Gut für Anleger, gut für Patienten?

In Pharmaforschung wird derzeit wieder kräftig investiert - ungeachtet der Wirtschaftskrise.
An der Pharmaindustrie zieht die derzeitige Wirtschaftskrise nahezu spurlos vorüber. Experten rechnen für das heurige Jahr sogar mit einem Wachstum der Branche von gut fünf Prozent.

Fonds, die in die Entwicklung von neuen Medikamenten investieren, boomen. Das Wachstum des Marktes liegt nicht nur an der Erschließung neuer Märkte in Schwellenländern, sondern auch am immer noch wachsenden Interesse an Medikamenten, die Zivilisationskrankheiten wie Fettleibigkeit und Allergien bekämpfen, berichtet das Wirtschaftsmagazin "BusinessWeek".

Die teuren Folgen von Fettleibigkeit
Die US-Ernährungs- und Medikamentenbehörde entscheidet alleine derzeit über die Zulassung von drei neuen Arzneien gegen Gicht, die im Vormarsch ist, genauso wie Nierenerkrankungen, Schlafstörungen, Schilddrüsenüberfunktion und andere Erkrankungen wie das metabolische Syndrom - einer Kombination verschiedener Risikofaktoren für Herzkrankheiten und Diabetes.

All diese Krankheiten haben eine Gemeinsamkeit: Sie sind unter anderem eine Folgeerscheinung von Fettleibigkeit. Je nach Definition leiden bis zu einem Drittel der US-Bürger unter extremem Übergewicht.

Die zuständige Behörde für Krankheitskontrolle und -prävention rechnet vor, dass sich die Ausgaben in diesem Bereich in den letzten zehn Jahren auf über neun Prozent der gesamten Gesundheitskosten verdoppelten.

Milliardenschwerer Markt
Die Pharmaindustrie reagierte längst darauf und forscht an neuen Medikamenten, die den Folgen von Fettleibigkeit vorbeugen bzw. sie bekämpfen sollen.

Caroline Apovian, Direktorin des Ernährungswissenschaftlichen Instituts der Universität Boston, rechnet in den nächsten fünf bis zehn Jahren mit essenziellen Fortschritten, wie sie gegenüber der "BusinessWeek" sagt: "Es wird keine Allheilmittel geben, aber neue Medikamente werden einen wertvollen Beitrag leisten können."

Noch zu viele Nebenwirkungen
Brian Lasky, Berater von IMS Health, einem Unternehmen, das den Pharmamarkt beobachtet, sagt, dass es ab einem gewissen Grad an Fettleibigkeit schwierig sei, sein Gewichtsproblem wieder ohne Hilfe in den Griff zu bekommen: "Bessere Medikamente sind unbedingt nötig."

Denn zahlreiche neue Medikamente hätten während der letzten Jahre die Marktreife aufgrund ihrer Nebenwirkungen - etwa Depressionen - nicht erreicht. Nun wird kräftig in Forschung investiert.

"Rettet die Kinder (und macht Geld)"
Neben Fettleibigkeit und ihren Folgen sind Allergien der zweite große Wachstumsmarkt in der Pharmaindustrie. Während der letzten zwanzig Jahre verdoppelte sich die Anzahl an Kindern, bei denen Asthma diagnostiziert wurde. Allergien, etwa gegen Erdnüsse, stiegen laut aktuellem Zahlenmaterial sogar noch stärker.

Einen provokanten Artikel im "Wall Street Journal" titelte James Altucher jüngst mit: "Rettet die Kinder (und macht Geld)". Der Autor empfiehlt vor allem den Kauf von Novartis-Aktien, die derzeit unterbewertet seien und gerade wegen eines Asthmamedikaments in den nächsten Jahren deutlich anziehen würden.

Alles nur Panikmache?
Vor allem die vielen Millionen Dollar Forschungsgelder, die in die Allergieforschung investiert werden, sorgten in den USA während der letzten Jahre immer wieder für Debatten. Das Internet-Magazin "Slate" etwa sieht hier eine geschürte Panik.

Genau jene Institutionen, die als größte Warner auftreten, würden auch Forschungsinstitutionen betreiben oder diesen nahestehen. Deshalb werde oft weit dramatischer berichtet als dem Thema angemessen wäre. Die Folge seien neue Aufträge - und gute Gehälter für die Experten.

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