Auch Kleinparteien profitierten

Karamanlis' Versuch, mit Neuwahlen die Flucht nach vorne zu wagen, ist misslungen.
Schon nach den ersten Auszählungsergebnissen haben sich die bisher oppositionellen Sozialisten (PASOK) am Sonntag zum Sieger der Parlamentswahl in Griechenland erklärt. Sie können laut allen Hochrechnungen künftig mit absoluter Mehrheit allein regieren.

Der PASOK-Politiker Evangelos Venizelos sprach von einem "historischen Sieg", der zugleich auch ein "persönlicher Sieg" von Parteichef Giorgos Papandreou sei. In Wahrheit verdankt die PASOK ihren Sieg jedoch der Unzufriedenheit mit der bisherigen Regierung.

Karamanlis zieht die Konsequenzen
Die konservative Nea Dimokratia (ND) von Ministerpräsident Kostas Karamanlis kam Hochrechnungen zufolge nur noch auf 35 Prozent der Stimmen - ein Minus von fast sieben Prozentpunkten - und räumte ihre Niederlage bereits vor Vorliegen des Endresultats ein.

Karamanlis zog noch am Wahlabend die Konsequenzen. Im griechischen Fernsehen sagte er: "Ich übernehme die Verantwortung. Ich leite das Verfahren zur Wahl eines neuen Parteivorsitzenden ein. Ich werde nicht mehr für den Parteivorsitz kandidieren".

Glückwünsche vom Verlierer
Die ND teilte am Sonntagabend auch mit, Karamanlis habe Papandreou am Telefon gratuliert und ihm Erfolg gewünscht. Karamanlis hatte vor einem Monat nach mehreren parteiinternen Skandalen und schlechten Umfragewerten vorzeitige Wahlen angesetzt.

Schulden als Wahlkampfthema
Wahlkampfthema waren vor allem die Staatsschulden von rund 260 Mrd. Euro. Jeder Grieche ist damit im Schnitt mit rund 25.000 Euro verschuldet. Außerdem kreideten die Wähler Karamanlis an, dass der versprochene Feldzug gegen die Korruption im Land ausgeblieben war.

PASOK-Politiker Andreas Loverdos sagte, Karamanlis habe die PASOK mit der Neuwahl kalt erwischen wollen, nun habe es aber seine eigene Partei getroffen. In Athen feierten PASOK-Anhänger mit Hupkonzerten und Feuerwerk die Rückkehr ihrer Partei an die Macht.

Gewagte Versprechen
Nach fünfeinhalb Jahren auf der Oppositionsbank konnte sich Papandreou im Wahlkampf leicht von den derzeitigen Zuständen distanzieren. Er versprach genau wie zuvor Karamanlis den Kampf gegen Missstände und Korruption und die Verringerung der Staatsschulden.

Außerdem versprach Papandreou den Wählern, die griechische Wirtschaft durch umfangreiche staatliche Hilfspakete anzukurbeln. Die einzige im Wahlkampf vorgebrachte konkrete Idee zur Finanzierung dieses Spagats war eine "Reichensteuer".

Auch Protestwähler gestärkt
Von der Unzufriedenheit mit Karamanlis konnten auch andere profitieren: Der Einzug ins Parlament gelang auch den Kommunisten (KKE) mit sieben Prozent sowie der nationalistisch-religiösen Völkischen Orthodoxen Gesamtbewegung (LAOS), die 5,38 Prozent erhielt.

Zudem übersprang das Bündnis der Radikalen Linken die Dreiprozenthürde it 4,2 Prozent. Die Grünen scheiterten mit 2,5 Prozent. Die PASOK erklärte, sie fühle nun die "große Verantwortung, die Erwartungen des griechischen Volkes zu erfüllen".

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