Barrikaden vor Verwaltungsgebäude

Französische Manager immer wieder Geiseln der eigenen Angestellten.
Aus Protest gegen die Schließung einer der ältesten Papiermühlen in Europa haben französische Arbeiter erst im Juni mehrere Manager gefangen genommen.

Die zum US-Konzern Schweitzer-Mauduit gehörende Fabrik in Malaucene in der Provence wurde laut Angaben von Betriebsratschef George Poully "blockiert". Die Mitarbeiter hätten vor dem Verwaltungsgebäude auch eine Barrikade aus Paletten errichtet.

Nach mehr als 24 Stunden wurden die eingesperrten Manager schließlich freigelassen. Laut AFP verließen sie unter Buhrufen der Belegschaft das Betriebsgelände. Schweitzer-Mauduit hatte im April mitgeteilt, dass die seit 1545 bestehende Papiermühle geschlossen wird.

Prominentes Opfer
Der Vorfall in Malaucene ist allerdings nur ein Beispiel in einer Reihe aufsehenerregender Maßnahmen, mit denen französische Arbeiter gegen die für sie schmerzhaften Reaktionen der Großkonzerne auf die Wirtschaftskrise protestieren.

Gegen den geplanten Abbau von 73 der 187 Stellen des Autozulieferers Raguet in Montherme in den Ardennen wurden Ende letzten Monates drei weitere Manager als Geiseln genommen.

Mit Francois-Henri Pinault bekam im April auch einer der prominentesten Unternehmer des Landes die Wut seiner Angestellten zu spüren, nachdem mehrere Dutzend Mitarbeiter aus Firmen seines Luxusgüter- und Handelskonzerns PPR (Pinault Printemps Redoute) den Firmenchef einkesselten, als er nach einer Veranstaltung in ein Taxi stieg.

Büros in Marseille verwüstet
Für Schlagzeilen sorgten Ende Juni zudem Hafenarbeiter in Marseille, die aus Protest gegen die geplante Übertragung von Arbeiten an private Unternehmen nicht nur den Chef der Hafengesellschaft von Marseille, GPMM, bedrohten, sondern mit Äxten und Eisenstangen auch dessen Büro verwüsteten.