"Wir sind an einem entscheidenden Augenblick angelangt." Die USA seien "bereit, ein neues Kapitel der internationalen Zusammenarbeit zu beginnen - ein Kapitel, das die Rechte und die Verantwortung aller Nationen akzeptiert". Nüchtern betrachtet formulierte der Präsident nichts anderes als die Erkenntnis, dass die USA in der globalisierten Welt angekommen sind.
Alle Länder müssen handeln
Viele Konflikte und Probleme wie Hunger und Klimaerwärmung sowie der Rüstungswettlauf und die Ausbreitung des Terrorismus seien ungelöst. "Wenn wir ehrlich zu uns selbst sind, müssen wir zugeben, dass wir dieser Verantwortung (bisher) nicht nachkommen sind", sagte Obama. Die USA seien zwar bereit, Führung zu übernehmen, es müssten aber alle handeln.
"Genauso wie sich kein Land von der Welt abschotten kann, kann kein Land, egal wie groß, egal wie mächtig es ist, diesen Herausforderungen alleine begegnen." Die USA wollten gemeinsam mit anderen die Probleme lösen. "Diejenigen, die Amerika stets gescholten hatten, weil es allein in der Welt gehandelt hatte, können jetzt nicht abseitsstehen und abwarten, dass Amerika die Probleme der Welt alleine löst", sagte Obama.
Düsteres Bild
"Extremisten säen Terror in den Winkeln der Welt. Langwierige Konflikte schleppen sich dahin. Völkermord und Massengräuel. Mehr und mehr Nationen mit Nuklearwaffen. Schmelzende Polarkappen und geschundene Völker. Andauernde Armut und pandemische Krankheiten." Obama betonte, dass er das nicht sage, "um Angst zu säen, sondern um die Tatsachen festzuhalten. Die Größe unserer Herausforderungen fordert ein entsprechendes Maß an Aktionen."
Warnung an Nordkorea und den Iran
Als eine der wichtigsten Aufgaben bezeichnete es Obama, die Weiterverbreitung von Atomwaffen zu verhindern. Falls das nicht gelingen sollte, werde es in verschiedenen Regionen der Welt einen weiteren Rüstungswettlauf geben. Außerdem könnten Atomwaffen in die Hände von Terroristen fallen. Iran und Nordkorea befänden sich mit ihren Nuklearplänen auf einem "gefährlichen Weg".
Wenn diese Länder den Forderungen der internationalen Gemeinschaft nicht nachkämen, müssten sie die Verantwortung für die Folgen übernehmen, warnte der US-Präsident. Die Welt müsse zusammenstehen, "um zu zeigen, dass internationales Recht kein leeres Versprechen ist, und dass Abkommen durchgesetzt werden".
Nahost-Initiativen gefordert
Obama forderte neue Anstrengungen für einen Frieden im Nahen Osten. "Die Zeit ist gekommen, um wieder Verhandlungen ohne Vorbedingungen aufzunehmen." Gefordert sei eine "Zweistaatenlösung", bei der Israel und Palästina friedlich nebeneinander leben. "Ich bin nicht naiv, das wird schwierig sein." Palästina müsse die Existenz Israels anerkennen. Die Palästinenser müssten der Gewalt abschwören, und Israel müsse seine Siedlungspolitik aufgeben.
"Change" für die ganze Welt
Amerika werde niemals aufhören, für das Selbstbestimmungsrecht der Völker und die Werte der Freiheit einzutreten, betonte der US-Präsident. Aber "Demokratie kann keiner Nation von außen aufgezwungen werden", sagte Obama. "Ebenso wie kein Land gezwungen sein sollte, die Tyrannei einer anderen Nation zu ertragen, sollte auch kein Bürger die Tyrannei seiner eigenen Regierung ertragen müssen."
Die Menschen in der Welt wünschten sich "Wandel", sagte Obama, der mit dem Versprechen auf "Change" ("Wandel") die Präsidentschaftswahl 2008 gewonnen hatte. Die Völker in der Welt "würden nicht länger jene ertragen, die auf der falschen Seite der Geschichte stehen".
Verständnis für Anti-Amerikanismus
Eindringlich mahnte Obama energische Schritte gegen den Klimawandel ein. "Die Gefahr durch Klimawandel kann nicht geleugnet werden." Auch Amerika werde handeln und im eigenen Land den Ausstoß an Treibhausgasen verringern. Beim UNO-Klimagipfel in Kopenhagen im Dezember müssten sich aber alle Länder bewegen.
Obama äußerte indirekt Verständnis für manchen Anti-Amerikanismus in der Vergangenheit. Aber Amerika habe sich seit der Zeit der Präsidentschaft von George W. Bush verändert, das Gefangenenlager Guantanamo werde geschlossen, Folter in amerikanischem Namen habe er verboten.
Fischer lobt Obama-Rede
Der österreichisches Bundespräsident Heinz Fischer lobte die erste Rede Obamas vor der UNO-Vollversammlung als "wirklich bemerkenswert".
"Es ist eine neue Seite aufgeschlagen worden", schilderte Fischer am Mittwochabend im Gespräch mit der ZIB2 seinen Eindruck nach Obamas ausdrücklichem Plädoyer für den Multilateralismus.
Frühere amerikanische Präsidenten hätten "oft vor allem nur den Krieg gegen den Terrorismus abgehandelt und die führende Rolle der Vereinigten Staaten unterstrichen", spielte Fischer auf Amtsvorgänger George W. Bush an. Obama hingegen habe akzeptiert, dass man große Probleme nur gemeinsam lösen könne und einen neuen Ton angeschlagen.
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