Ruf nach weiteren Studien

"Die Studie bedeutet nicht, dass die Leute keine Bioprodukte essen sollen."
Biolebensmittel haben keinen gesundheitlichen oder ernährungstechnischen Mehrwert gegenüber gewöhnlichen Nahrungsmitteln. Davon sind britische Forscher aufgrund einer neuen Metastudie überzeugt, in der 162 Einzelstudien aus den letzten 50 Jahren ausgewertet wurden.

Die Studie wurde von der britischen Nahrungsmittelbehörde (FSA) in Auftrag gegeben. Eigentlich sollte eine Orientierungshilfe für den täglichen Einkauf dabei herauskommen. FSA-Konsumentenbeauftragte Gill Fine räumte ein, dass nun das Gegenteil davon der Fall ist.

"Keinen Beleg für Nutzen"
Fine meinte gegenüber dem Sender BBC, es gebe, "wenn überhaupt, nur einen kleinen Unterschied" zwischen Bioprodukten und anderen. Damit gebe es auch "keinen Beleg für einen zusätzlich gesundheitlichen Nutzen, wenn man Biolebensmittel isst".

"Die Studie bedeutet nicht, dass die Leute keine Bioprodukte essen sollen", betonte Fine. Die FSA sei weder für noch gegen Bioprodukte, die einzigen Argumente für deren Kauf seien aus wissenschaftlicher Sicht jedoch persönliche Anliegen wie Tier- und Umweltschutz.

Unterschiede ohne "Relevanz"
Studienleiter Alan Dangour vom Londoner Institut für Hygiene und Tropenmedizin meinte, es gebe zwar kleine Unterschiede im Nährwert beider Produktgruppen, es sei jedoch "unwahrscheinlich, dass diese irgendeine Relevanz für die öffentliche Gesundheit haben".

Es gebe "derzeit keinen Anhaltspunkt dafür, organische Lebensmittel gegenüber konventionell produzierten aufgrund einer nährwerttechnischen Höherwertigkeit zu empfehlen", sagte Dangour. Er selbst forderte jedoch noch tiefer gehende Studien zu dem Thema.

Gleiche Vitaminwerte
Laut der Untersuchung, die im "American Journal of Clinical Nutrition" ("AJCN") publiziert wurde, gibt es etwa keine Unterschiede bei Getreide im Hinblick auf den Gehalt von Vitamin C, Kalzium und Eisen. Verglichen wurden außerdem Fleisch, Milchprodukte und Eier, mit demselben Resultat.

Laut der Studie wurden zwar Abweichungen bei Stickstoff- und Phosphorwerten festgestellt. Das könnte auf Düngemittel zurückzuführen sein, aber auch auf den richtig gewählten Zeitpunkt der Ernte. Jedoch seien auch diese Schwankungen gesundheitlich irrelevant.

Empörter Konter
Der Bioaktivist Peter Melchett von der Soil Association weist die Schlussfolgerungen aus der Studie empört zurück. Er wirft den Studienautoren vor, jene Studien ignoriert zu haben, die sehr wohl gravierende Unterschiede zwischen den Lebensmittelgruppen feststellen.

Zudem weist Melchett daraufhin, dass auch in der nunmehrigen Untersuchung Unterschiede festgestellt worden seien. Ob diese nun "wichtig" seien oder nicht, sei Ansichtssache. Dass die Abweichungen bei Nährwerten nur gering sind, bestreitet Melchett aber nicht.

Riesiger Markt
Die Aussage, dass Bioprodukte nicht gesünder als andere seien, könne man sich nur nach großangelegten langjährigen Untersuchungen trauen, meint Melchett mit Verweis auf mangelnde Studien etwa über mögliche Langzeitfolgen für den Menschen durch den Einsatz von Pestiziden.

Laut Zahlen aus dem Jahr 2007 ist der weltweite Markt für Biolebensmittel geschätzte 34 Milliarden Euro schwer. Seit der Wirtschaftskrise ist das Wirtschaftssegment, das sonst jährlich zweistellige Zuwachsraten aufwies, erstmals leicht geschrumpft.

Links: