"Bitte melde dich"
Unter dem Titel "Danish mother seeking" (dänische Mutter sucht) erzählt "Karen" von einem betrunkenen One-Night-Stand vor eineinhalb Jahren in der dänischen Hauptstadt Kopenhagen, der zu ihrem süßen Sohn August führte.
"Ich weiß nicht, woher du kommst, noch erinnere ich mich an deinen Namen, aber wir hatten Sex", sagt "Karen" mit treuherzigem Blick in die Kamera. "Und wenn du diese Botschaft siehst, dann melde dich bitte!"
Aus "Karen" wurde Ditte
Doch die junge Frau, die mit ihrer Suche weltweit für Aufsehen sorgte, heißt gar nicht "Karen", sondern Ditte Jörgensen, ist Schauspielerin, kinderlos und war bereits in einem McDonald's-Spot zu sehen. Und die Sätze, die sie in die Kamera spricht, stammen auch nicht von ihr, sondern von professionellen Werbetextern.
Video als Tourismuswerbung
Tausende hatten ihr auf ihren Aufruf hin geschrieben und ihr Mut zugesprochen. Nun wird sie mit Schmähbriefen überschüttet. Denn fünf Tage nachdem der Clip online gegangen war, deckte die dänische Zeitung "Ekstra Bladet" auf, dass hinter dem Video der staatliche Tourismusverband VisitDenmark steckt.
Versuche, das Video noch rasch aus dem Netz zu nehmen, scheiterten. Zu viele Kopien davon kursieren bereits im Internet.
"Schneller Sex mit blonden Frauen"
Nach dem Auffliegen des Schwindels gingen die Wogen hoch. "Seid ihr verrückt bei VisitDenmark?" ist noch einer der netteren Kommentare von YouTube-Usern. Auch die Zeitungen lassen kein gutes Haar an der Kampagne. Von "Werbung für schnellen Sex mit blonden Frauen" und "Ballermann-Niveau" ist dort zu lesen.
Für die Nachrichtenagentur AP analysierte die dänische Soziologin Karen Sjoerup den drei Minuten langen Clip und kam zu dem Schluss, dass die Botschaft lautet: "Du kannst blonde dänische Frauen ins Bett locken, ohne Kondome zu verwenden."
Opposition empört
Selbst Wirtschaftsministerin Lene Espersen nahm zu dem Vorfall Stellung. Das Video würde kein "gut durchdachtes" Bild von Dänemark zeigen, kritisierte Espersen. Die linke Opposition sprach von einer "widerlichen" Kampagne, die mit Steuergeldern finanziert wurde.
Die Macher des Videos wollen die ganze Aufregung nicht verstehen. Die Chefin von VisitDenmark, Dorte Kiilerich, sagte: "Der Film zeigt Dänemark als freie Gesellschaft, wo Frauen selbstständig sind und ihre eigene Wahl treffen." Es tue ihr leid, wenn das Video einen Nerv getroffen habe, "das Ziel war, einen positiven Bezug zu Dänemark zu schaffen".
Erfolgreich und billig
"Karen" alias Ditte Jörgensen hat sich selbst zu der Fälschung noch nicht geäußert. Dafür hat sich Peter Helstrup, Chef der Werbeagentur Grey, die das Video produziert hat, zu Wort gemeldet. "Die Werbung war die erfolgreichste überhaupt", schwärmte er gegenüber der dänischen Tageszeitung "Politiken". Und sie habe nur so viel gekostet wie ein 30-Sekunden-Spot im Fernsehen.
Parodien füllen YouTube
Wie viel der Imageschaden das Land kosten wird, kann hingegen wohl keiner beziffern. Zumindest nahmen es einige User mit Humor. Laut dem deutschen "stern" kursieren bereits zahlreiche Parodien des Videos im Netz. In einem sucht ein schwedischer Vater mit einem Stofftier im Arm die Mutter seines Kindes.
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