Teheran baut zweite Anreicherungsanlage

Die Arbeiten an der neuen Anlage sollen bereits seit 2005 laufen.
Bisher ist im Iran nur eine Anlage zur Anreicherung von Uran, in Natans, bekanntgewesen. Nachdem bereits am Montag
die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) über den Bau einer zweiten Atomanlage auf seinem Territorium informiert worden war, wurde das Eingeständnis am Freitag, einen Tag nach der einstimmigen Verabschiedung der Sicherheitsratsresolution über die Verschrottung von Nuklearwaffen, offiziell.

In dem Schreiben an die IAEA habe es aber weder Angaben zum Ort der Anlage gegeben noch dazu, wie weit das Projekt bereits fortgeschritten sei, hieß es.

Anreicherung bis zu fünf Prozent
Der Iran habe der Behörde mit Sitz in Wien in dem Schreiben versichert, dass in der Anlage Uran nur auf bis zu fünf Prozent angereichert werde, teilte IAEA-Sprecher Marc Vidricaire mit. Für eine Atomwaffe müsste Uran 235 auf über 90 Prozent angereichert werden.

Nach IAEA-Regeln muss der Iran die IAEA schon informieren, sobald eine Entscheidung für den Bau solch einer Anlage gefallen ist.

"Nur zivile Zwecke"
Die Anlage in Natans wird von der IAEA ständig überwacht. Gegen den Iran gibt es Sanktionen der Vereinten Nationen (UNO), weil sich das Land weigert, die Anreicherung auszusetzen und Verdachtsmomente für ein militärisches Atomprogramm auszuräumen.

Teheran beharrt darauf, dass es Uran ausschließlich für "zivile Zwecke" wie zur Energiegewinnung nutzen will. Experten fürchten, dass der Iran mit dem angereicherten Uran Atomwaffen bauen könnte.

Ahmadinedschad wies am Freitag sämtliche Vorwürfe in Bezug auf Geheimhaltung des iranischen Atomprogramms zurück: "Wir haben kein Geheimnis." Er betonte, dass der Iran im Rahmen der IAEA arbeite. Es sei auch nicht zu spät über den Bau der Anlage berichtet worden. Der Chef des iranischen Atomprogramms, Ali Akbar Salehi, hatte gegenüber AFP bekräftigt: "Diese Anlage ist nicht geheim, deswegen haben wir die IAEA über ihre Existenz informiert."

US-Geheimdienst: Auf Militärbasis
Die neue Anlage soll nach US-Diplomatenangaben nahe der den Schiiten heiligen Stadt Qom südlich von Teheran liegen und soll demnach groß genug für etwa 3.000 Zentrifugen zur Urananreicherung sein. Die Anlage sei wohl nicht vor nächstem Jahr betriebsbereit. Laut Ahmadinedschad wird eine Anreicherung von Uran in dieser Anlage erst in 18 Monaten möglich sein.

US-Geheimdienstquellen vermuten, dass diese zweite Anlage ein unterirdischer Tunnelkomplex auf einem Militärgelände sei, das von den Revolutionären Garden kontrolliert werde, wie die Nachrichtenagentur AP berichtete. Diesen Quellen zufolge sei dieser Ort zu klein für ein Atomkraftwerk, könnte aber für militärische Zwecke verwendet werden.

Wie viel fehlt für Atombombe?
Völlig unklar ist, wie weit die Urananreicherung im Iran fortgeschritten ist: Einschätzungen, dass das Land bald genügend Material für den Bau einer Atombombe haben könnte, werden immer wieder mit Ansichten konterkariert, dass Teheran noch weit davon entfernt sei.

Auch aus der IAEA, die mit dem Land in eine Art Katz-und-Maus-Spiel zwischen Annäherungen und Säbelrasseln verwickelt ist, kommen je nach Stimmungslage durchaus unterschiedliche Meldungen. Mit dem Bau einer zweiten Anlage spitzt sich die Situation aber zweifellos zu.

Informationspflicht verletzt
Wie die dpa aus informierten Kreisen erfuhr, laufen die Arbeiten an der bisher geheimen iranischen Anreicherungsanlage bereits seit 2005. Teheran habe also vier Jahre lang seine Informationspflicht verletzt. Die Anlage entstehe tief in einem Berg fernab von Siedlungen. Der Bau sei weit fortgeschritten, aber es gebe noch kein Atommaterial an Ort und Stelle.

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