haben darauf gewartet"
Nun dürfte sich das Feilschen der rumänischen Verlage Polirom und Humanitas um die Veröffentlichungsrechte der rumänischen Ausgabe von Müllers jüngstem Werk "Atemschaukel" verschärfen.

Beim Polirom-Verlag, wo bisher drei Werke Müllers in rumänischer Übersetzung erschienen sind, freute sich Redakteur Bogdan Stanescu. "Wir haben es zwar nicht erwartet, aber doch darauf gewartet", sagte er zum Nobelpreis für Müller.

Respektable Auflagen
In Rumänien sei Herta Müller ebenso beliebt wie andere Autoren hochwertiger Literatur, etwa vergleichbar mit der Beliebtheit des Amerikaners Philip Roth, sagte Stanescu.

Die Bukarester Literaturagentin Simona Kessler, die Müller in Rumänien für "Atemschaukel" vertritt, sagte, Müllers Auflagen betrügen bisher etwa 3.000 Stück, das sei aber für rumänische Maßstäbe und für diese Literatursparte "höchst respektabel".

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