Eher am unteren Ende der Statistik befinden sich Japan und Deutschland. Auch österreichische Frauen müssen sich der Studie zufolge mit faulen Gefährten im Haushalt herumschlagen. Die heimischen Ehemänner werden aber noch von den Australiern in ihrer Unlust, zu helfen oder gar regelmäßig mitzuarbeiten, getoppt.
Männer "weniger stigmatisiert"
Die für die Studie verantwortliche Ökonomin Almudena Sevilla-Sanz fand heraus, dass Frauen, die in einem Land mit einem hohen Maß an Gleichberechtigung leben, eher heiraten oder mit einem Mann zusammenziehen.
Das liege daran, dass Männer in diesen Ländern glücklich damit seien, sich an der Hausarbeit und Kindererziehung zu beteiligen.
Ein Mann, der traditionelle Frauenarbeit leiste, werde in diesen Staaten weniger stigmatisiert, so Sevilla-Sanz. Die Wahrscheinlichkeit, einen harmonischen Haushalt aufbauen zu können, werde damit für beide Partner größer.
Umfangreiche Studie
Sevilla-Sanz befragte für die Studie 13.500 Männer und Frauen aus zwölf Industriestaaten im Alter von 20 bis 45 Jahren. Bei den Interviews ging es um Hausarbeit, Kindererziehung und Geschlechterfragen.
Die Studie konstruierte einen "Gleichberechtigungsindex" der zwölf Länder. Die Zahl der in Partnerschaft lebenden Frauen wurde dann mit diesem Index verglichen. Frauen eines Landes mit ähnlichem Bildungshintergrund in der gleichen Altersgruppe wurden anschließend mit den Daten aus den anderen teilnehmenden Ländern verglichen.
Wahrscheinlichkeit des Zusammenlebens sinkt
So fand die Studie heraus, dass bei Frauen, die in einem gesellschaftlich weniger gleichbereichtigten Land leben, die Wahrscheinlichkeit eines Zusammenlebens oder der Ehe um 20 bis 50 Prozent geringer ist als in einem Land, das einen hohen Wert auf der Gleichbereichtigungsskala erreicht.
So ist es für eine britische Frau um 8,5 Prozentpunkte wahrscheinlicher, in einer Partnerschaft zu leben, als für eine gleichaltrige, gleich gebildete Australierin.
Männer für traditionelle Rollen
Die Studie kommt auch zu dem Schluss, dass es für Frauen, die gleichberechtigt sind oder als gleichberechtigt gelten, in jedem Land schwieriger ist, einen gemeinsamen Haushalt bzw. eine Familie zu gründen.
Auch wenn Männer bei Gleichbereichtigung die Fahnen hochhalten, würden doch die meisten lieber eine Frau wählen, die den Haushalt macht und sich um die Kinder kümmert.
Immer noch Skepsis gegenüber selbstbewussten Frauen
Egalitär ausgerichtete Männer scheinen zwar von weiblicher Seite her besser für Partnerschaft, Ehe und Familie gerüstet zu sein, Männer sind selbstbewussten Frauen gegenüber allerdings in diesen Bereichen weitaus skeptischer eingestellt, so die Ökonomin.
In Ländern mit hoher Gleichberechtigung erwarte man von Frauen eher, dass sie Single bleiben, als dass sie mehr Zeit mit der Hausarbeit verbringen, so Sevilla-Sanz. Die Studie zeige jedoch auch, dass für Männer die soziale Abstempelung in Sachen Hausarbeit dort weitaus geringer sei.
Soziale Normen ausschlaggebend
"Wenn beispielsweise Vaterschaftsurlaub die soziale Norm ist, nehmen ihn mehr Männer in Anspruch. Das führt dazu, dass Männer in gleichberechtigten Gesellschaften die Haushaltsrolle mehr annehmen und so die Wahrscheinlichkeit eines harmonischen Haushaltes steigt", sagte Sevilla-Sanz.
Das Resultat sei, dass ein höherer Anteil an Paaren zusammenzieht und einen Haushalt gründet.
"Wie geht es mir am besten?"
"Wenn sich Länder fragen, warum die Geburtenrate rückgängig ist, sollte man sich die Motivationen ansehen, warum Paare zusammenziehen und Kinder bekommen", so die Ökonomin. Die gründsätzliche Frage scheine zu sein: "Wie geht es mir bzw. uns am besten?" Frauen in Ländern, wo weniger Gleichberechtigung herrsche, sagten daher oft Nein zu einer weitergehenden Partnerschaft.
Ländern mit einer niedrigen Geburtenrate stelle sich daher nicht nur das Problem der dadurch permanent kleiner werdenden Gruppe der Erwerbstätigen, sondern in den kommenden Jahrzehnten durch die geringer werdenden Steuereinnahmen auch die Frage, wer noch für öffentliche und soziale Einrichtungen wie etwa Pensionen aufkommen soll, so Sevilla-Sanz.
Links:
- Oxford-Studie (Kurzversion)
- Almueda Sevilla-Sanz