Modernstes Depot als Sanierungsfall

Schröder: "Naturgemäß kann ich nur Verantwortung übernehmen für Bereiche, die in meiner Verantwortung liegen."
Die Frage nach den Verantwortlichkeiten im Fall Albertina ist weiter offen. Bei einer Pressekonferenz vergangenen Mittwoch in Wien
antwortete Albertina-Direktor Klaus Albrecht Schröder auf die Frage, ob er in den letzten Tagen jemals an Rücktritt gedacht habe: "Ganz offen gesagt: nein."

Am 23. Juni waren 2.100 Liter Wasser in den Tiefspeicher des Wiener Museums eingedrungen, der nun komplett evakuiert werden muss. Die Albertina ist dabei nur knapp einer Katastrophe und Totalschäden an den unschätzbar wertvollen Kunstwerken der Sammlung entgangen.

Schröder: Nicht für Bau verantwortlich
Solange die Ursache dafür nicht geklärt sei, könne man nicht über Verantwortung reden, lautete der Tenor bei der Pressekonferenz, bei der starkes Medieninteresse herrschte. Klar dürfte zumindest sein, dass das Wasser durch das Dach des 2006 in Betrieb genommenen Tiefspeichers eingedrungen war.

Es gebe sehr viele Bereiche in der Albertina, für die er verantwortlich sei, sagte Schröder, aber Planen und Bauen gehöre nicht dazu. Er sei nur der Nutzer des Gebäudes. "Naturgemäß kann ich nur Verantwortung übernehmen für Bereiche, die in meiner Verantwortung liegen."

Beer: Kein Kommentar
Es sei auch möglich, dass man gar keinen Verantwortlichen für die Beinahe-Katastrophe finden werde, das komme bei Bauschäden öfter vor.

Wolfgang Beer, der Leiter der für die Liegenschaft zuständigen Burghauptmannschaft und damit Bauherr, wollte in diesem Zusammenhang keinen Kommentar abgeben.

Schröder weilte in England
"Wenn es so etwas wie einen modernen Gottesbeweis gibt, dann ist er am letzten Dienstag erbracht worden", sagte der Direktor über den gerade noch glimpflich ausgegangenen Wassereinbruch.

Er sei sofort von seinen Mitarbeitern informiert worden. "Ich war gerade bei Damien Hirst in Gloucestershire, als mich der Anruf erreichte." Daraufhin sei er sofort nach Wien geflogen.

Unmögliches Szenario
Man sei immer davon ausgegangen, dass der Fall eines Wassereinbruchs völlig unmöglich sei. "Notfallmaßnahmen sind bei einem Bauwerk, das systematisch nicht fehleranfällig ist, nicht vorgesehen", so der Albertina-Chef.

Auf die Frage eines Journalisten, warum es in dem Depot überhaupt Wassermelder gibt, wo doch die Frage eines Wasserschadens angeblich überhaupt nicht im Raum stand, sagte Schröder: "Das habe ich mich als Laie auch gefragt." Er wisse es nicht.

Hundertprozentige Sicherheit?
Sicherheitsbeauftragte seien in den Jahren 1999 und 2000 mit vielen Fragen etwa zu Brand und Diebstahl beschäftigt gewesen, nur nicht mit dem Regenschutz. Der Tiefspeicher habe als "zu hundert Prozent sicher" gegolten.

Nicht restlos geklärt wurde die Frage, wer das garantiert hat. "Es gibt keine schriftliche Garantie", so Beer dazu. Schröder wurde gefragt, ob er gutgläubig gewesen sei: "Was das betrifft, war ich wahrscheinlich gutgläubig, aber nennen Sie mir einen, der das nicht war."

Blechdächer als Rettung
Der Hauptgrund dafür, dass nicht mehr passiert ist, sind Blechdächer, die 25 Zentimeter über den Regalen montiert wurden und in den ursprünglichen Plänen nicht vorgesehen waren. Ohne diese Dächer wäre das Wasser womöglich direkt durch 83 Tablare geflossen.

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