Kühle Reaktionen

Offen bleibt, ob auch die Öffentlichkeit den erzwungenen Schlussstrich unter die Debatte akzeptiert.
Gemeinsames Biertrinken im Weißen Haus soll die plötzlich aufgebrochene Rassismusdebatte in den USA wieder einschlafen lassen. Das ist der Wunsch von US-Präsident Barack Obama, der das Thema erst durch eigene ungeschickte Aussagen aufs nationale Tapet gebracht hatte.

Obama hatte dem weißen Polizisten James Crowley "dummes Verhalten" vorgeworfen, weil er den schwarzen Uniprofessor Henry Louis Gates in dessen Haus verhaftet hatte. Gates hatte die klemmende Haustür aufgebrochen, eine Passantin rief wegen des vermeintlichen Einbruchs die Polizei.

Obamas Kommentar machte Eklat perfekt
Was genau bei der Verhaftung passierte, ist unklar. Offenbar empörte sich Gates lautstark über den Polizeieinsatz; Crowley dürfte das zu viel gewesen sein, und er ließ den mit Obama befreundeten Literaturwissenschaftler in Handschellen abführen.

Als Obama auf einer Pressekonferenz in einem Nebensatz auf Gates' Seite Stellung bezog, war der Eklat perfekt. Die Polizeigewerkschaft forderte eine Entschuldigung ein, wechselseitige Vorwürfe des Rassismus wurden auf beiden Seiten laut.

Zu Friedensbier vergattert
Nach ungewohnt unbeholfenen Versuchen, der Debatte zu entkommen, lud Obama nun Crowley und Gates in separaten Telefonaten zu einem gemeinsamen Versöhnungsbier im Weißen Haus ein. Beide stimmten laut Obama zu, doch die Sache ist damit nicht aus der Welt geschafft.

Crowley will in der Öffentlichkeit nicht mehr zu der Causa Stellung nehmen; Gates machte wiederum klar, dass er die Versöhnungsgeste ohne besondere Lust absolvieren wird, wie er auf seiner Blogsite The Root deutlich durchklingen ließ.

"Komme diesem Wunsch nach"
Gates ist laut eigener Aussage erfreut, dass Obama "aus meiner Erfahrung eine Lehre ziehen will, und wenn es dabei hilft, Sergeant Crowley auf ein Bier beim Präsidenten zu treffen, dann komme ich diesem Wunsch gerne nach". Es gehe dabei ja nicht um seine Person, so Gates.

Zugleich kündigte Gates an, sein nächstes Projekt werde ein Analyse von Rassismus innerhalb der Polizei sein - Crowleys Spezialgebiet bei der Polizei von Cambridge ist "Racial Profiling", die Analyse von Ermittlungsergebnissen im Hinblick auf ethnische Gemeinsamkeiten.

Niemand will sich entschuldigen
"Das könnte und sollte eine grundlegende Lehre in der Geschichte der Beziehungen zwischen den Bevölkerungsgruppen in den USA sein. Ich hoffe sehr, dass die Polizei von Cambridge sich dazu entscheiden wird, dieses Ziel mit mir zu verfolgen", so Gates weiter.

Außerdem ließ Gates offen, ob er die angekündigten Klagen gegen Crowley noch weiterverfolgen will. Die Polizei ließ zwar inzwischen die Anklage wegen ungebührlichen Verhaltens fallen, weist jedoch Forderungen nach einer Entschuldigung strikt zurück.

Kühle Reaktion der Polizei
Die Reaktion der Polizeigewerkschafter auf Obamas "Beinahe-Entschuldigung" fiel ebenso kühl aus: Man achte Obamas "Interesse und Bestreben, seine Bemerkungen über die Polizei zu überdenken". Er habe klären können, dass er Polizisten und deren Arbeit respektiert.

Zähneknirschendes Einlenken
Während die Beteiligten zähneknirschend einlenken, ist offen, ob auch die Öffentlichkeit den erzwungenen Schlussstrich unter die Debatte akzeptiert. Gerade die Kommentare von Internet-Usern unter Gates' eigenem Blog-Eintrag sprachen dagegen.

Die Bemerkungen, voll von rassistischen Ressentiments gegen Schwarze und Weiße, kamen allerdings meist zum selben Schluss wie die meisten Zeitungskommentatoren: Gemeinsames Biertrinken sei bestenfalls eine scheinbare Befriedung des aufgebrochenen Konflikts.

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