Laut Angaben von Russlands Verteidigungsminister Anatoli Serdjukow wurde die 15-köpfige Besatzung bereits am Montag
befreit. Das seit Ende Juli verschollene Schiff einer finnischen Reederei war vor der Militäraktion vor der Küste der Kapverdischen Inseln im Atlantik entdeckt worden.
Hintergrund bleibt ein Rätsel
Die Männer, die den Frachter gekapert hatten, kommen aus Russland, Lettland und Estland, bestätigte Serdjukow. Was der Hintergrund des Überfalls auf den Frachter, der laut Ladepapieren Holz im Wert von über einer Million Euro an Bord hatte, war, ist allerdings vorerst unklar.
Medien hatten von Lösegeldforderungen berichtet. Auch über einen Zusammenhang mit illegalen Drogen- oder Waffengeschäften war mehrfach spekuliert worden.
Seenot vorgegeben
Klar ist laut russischem Verteidigungsministerium inzwischen, dass die Festgenommenen - zwei Russen, zwei Letten und vier Esten - die "Arctic Sea" bereits am 24. Juli in der Ostsee in ihre Gewalt gebracht hatten.
Die Männer hatten sich dem Frachter in einem Schlauchboot unter dem Vorwand genähert, in Seenot zu sein, und die "Arctic Sea"-Mannschaft um Hilfe gebeten, bestätigte Serdjukow außerdem unter Verweis auf noch andauernde Ermittlungen.
Alle Instrumente abgeschaltet
Nach dem Überfall seien alle Navigationsgeräte und die Bordtechnik abgestellt worden, so Serdjukow. Er erklärte damit den fehlenden Funkkontakt und das wochenlange Rätselraten über den Verbleib des Schiffs.
Ein Rätsel gelöst
Das Mysterium hatte aber ganz offensichtlich noch einen anderen Hintergrund: Laut Angaben des russischen NATO-Botschafters Dimitri Rogosin wurde im Fall "Arctic Sea" die Öffentlichkeit via Medien gezielt mit Falschinformationen versorgt.
Das sei geschehen, um die Ausrichtung der russischen Militäraktion nicht zu verraten, so Rogosin gegenüber der russischen Wirtschaftsnachrichtenagentur Prime-TASS.
"Lehrbuchbeispiel" für Desinformation
"Diese Operation wird ein Lehrbuchbeispiel dafür, wie man eine Operation in der Praxis umsetzt und diesbezügliche Information geheim hält", zitierte die Agentur den Spitzendiplomaten.
Mehrere Sichtungen erfunden
In den Medien waren Berichte über Sichtungen und Positionsmeldungen des mysteriösen Schiffes in der Biskayabucht, in Nordspanien, bei Gibraltar und vor den Kapverdischen Inseln aufgetaucht.
Die Aktion sei daher "ein voller Erfolg" gewesen, so Rogosin. Russland habe mit der NATO in Bezug auf den Datenaustausch eng kooperiert, NATO-Streitkräfte hätten aber nicht direkt an der Festsetzung der "Arctic Sea" teilgenommen.
"Zum Schutz der Besatzung"
Vertreter der finnischen Polizei räumten ebenfalls ein, die Medien bezüglich der Position des Schiffs und dessen Verfolgung zumindest in falschem Glauben gelassen zu haben.
Informationen seien "zum Schutz der Besatzung" geheim gehalten worden, sagte Ermittlungsleiter Markku Ranta-aho gegenüber der finnischen Tageszeitung "Helsingin Sanomat". Er betonte jedoch, die finnischen Behörden hätten keine gezielten Falschinformationen in Umlauf gesetzt.
Ein weiterer Sprecher der finnischen Polizei, Jan-Olof Nyström, sagte der schwedischen Nachrichtenagentur TT, die Behörden hätten Informationen "aus taktischen Gründen" zurückgehalten. "Das Schiff war nicht so schrecklich verschwunden, wie viele geglaubt haben", so Nyström. Es seien "viele fantasievolle" Angaben über die "Arctic Sea" gemacht worden.
Links:
- Russisches Verteidigungsministerium
- Arctic Sea (Wikipedia)
- Helsingin Sanomat (engl.)
- TT (engl.)