Kaum gesicherte Informationen

Außerhalb Teherans gehen die Behörden ohne internationale Beobachter offenbar noch brutaler vor.
Spätestens seit das iranische Regime auch für ausländische Medien ein Quasiberichtsverbot erlassen hat, sind selbst Berichte aus Teheran, auf das sich das internationale Interesse konzentriert, mit vielen Fragezeichen versehen.

Die Protestwelle weitete sich zwar längst auf andere Landesteile aus, aus den Millionenstädten in den Provinzen ist aber noch viel weniger bekannt. Fest steht, dass auch dort massive Proteste stattfinden - und dass die Behörden noch weit unbarmherziger vorgehen als in der Hauptstadt.

Augenzeugen und Exiliraner berichten
Gesicherte Informationen gibt es damit wenige. Lediglich via Blogs und Twitter berichten Einwohner von den Vorgängen, teilweise bringen auch Exiliraner Nachrichten aus ihrer ehemaligen Heimat. In der zweitgrößten iranischen Stadt Maschhad, die als konservativ gilt, sollen Dutzende Gegner von Präsident Ahmadinedschad verhaftet worden sein.

Nach Angaben der Nachrichtenagentur ISNA nahm die Polizei auch in der südlichen Stadt Schiras etwa hundert Menschen bei Demonstrationen nahe der Universität fest. Aus Schiras wurden auch Tote bei den Protesten gemeldet, Bestätigungen gibt es aber nicht.

Viele Verhaftete?
Der Generalstaatsanwalt der Provinz Isfahan, Mohammedresa Habibi, warnte laut Meldung der iranischen Nachrichtenagentur Fars, den Aufrührern könne die Todesstrafe drohen. Es gehe um wenige Elemente, die vom Ausland gesteuert versuchten, die innere Sicherheit zu stören. Das islamische Recht sehe für Menschen, die Krieg gegen Gott führten, die Hinrichtung vor. Das bestätigt indirekt die Meldungen, dass auch in der Millionenstadt Isfahan Proteste stattfinden.

Zudem gibt es Berichte, dass in der Stadt Täbris, der Heimatstadt Mussawis im Norden des Landes, mehr als hundert prominente Vertreter der Zivilgesellschaft festgenommen wurden. Im ganzen Land sollen zahlreiche Aktivisten von der Bildfläche verschwunden sein.

Proteste in fast allen Großstädten
Exilvertreter der oppositionellen iranischen Gruppierung Nationaler Widerstandsrat Iran (NCRI) meldeten auch Proteste aus Orumieh, Hamedan, Rascht, Kaswin, Babol, Amol und Babolsar. Besonders große Demonstrationen meldet die Gruppe aus Bandar Abbas und Ahwas.

Wie die Situation abseits der großen Städte aussieht, liegt allerdings völlig im Dunkeln. Nachdem die iranischen Medien die Vorgänge großteils verschweigen und die Landbevölkerung traditionell aufseiten Ahmadinedschads steht, dürften sich die Proteste aber auf die Großstädte konzentrieren.

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