Jetzt will Schröder radikal vorgehen: "Wir werden die komplette Sammlung auslagern. Ich werde diese Entscheidung allerdings nicht alleine treffen."
"Wasser am Dach"
Vor einer Woche sprach Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder noch von einem "modernen Gottesbeweis", weil durch den Vorfall keine Kunstwerke direkt beschädigt worden waren. Nun sei "wirklich Feuer bzw. Wasser am Dach", wie Schröder am Donnerstag der APA sagte.
Der neuerliche Wassereinbruch fand in einem Raum statt, in dem die für die Liegenschaft zuständige Burghauptmannschaft u. a. die Brandschutzzentrale untergebracht hat.
"Kuratoren extrem beunruhigt"
Die Eintrittsstelle ist zwar rund 70 Meter von jenen drei Stellen entfernt, die den Wasserschaden im Zentraldepot der Albertina verursacht hatten, jedoch nur 35 Zentimeter vom Ersatzdepot. "Diese Werke waren vom neuerlichen Wassereintritt durch eine einzige Mauer getrennt. Das hat unsere Kuratoren extrem beunruhigt", so Schröder.
Laut einer Aussendung des Wirtschaftsministeriums wurde der erneute Wassereinbruch "durch die Verlegung eines Stromkabels durch die Wiener Stadtwerke in die Straße vor dem Haus" verursacht. "Die Lage dort ist unter Kontrolle. Für Kunstwerke der Albertina hat zu keiner Zeit Gefahr bestanden", hieß es.
Gipfeltreffen mit Fachleuten geplant
Aufgrund dieser Entwicklungen möchte Schröder einerseits die weiteren Maßnahmen mit erhöhtem Tempo vorantreiben. Kommenden Dienstag wollen er und Burghauptmann Wolfgang Beer bei einem Gipfeltreffen von Fachleuten die weitere Vorgangsweise beraten.
Kein Alleingang
Andererseits hat Schröder das Kulturministerium um die Einrichtung eines geeigneten Gremiums ersucht, das die nötigen weitreichenden Entscheidungen gemeinsam mit ihm treffen soll.
Nachdem er als Museumsdirektor nicht einmal den Verleih einzelner wertvoller Kunstwerke außer Landes alleine entscheiden dürfe - er benötigt dazu einen Ausfuhrbescheid des Bundesdenkmalamts -, werde er einen derart weitreichenden Beschluss wie die Auslagerung der kompletten Bestände sicher nicht im Alleingang treffen, so Schröder, "auch wenn das vielleicht manche lieber sehen würden".
Ein geeignetes Depot, in dem der komplette Bestand untergebracht werden kann, sei bereits gefunden und begutachtet worden. Bis Ende Juli sollen dort jedoch noch verschiedene sicherheits- und klimatechnische Nachrüstungen vorgenommen werden, ehe "übersiedelt" werden kann, so Schröder.
"Kein Zeitverlust mehr"
Bei der Suche nach der besten Lösung sei auch die rasche Errichtung eines von innen neu aufgebauten, wasserdichten zusätzlichen Schutzes im Depot eine Möglichkeit.
Dabei stünden möglicherweise die Interessen der Albertina nach einer möglichst raschen Wiederinbetriebnahme des Depots gegen die berechtigten, auch versicherungstechnischen Interessen, eine genaue Schadensursache festzustellen. Es gehe darum, die beste Lösung zu finden, doch "jetzt darf kein Zeitverlust mehr in Kauf genommen werden".
Niemand will verantwortlich sein
Nachdem sein Haus in dem Fall bisher mit einem blauen Auge davongekommen zu sein scheint, will sich Schröder mit diesem Schritt wohl gegen zukünftige Ausrutscher absichern.
Für den ursprünglichen Wassereintritt am 23. Juni wollten bisher weder das Museum noch der Bauherr, also die Burghauptmannschaft, noch die Baufirmen die Verantwortung übernehmen.
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