Ursachenforschung in der Albertina

Der Grund für den "sintflutartigen" Wassereinbruch im Albertina-Depot steht offenbar noch nicht fest.
Der Fall Albertina bleibt heikel: Während der Ausstellungsbetrieb in dem Wiener Museum aufrechterhalten wird, geht die Räumung von 950.000 Kunstwerken nach einem Wassereinbruch im Tiefspeicher letzte Woche weiter - allerdings schleppend, wie Direktor Klaus Albrecht Schröder sagte.

Recherchen von ORF.at zufolge waren am Montag auch Vertreter mehrerer der am Tiefspeicher-Bau beteiligten Unternehmen in der Albertina zugegen - wohl vor allem, um die genauen Gründe für den Wassereinbruch zu ermitteln. Die Albertina hält sich dazu bisher bedeckt und verweist auf eine Pressekonferenz am Mittwoch mit dem Titel "Ernstfall als Warnschuss".

Erst am Wochenende war das wahre Ausmaß des "Wasserschadens" bekanntgeworden: 2.100 Liter Wasser waren in den erst 2005 fertiggestellten Tiefspeicher eingedrungen. Den Wassereintritt bezeichnete Schröder jetzt als "sintflutartig".

Suche nach Ursachen
"Wir haben jetzt erst angefangen, nachzuschauen", sagte der für die Liegenschaft zuständige Burghauptmann Wolfgang Beer am Montag gegenüber ORF.at. An welcher Stelle das Wasser eingedrungen ist, sei bekannt, woher es stammt, müsse man erst herausfinden.

Nach ersten Sondierungen seit Donnerstag habe man zumindest einige Möglichkeiten als Ursachen ausschalten können.

Droht "Megaprozess"?
Abgesehen davon lautet die Pauschalantwort derzeit aber: "Kein Kommentar" - etwa zur Frage, ob die Beinahe-Katastrophe ein gerichtliches Nachspiel haben wird. Die Zeitung "heute" hatte einen bevorstehenden "Megaprozess" kolportiert.

"Primäres Ziel muss sein, dass das Ding dicht wird", so Beer. Wie lange das dauert, sei schwer abzuschätzen. In anderen Fällen habe das Abdichten von Lecks "Monate, ja Jahre" gedauert, bei der Albertina werde es aber wohl schneller gehen.

"Keine Stellungnahme"
Bei den am Projekt beteiligten Unternehmen schien am Montag jedenfalls so etwas wie eine Nachrichtensperre zu herrschen,
Burghauptmann Beer sprach von einem "Filter".

"Es wird von uns keine Stellungnahme dazu geben", hieß es gegenüber ORF.at etwa von einer Ziviltechnikfirma, und: "Alle Fragen werden von der Burghauptmannschaft beantwortet."

Kulturministerium will "absolute Aufklärung"
Rätselhaft bleiben auch am Wochenende von Albertina-Seite erstmals erwähnte, an und für sich gar nicht vorgesehene "bauliche Merkwürdigkeiten", denen es zu verdanken gewesen sei, dass die Kunstschätze nicht gravierend beschädigt wurden. Beer wollte davon am Montag nichts wissen.

Nikolaus Pelinka, Sprecher von Kulturministerin Claudia Schmied (SPÖ), sagte gegenüber ORF.at, man sei in ständigem Kontakt mit Schröder und habe großes Vertrauen in dessen Krisenmanagement. Zudem verlange das Ministerium "absolute Aufklärung, es müssen Gutachten passieren".

Kartons gelten als sicher
Aus Restauratorenkreisen war zu erfahren, dass an der Lagerung der Kunstwerke selbst an und für sich nichts auszusetzen sei. Die säurefreien Kartons, in denen sich die Exponate befanden, schützen vor Bakterien und gelten als einfachste, kostengünstigste und dennoch sicherste Methode zur Lagerung von Papierarbeiten.

Ausfälle beim Robotersystem
Zweifel gibt es hingegen am Risikomanagement und an der vollständigen Automatisierung des Depots, das nur in Ausnahmefällen für Menschen zugänglich ist.

Für unbezahlbare Kunstschätze wie den Dürer-Hasen sind "anonyme" Regalfächer, auf die man nur via Roboter zugreifen kann, demnach nicht ideal. Sie sollten an einem speziellen Ort gelagert sein, auf den im Notfall unmittelbar zugegriffen werden kann.

Ausfälle des Robotersystems im Tiefspeicher sind einer der Gründe dafür, warum die Evakuierung so langsam vorangeht. "Wir konnten erst 20 Prozent der Sammlung auslagern", so Schröder am Montag.

Früher eingeweiht als geplant
Der Innenausbau des 2005 fertiggestellten Tiefspeicher kostete nach Schröders Angaben von damals 5,1 Millionen Euro, 3,4 Mio. kamen von der Albertina selbst, der Rest von der Burghauptmannschaft.

Ursprünglich hätte das Hightech-Depot erst 2011 eingeweiht werden sollen. Beer hatte sich aus baulogistischen Gründen dafür starkgemacht, den Aushub und Rohbau für Tiefspeicher und Studiengebäude trotz nicht gänzlich geklärter Finanzierung im Zuge des Albertina-Umbaus zu erledigen (und wurde dafür später vom Rechnungshof kritisiert).

Schröder konnte schließlich die Finanzierung des Innenausbaus früher als geplant aufstellen, und dieser wurde dann "ratzeputz gemacht", so Beer gegenüber ORF.at.

Michael Höck, ORF.at

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