Die Wirtschaftsleistung in der Euro-Zone werde 2009 nicht so stark einbrechen wie bisher befürchtet, teilte die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) am Donnerstag in Paris mit.
Konjunktur gewinnt an Fahrt
In einem Zwischenbericht korrigierte die OECD für die Euro-Zone ihre Prognose auf minus 3,9 Prozent. Noch im Juni lag das prognostizierte Minus bei 4,8 Prozent. Den G-7-Staaten sagte sie für das laufende Jahr ein Schrumpfen um 3,7 Prozent (statt minus 4,1 Prozent) voraus.
Für das für Österreich wirtschaftlich wichtige Nachbarland Deutschland sagte die OECD nun lediglich ein Schrumpfen der Wirtschaftsleistung um 4,8 Prozent voraus statt der bisher erwarteten minus 6,1 Prozent. Vor allem im dritten Quartal werde die Konjunktur deutlich an Fahrt gewinnen, sagte OECD-Chefvolkswirt Jorgen Elmeskov.
Aussichten für USA und England trübe
Auf den Finanz- und Aktienmärkten habe es eine Entspannung gegeben, und die Immobilienmärkte in den USA und Großbritannien zeigten Anzeichen einer Stabilisierung. Gleichzeitig scheine der Einbruch im Welthandel die Talsohle erreicht zu haben, während Schwellenländer wie China wieder starke Wachstumsraten verzeichneten.
Japan, Frankreich, Italien, und Kanada zeigen deutlich bessere Zahlen als noch im Juni. Einzig für Großbritannien und die USA bleiben die Aussichten weiter eingetrübt. Während für Großbritannien ein Minus von 4,7 erwartet wird, blieb die OECD mit ihrer Prognose für die USA ebenfalls bei den bereits erwarteten minus 2,8 Prozent. Somit sei trotz des frühen Endes der Rezession vorerst nicht mit einer raschen Erholung zu rechnen, sagte Elmeskov.
Überkapazität, Arbeitslosigkeit, Schulden
Die Krise habe den wichtigsten Industriestaaten zu sehr zugesetzt: Überkapazitäten, eine geringe Profitabilität, steigende Arbeitslosigkeit, kaum wachsende Arbeitseinkommen und die Krisen auf dem Immobilienmarkt in einigen Ländern dürften den privaten Verbrauch belasten.
Zudem müssten Verbraucher, Unternehmen, Banken und Regierungen ihre Schulden abbauen, die sie im Zuge der Krise angehäuft hätten. "Das heißt, dass kurzfristig eine starke politische Unterstützung der Wirtschaft nötig ist", sagte Elmeskov. Die Notenbanken sollten mindestens bis 2010 mit Zinserhöhungen warten, in einigen Ländern sogar noch länger.
Risiko für Deflation nur gering
An der Preisfront sieht die OECD derzeit keine Gefahr. "Das Risiko einer nachhaltigen Deflation erscheint außerhalb Japans gering", heißt es. Die Staaten, die Steuersenkungen angekündigt haben, sollten diese schnell umsetzen. Doch die leichte Erholung "verringert die Wahrscheinlichkeit, dass weitere Steueranreize in den Ländern nötig werden, die auf diese Maßnahmen zurückgegriffen haben".
Konjunkturpakete zügig umsetzen
Zudem sollten Regierungen bereits beschlossene Konjunkturpakete zügig umsetzen. Weitere Programme seien jedoch wegen der frühen Erholung in den Ländern, die noch finanziellen Spielraum hätten, nicht nötig, sagte Elmeskov.
Auf längere Sicht müssten sich die OECD-Mitgliedsstaaten bereits jetzt darauf vorbereiten, ihre Konjunkturstützen zurückzufahren. "Die Vorbereitung glaubwürdiger Exit-Strategien von Notenbanken und Sparpläne der Regierungen sind wünschenswert, auch wenn eine Umsetzung der Pläne erst später ratsam ist."
Links:
- OECD-Studie (englisch, PDF)
- OECD