Der Oscar-Preisträger ("Der Pianist") wird beschuldigt, 1977 in den USA eine Minderjährige vergewaltigt zu haben. Polanski floh damals vor der drohenden Inhaftierung aus den USA. Seitdem hat er das Land nie wieder betreten. Nun droht ihm die Auslieferung.
Vorfall in Jack Nicholsons Villa
Der in Polen geborene Filmemacher hatte sich damals schuldig bekannt, in der Villa von Hollywood-Star Jack Nicholson eine 13-Jährige mit Champagner und Drogen gefügig gemacht und verführt zu haben. Sex mit Minderjährigen gilt in Kalifornien automatisch als Vergewaltigung.
Die 13-Jährige war als Model für eine Fotosession gebucht. Laut Polanskis Aussagen war das Mädchen bereits sexuell erfahren, und sie hatten in beiderseitigem Einverständnis Geschlechtsverkehr. Letzteres bestritt sie allerdings damals in Vernehmungen.
Nach Geständnis geflohen
Polanski verbrachte damals 42 Tage unter psychiatrischer Beobachtung. Er floh aus Angst vor einer längeren Gefängnisstrafe aber unmittelbar vor der Urteilsverkündung nach Frankreich. Er besitzt auch die französische Staatsbürgerschaft.
Seit 31 Jahren Justizflüchtling
Sein damaliges Opfer hat ihm längst öffentlich verziehen. Trotzdem war der 76-Jährige im Mai mit seinem Antrag gescheitert, das Verfahren in Kalifornien nach 32 Jahren für geschlossen zu erklären: Das Gericht hatte sein persönliches Erscheinen gefordert.
Polanski stellte sich den US-Behörden nicht. Weil er "nicht vor Gericht erschien", wurde sein Ersuchen um eine Einstellung des Verfahrens schließlich von einem Richter in Los Angeles abgewiesen. Auch seinen Oscar im Jahr 2003 holte er nicht selbst ab.
Behörden kannten Einreisedatum
Am Sonntagabend sollte Polanski in Zürich mit einem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet werden. Das Festival verschob die Ehrung "auf einen unbestimmten Zeitpunkt", wollte die "Tribute to Roman Polanski"-Retrospektive aber wie geplant abhalten.
Polanski hatte sich in den letzten Jahren immer wieder von der Polizei unbehelligt in der Schweiz aufgehalten. Zum Verhängnis wurde ihm, dass der Termin seines Besuches diesmal seit langem bekannt war, wie Justizdepartementsprecher Guido Balmer bestätigte.
"Weltweite Fahndung seit 2005"
"Wir wussten diesmal genau, wann er einreist", sagte Balmer am Sonntag. Wo sich Polanski derzeit befindet, sagte Balmer allerdings nicht. In der offiziellen Stellungnahme des Ministeriums hieß es, dass Polanski "auf der Basis eines US-Haftbefehls in provisorische Auslieferungshaft genommen" worden sei.
Die US-Behörden würden seit Ende 2005 "weltweit nach Roman Polanski fahnden", hieß es in der Stellungnahme weiter. Ob er tatsächlich an die USA ausgeliefert wird, werde jedoch erst nach dem rechtskräftigen Abschluss des Auslieferungsverfahrens feststehen.
Verfahren vor Schweizer Gerichten
Im Auslieferungsverfahren stehe Polanski der Instanzenzug der Schweizer Justiz zur Verfügung, betonte die Schweizer Polizei weiters. Darüber hinaus könnten "aus Rücksicht auf das nun laufende Verfahren derzeit keine weiteren Angaben gemacht werden".
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