Der pure Wahnsinn

Die Fans werden bald mit Jackson-Material überschwemmt, das der Popstar selbst nicht veröffentlichen wollte.
Als der Chef der Plattenfirma RCA 1977 vom Tod Elvis Presleys erfahren hat, soll er nur gesagt haben: "Geschickter Karriereschachzug". Was für den "King of Rock 'n' Roll" galt, gilt für den "King of Pop" schon lange: Das Michael-Jackson-Business läuft auf vollen Touren.

Im Zentrum steht dabei der Konzertveranstalter Randy Phillips (AEG Live), für den Jackson 50 Comeback-Konzerte absolvieren hätte sollen. "Er war zu Lebzeiten unser Geschäftspartner und ist jetzt unser Geschäftspartner im Tod", sagte Phillips ungerührt.

Gebrochene Herzen und gute Geschäfte
Phillips will zu Geld machen, was er nur kann. Mitschnitte der Tourproben sollen als Film ins Kino und als Pay-per-View ins TV kommen. Dasselbe soll auch auf zwei CDs verkauft werden, "noch dazu, wo er nie ein Livealbum gemacht hat", so Phillips schwärmerisch.

Dass AEG Live am Donnerstag Ausschnitte aus dem Material veröffentlichte, hat laut Phillips überhaupt nichts mit PR zu tun. Vielmehr habe ihm "das Herz gebrochen", dass Jackson in den Medien nun so negativ dargestellt werde. Dem habe er etwas entgegensetzen wollen.

Recycelter Wahnsinn
Auch Videomaterial, das nur zur Untermalung für Jacksons Liveauftritt gedacht war, soll jetzt auf einmal gut genug für eine eigene Tribute-Show in der Londoner O2-Arena sein; seien doch die Visuals zum Song "Thriller" allein "neun Minuten der pure 3-D-Wahnsinn".

Dass die Trauerfeier für Jackson im Staples Center in Los Angeles stattfinden soll, überrascht ebenso wenig. Es gehört AEG. Dass der Eintritt bei der Veranstaltung gratis sein soll, kann AEG angesichts erwarteter Zweitvermarktungsprofite locker wegstecken.

Der Trauerzirkus ist in der Stadt
Phillips überlegt sogar, die Trauerfeier danach in mehreren anderen Städten noch einmal abhalten zu lassen. Der Jackson-Clan spielt mit. Der Grund dafür ist schnell erklärt - kolportierte 400 Millionen Dollar (284 Mio. Euro) Schulden, die Jacksons Erben übernehmen.

Nach dem Tod des Sängers hatten die Jacksons dem Konzertpromoter noch unterstellt, er habe den Popstar durch das Tourprojekt quasi in den Tod getrieben und verschleiere zudem die Umstände seines Todes. Nun ist man laut Phillips "sehr auf einer Linie".

Den "Job gut machen"
Damit niemand auf dumme Ideen kommt, fügt Phillips hinzu: "Wenn wir jetzt alle unseren Job gut machen, könnten wir mit dem Zeug, das wir haben, rund um die Welt Hunderte Millionen Dollar aufstellen, und dann könnten die Erben die Schulden ausradieren."

Phillips ist freilich nicht der Einzige, der nun aus Jacksons Tod Profit schlagen will. Jacksons früherer Plattenfirmenchef Tommy Mottola inthronisierte sich selbst bereits ungefragt zum "Hüter und Wächter" von Jacksons künstlerischem Nachlass.

Genug Ausschussware für viele Jahre
Mottola macht gar kein Hehl daraus, alles veröffentlichen zu wollen, was der Perfektionist Jackson zu Lebzeiten gerade nicht veröffentlichen wollte. Material gebe es genug: "Das könnte jahrelang so gehen - sogar mehr als bei Elvis."

Jacksons letzte Bleibe - ein erst vor kurzem angemietetes Haus, aus dem die Familie bereits alle persönlichen Gegenstände entfernt haben dürfte - fand ebenfalls bereits einen Käufer, der es gegen Eintritt für Fans zugänglich machen will.

Allen geht es nur um die Fans
Allen geht es nach eigenen Aussagen natürlich nur um die Fans, auch Phillips. Aus diesem Grund schlägt er ihnen auch vor, die wertlosen Eintrittskarten für die Jackson-Shows als "unersetzliches Souvenir" zu behalten, statt das Geld dafür zurückzuverlangen.

Um Geld gehe es ihm dabei überhaupt nicht, betont Phillips mit Verweis darauf, dass die Jackson-Tournee mit 17,5 Mio. Dollar gegen Ausfall versichert gewesen sei. Dass er weit mehr in das Projekt investiert habe, könne er locker verkraften, meint Phillips.

Totalausfall bei Versicherung?
Vielleicht muss der Veranstalter tatsächlich noch unter Beweis stellen, dass er die Millionenausfälle locker verkraften kann: Die Versicherung zahlt nur, wenn Jackson nicht eines natürlichen Todes gestorben sein sollte, sondern etwa an Medikamentenmissbrauch.

Medien bekommen dieser Tage jedenfalls reichlich Insiderinformationen über eine mögliche Überdosis Schmerzmittel als Jacksons Todesursache zugespielt. Jacksons letzte Bleibe wurde von AEG Live angemietet, sein Personal stand ebenfalls auf der Gehaltsliste der Firma.

Lukas Zimmer, ORF.at

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