Die Zahl basiere auf Angaben von Spitälern in Conakry und beinhalte keine Leichen, die möglicherweise noch nicht in Krankenhäusern eingetroffen seien, sagte Thierno Maadjou Sow, der Präsident der guineanischen Menschenrechtsorganisation. Er schätzte die Zahl der Verletzten auf 1.250.
Die BBC berichtete zuletzt von 125 Toten. Die Opposition warf der Führung vor, Leichen verschwinden zu lassen, um das "Ausmaß des Massakers" zu verschleiern.
Militärjunta ließ Feuer eröffnen
Der britische Rundfunksender BBC berichtete, die Sicherheitskräfte seien mit scharfer Munition, Tränengas und Schlagstöcken gegen die Demonstranten vorgegangen, die gegen die Militärjunta protestierten.
Augenzeugen berichteten der Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch, dass Soldaten Frauen vergewaltigt hätten. Demonstranten sollen mit Bajonetten und Messern erstochen worden sein.
Kontrolle verloren
Der Militärmachthaber von Guinea, Oberst Moussa Camara, räumte ein, dass Sicherheitskräfte bei dem Einsatz gegen die Demonstranten vereinzelt die Kontrolle über das Geschehen verloren hätten. Er bestritt jedoch, dass es zu Vergewaltigungen gekommen sei.
Die Polizei habe nach der gewaltsamen Auflösung der Demonstration zahlreiche Kontrollposten in der Hauptstadt Conakry errichtet, hieß es weiter. Zahlreiche Militärposten und -patrouillen seien auf den Straßen.
Fußballstadion als Leichenhalle
Die Sicherheitsbehörden hatten die Kundgebung in einem Fußballstadion verboten. Dennoch versammelten sich Berichten zufolge rund 50.000 Menschen. Augenzeugen berichteten, das Stadion sei zu einer provisorischen Leichenhalle umfunktioniert.
Mehrere Oppositionspolitiker, unter ihnen Cellou Diallo, der Leiter der Union der Demokratischen Kräfte von Guinea, wurden verhaftet.
Demonstration gegen Putschisten Camara
Die Demonstranten hatten gegen Oberst Moussa Camara protestiert, der nach dem Tod von Präsident Lansana Conte im vergangenen Jahr einen unblutigen Militärputsch angeführt hatte. Camara hatte angekündigt, er wolle Korruption und Misswirtschaft bekämpfen und nach Wahlen im kommenden Jahr den Weg zu einer zivilen Regierung frei machen.
Inzwischen häufen sich allerdings Hinweise, dass der Offizier selbst für das Präsidentenamt kandidieren will. Menschenrechtsorganisationen hatten in den vergangenen Monaten wiederholt Übergriffe des Militärs kritisiert.
EU und AU verurteilen Gewalt
Der EU-Außenbeauftragte Javier Solana verurteilte die gewaltsame Auflösung einer Oppositionskundgebung. Er rief die dortige Militärregierung zur Zurückhaltung und zur sofortigen Freilassung der festgenommenen Oppositionellen auf, wie es in einer am Dienstag in Brüssel veröffentlichten Erklärung hieß. Die Führung des Landes müsse nun für einen "friedlichen und demokratischen Übergang" sorgen.
EU-Entwicklungskommissar Karel de Gucht zeigte sich "geschockt und zutiefst betrübt". Er sprach den Angehörigen der mehr als 80 Todesopfer sein Beileid aus.
Genau wie De Gucht forderte auch die Kommission der Afrikanischen Union (AU), die Verantwortlichen zur Rechenschaft zu ziehen. In einer Stellungnahme verurteilte die Organisation die Gewalt "gegen unbewaffnete Zivilisten" und "weitere schwere Verletzungen der Menschenrechte". Die Behörden müssten die Meinungs- und die Versammlungsfreiheit respektieren und politische Parteien zulassen.
Links:
- Guinea (Wikipedia)
- Human Rights Watch
- EU
- Afrikanische Union