Protest gegen Übernahmepläne

Aus Wut über die geplante Übernahme prügelten Arbeiter ihren Geschäftsführer zu Tode.
30.000 Stahlarbeiter haben am Freitag in der chinesischen Stadt Tonghua gegen die Übernahmepläne eines Konkurrenzunternehmens protestiert. Dabei kam es zu schweren Zusammenstößen mit der Polizei, Hunderte Menschen wurden verletzt.

Aus Wut über die geplante Übernahme prügelten die Arbeiter bei der Protestaktion ihren Geschäftsführer zu Tode, wie das Hongkonger Informationszentrum für Menschenrechte und Demokratie am Samstag mitteilte.

Empörung über Managergehalt
Die Angestellten der Tonghua Iron and Steel Group machten das Konkurrenzunternehmen Jianlong demnach für finanzielle Probleme ihrer Firma im vergangenen Jahr verantwortlich.

Ihrem Geschäftsführer Chen Guojun war damals ein Gehalt von drei Millionen Yuan Renminbi (300.000 Euro) ausgezahlt worden, während ehemalige Mitarbeiter im Ruhestand monatlich nur 200 Yuan (20 Euro) erhielten, so die Menschenrechtsgruppe. Das habe das Fass zum Überlaufen gebracht.

Jianlong hatte im vergangenen Jahr vorübergehend die Kontrolle über Tonghua inne und hat seine Übernahmepläne in diesem Jahr erneuert.

Chinas neue Stahlpolitik
China will durch eine weitreichende Neuausrichtung seine Stahlindustrie konsolidieren. Bisher ist die chinesische Stahlbranche von vielen kleinen Produzenten geprägt, die zum Teil ineffektiv arbeiten.

Die Fusion der zersplitterten Stahlproduzenten soll forciert werden, um Rohstoffressourcen besser nutzen zu können. Bis zum Jahr 2010 sollen fünf Hersteller eine führende Rolle übernehmen, die dann mehr als 45 Prozent des Stahls produzieren sollen.

Entlassungen und geringe Pensionen
Das Programm ist Teil von unterstützenden Maßnahmen für Industrien, die die chinesische Regierung als besonders wichtig für das Wirtschaftswachstum ansieht. Die Fusionen werden oft begleitet von Entlassungen mit zu geringen Abfertigungen und Pensionen für die Stahlarbeiter.

Eine Vertreterin der Lokalregierung von Tonghua, die namentlich nicht genannt werden wollte, bestätigte am Samstag die Freitag-Proteste. Angaben über Todesopfer und Festnahmen machte sie nicht. Ein Rathaussprecher sagte, Führer der Provinzregierung und der Kommunistischen Partei würden die Vorwürfe der Stahlangestellten prüfen.

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