Doch es gibt sie nach wie vor, jene vergleichsweise kleine Gruppe von privaten Investoren, die an ihrem eigenen "Hedgefonds" basteln - Nervenkitzel inklusive.
Fast alles ist möglich
Das Angebot aus dieser Abteilung ist deshalb in der Krise nicht kleiner geworden. Banken und Online-Broker setzen weiter auf (fast) "anything goes" auch für den Kleininvestor.
Der kann längst - einen Broker zwischengeschaltet - mit Produkten jonglieren, die vor wenigen Jahren noch das Metier von Profitradern waren: Aktienindizes, Zinsen, Rohstoffe etc. Das Angebot an entsprechenden Zertifikaten, Optionsscheinen und Co. ist besonders vor dem großen Crash im Frühsommer 2007 kräftig gewachsen. Dann kam der Dämpfer.
CFDs drängen auf den Markt
Ein Produkt, das in diesem Geschäft derzeit, wo sich die Krisenwolken langsam zu verziehen beginnen, stark auf den Markt drängt, sind Contracts for Difference (CFD) oder Differenzkontrakte.
CFDs geben Anlegern die Möglichkeit in die Hand, in verschiedene Richtungen des Marktes zu handeln - ganz wie die "Großen" und nach ihrer persönlichen Einschätzung der Märkte.
Einfach gestrickt - hochspekulativ
Neu ist das nicht, sondern Standard auch bei (den sehr komplexen) Optionsscheinen und "Turbos" etc. im Zertifikatebereich. Die CFD-Anbieter streichen jedoch das relativ einfache Strickmuster von CFDs im Gegensatz zu den anderen Produkten hervor.
Als Zielgruppe hat deshalb auch der Marktführer in Österreich, CMC Markets mit Hauptsitz in London, vor allem bisherige Zertifikateanleger und Optionsscheintrader im Auge.
"Die Nase voll von Vermögensberatern"
Unbedingte Voraussetzung: eine gesunde Portion Basiswissen und Interesse am Börsengeschehen. Potenzieller Kunde sei längerfristig "aber jeder, der eine Aktie oder einen Fonds hält", erklärt der Niederlassungsleiter von CMC Markets für Österreich, Robert Ulm, im Gespräch mit ORF.at.
An konkreten Zahlen sei der Interessentenkreis schwer festzumachen. Persönlich schätzt Ulm den Markt auf 30.000 bis 40.000 mögliche Kunden.
Eine zu optimistische Einschätzung in Zeiten, wo der Mut zum Risiko nicht allzu zu groß ist? Nein, meint Ulm und stellt fest, dass Anleger derzeit eher "die Nase voll haben von Vermögensberatern".
Der eigene Fondsmanager
Dazu, das Heft ohne Fondsmanager und Berater in die Hand zu nehmen, sind CFDs - egal was man von ihnen hält - durchwegs geeignet. Erstens geben sie dem Anleger die Möglichkeit, auf steigende wie auf fallende Kurse zu setzen, ohne Aktien etc. wirklich zu kaufen.
Außerdem ist es möglich, per CFD Aktienpositionen, die man "wirklich" hält, abzusichern: Ist man optimistisch für seine Aktien, aber doch nicht ganz sicher, ergibt eine zusätzliche CFD-Position in die Gegenrichtung ("Hedging") im "Idealfall" ein Nullsummenspiel, aber immerhin keine Verluste.
Nichts für Laien
Dieser Chance und jener auf rasche und sehr hohe Spekulationsgewinne steht im CFD-Handel ein beträchtliches Risiko gegenüber. Darauf weisen auch die Anbieter explizit hin: Der Anleger kann, schätzt er den Markt falsch ein, nicht nur sein gesamtes eingesetztes Kapital verlieren, sondern muss im äußersten Fall noch Geld nachschießen. Derartige Fälle kämen vor, betont Ulm, allerdings "Gott sei Dank sehr selten".
CMC Markets lehne jedenfalls Kontenanträge ab, aus denen hervorgeht, dass die Interessenten nicht über die notwendige Handelserfahrung verfügen. Ohne Basiswissen und Handelspraxis seien CFDs nicht das richtige Instrument für Privatanleger. Außerdem gefragt: gute Nerven.
Konkurrenz für Zertifikate?
Ob die CFD-Anbieter längerfristig tatsächlich erfolgreich im bisherigen Teich der Zertifikateemittenten (Banken) fischen können, wird sich weisen. Mittlerweile bieten etwa auch die Online-Brokertochter der Erste Bank, Brokerjet, und Direktanlage.at derartige Produkte an.
Heinrich Karasek, Analyst bei Sal. Oppenheim und Vorsitzender des Zertifikateforums Austria, fürchtet keine zu große Konkurrenz. CFDs seien "eine willkommene Bereicherung" auf dem Markt, betont er gegenüber ORF.at.
Karasek: Kleine Zielgruppe
Allerdings sprächen CFDs, und das "nicht unberechtigt", ein "tradingorientiertes,
professionelles bzw. semiprofessionelles" Publikum im einstelligen Prozentbereich an, genau wie es hochspekulative "Turbos" etc. bei Zertifikaten tun. Karaseks Fazit: "Für das Gesamtthema Zertifikate keine Konkurrenz".
Anlegerschützer warnen
Anlegerschützer mahnen im Umgang mit Derivaten immer wieder zur Vorsicht. "Ich halte von solchen Dingen generell nicht allzu viel", sagte der Präsident des Interessenverbandes für Anleger (IVA), Wilhelm Rasinger, gegenüber ORF.at.
Es bestehe oft ein Ungleichgewicht der Risiken zwischen den Emittenten, die "unglaublich kreativ" seien, und privaten Anlegern am anderen Ende.
Ein glattes Parkett
Die Rohstoffmärkte etwa, wo "die Preisbildung so weit entfernt von mir stattfindet", könnten für Nicht-Profis rasch zu einem glatten Parkett werden. Rasinger rät jedenfalls dazu, die Finger von - egal welchen - Anlageformen zu lassen, "die man nicht versteht und 100-prozentig durchschaut".
Georg Krammer, ORF.at
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