In der neuen Prognose ist demnach für 2009 von einem Wirtschaftsrückgang zwischen 3,5 und 3,8 Prozent die Rede, während die Währungshüter noch im Juni von einem weit stärkeren Rückgang - konkret 4,2 Prozent - ausgingen. Bereits 2010 rechnet die OeNB nun mit einer positiven Wachstumsrate zwischen null und einem Prozent.
Immer noch "massiver Rückgang"
Doch auch wenn laut Nowotny mittlerweile alle Vorausindikatoren den Tiefstpunkt überschritten haben - von einem Aufschwung will der Notenbankchef noch nicht sprechen. Zum einen spiegle die genannte Bandbreite für die Prognose die Unsicherheit wider, mit der diese noch behaftet sei.
Zum anderen dürfe nicht übersehen werden, dass trotz der prognostizierten Verbesserung die heimische Wirtschaft mit einem "massiven Rückgang" konfrontiert sei. Denn selbst wenn sich die Prognose bewahrheiten sollte, würde bis Ende 2009 nur das Niveau von Ende 2006 erreicht werden und somit das Wachstum von drei Jahren verloren gehen.
Deutlich höhere Arbeitslosenrate
Als spezielle Problembereiche sieht Nowotny den Arbeitsmarkt und das Budgetdefizit. Man müsse mit einer deutlich höheren Arbeitslosigkeit rechnen und laufe Gefahr, dass die konjunkturelle Arbeitslosigkeit in eine strukturelle umschlägt.
Auf der anderen Seite sei das massive Defizit zur Krisenbewältigung zwar nötig, aber "nicht kostenlos". Das durch Konjunkturmaßnahmen bedingte Defizit könne nicht reduziert werden, solange der Aufschwung nicht gefestigt sei. Aber "strukturelle Aspekte", etwa die langfristigen Kosten der Altersvorsorge und die Verwaltungsreform, müssten sofort angegangen werden.
"Entwarnung" gibt Nowotny bei der Inflation. Es gebe derzeit Preisstabilität und diese zeichne sich für die kommenden zehn Jahre ab.
IHS erwartet "schwieriges halbes Jahr"
Zeichen der Erhohlung werden neben der OeNB indes auch vom Institut für Höhere Studien (IHS) geortet. Zwar erwartet IHS-Chef Bernhard Felderer für die kommenden Herbstmonate noch keine echte Erholung, sehr wohl aber eine Stabilisierung der Wirtschaft.
Dennoch erwartet Felderer noch ein schwieriges halbes Jahr. Sowohl Arbeitslosigkeit als auch Firmenpleiten würden noch zunehmen. Trotz der Bankengewinne im zweiten Quartal glaubt der Ökonom zudem, dass die Finanzwirtschaft schwächer dasteht als die Industrie, deren Auftragseingänge sich zuletzt wieder verbessert haben.
WIFO: Derzeit kein Revisionsbedarf
Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) sieht die Konjunkturprognose seines Hauses vom Juni durch die Revision der OeNB-Prognose bestätigt. Während OeNB (minus 4,2 Prozent) und IHS (minus 4,3 Prozent) damals deutlich pessimistischer waren, hatte das WIFO im Juni für 2009 einen Abschwung von "nur" 3,4 Prozent prognostiziert.
Unter Verweis auf deutsche Horrorprognosen von bis zu minus sechs Prozent meinte WIFO-Chef Karl Aiginger zur APA, dass es richtig gewesen sei, "nicht mit den Lemmingen nach unten zu schwimmen". Derzeit zeigten die Frühindikatoren nach oben. Es sei nicht so schlimm gekommen, wie manche erwarteten, aber es laufe auch "nicht so gut, dass wir Revisionsbedarf nach oben haben".
Noch "harter und steiniger Weg"
Finanzminister Josef Pröll (ÖVP) sieht in der Anhebung der OeNB-Konjunkturprognose einen Beleg dafür, dass die beiden Konjunkturpakete der Regierung "im Kampf gegen die Krise ihre Wirkung besser entfalten als noch im Frühjahr erwartet". Der Abschwung sei erfolgreich abgebremst worden.
Dennoch sei für die österreichische Wirtschaft bis zu einem Aufschwung noch ein "harter und steiniger Weg zu gehen", so Pröll, der gleichzeitig in der OeNB-Schätzung für 2010 "Grund für vorsichtigen Optimismus" ortete.
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