Die hübsch verpackten Kredite, deren Einbringlichkeit mehr als fraglich war, wurden weiterverkauft und ließen als "toxische" Hypothekenpapiere das globale Finanzsystem beinahe kollabieren. Die Verbriefung - der Prozess, mit dem Kreditinstitute die Kredite handelbar machen und an Investoren verkaufen - ist seitdem in Verruf.
Doch gerade jetzt, wo Regierungen in aller Welt fieberhaft überlegen, wie die Krise in den Griff zu bekommen ist, und US-Präsident Barack Obama angekündigt hat, die Finanzmarktaufsicht grundlegend umzugestalten, wird ausgerechnet das Geschäft mit den verbrieften Krediten wiederbelebt, wie die deutsche Wochenzeitung "Die Zeit" berichtete.
Zentralbanken auf den Plan gerufen
Im Spitzenjahr 2006 wurden über 900 Milliarden Dollar an Forderungen verbrieft, danach folgte der Absturz: Im Krisenjahr 2008 brach das Ausgabevolumen auf ein Niveau von 150 Milliarden Dollar ein. Im Bereich der US-Hypotheken kam die Verbriefung so gut wie zum Stillstand.
Weil den faulen Krediten niemand mehr traute, gab es bald schon keine Käufer mehr. Die Kreditinstitute hatten die toxisch gewordenen Wertpapiere in ihren Bilanzen, wo sie sich negativ auf deren Eigenkapital auswirkten. Da aber jeder neu vergebene Kredit mit einem bestimmten Anteil an Eigenkapital gedeckt sein muss, begannen die Banken, nur noch eingeschränkt Kredite zu vergeben, wodurch sich die Finanzkrise zusätzlich zuspitzte.
Ein Umstand, der die Zentralbanker auf den Plan rief. Um der Kreditklemme zu begegnen und das Risiko für die Geldhäuser zu minimieren, bieten jetzt etliche Zentralbanken - vorläufig befristet - Ausfallsgarantien für verbriefte Kredite an. Mit dieser Sicherheit sollen die misstrauischen Investoren wieder begeistert werden, diese zu kaufen.
Europa und USA gewähren Ausfallsgarantie
Sowohl die Bank of England als auch die Europäische Zentralbank (EZB) legten milliardenschwere Programme auf. Bisher machen vor allem Banken im krisengeschüttelten Spanien davon Gebrauch, um so Immobilienkredite aus ihrem Portfolio zu schaffen.
Auch die US-Notenbank Fed legte im Dezember das Rettungsprogramm Term Asset-Backed Loan Facility (TALF) auf, das Kredite bis zu einer Billion Dollar sichern soll.
Wieder "Gefühl für den Markt" bekommen
Der Branchendienst Asset Backed Alert berichtete, dass etliche amerikanische Großbanken bereits Pools mit US-Hypothekenkrediten - deren Rückzahlung mehr als ungewiss ist - zusammengestellt hätten, um wieder "ein Gefühl für den Markt zu bekommen".
Ein US-Finanzinstitut bewirbt etwa die Möglichkeit, "in an das TALF-Programm angegliederte Wertpapiere zu investieren". Ab Anfang Juli sollen Kundengelder in dieser Weise angelegt werden, hieß es in einer Aussendung.
Der propagierte Wortlaut des Vorstandsvorsitzenden nimmt sich dabei nicht neu aus - wie schon vor der Krise gilt: "Wir sind der Ansicht, dass schnell entschlossene Investoren die größten Gewinnchancen haben."
Kritiker fordern Reform
In der EU legt die Banken- und Kapitaladäquanzrichtlinie fest, dass die an der Verbriefung beteiligten Institute fünf Prozent des Ausfallsrisikos behalten müssen. Und auch Obamas Finanzmarktreform sieht das vor. Doch Kritiker stufen diesen Anteil als "weit zu gering ein".
Vielmehr seien die Marktteilnehmer dank der Zentralbanken gar nicht zu einem Umdenken gezwungen, kritisierte die Finanzmarktexpertin Nicole Gelinas vom Wirtschaftsforschungsinstitut Manhattan Institute. Als eine "Krücke, um den bisherigen Stand der Dinge zu erhalten", bezeichnet sie die Garantien.
Man sei zwar in einer "blöden Situation", weil die Institute die Papiere in ihren Bilanzen haben und damit ihre Abschreibungen steigen, aber ohne Reform drohe eine Wiederholung des Jahrhundertdebakels auf den Finanzmärkten, warnen die Kritiker.
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