Es habe zahlreiche offenkundige Rechtswidrigkeiten bei der Wahl gegeben, gegen die er schärfsten Protest einlege. Das könnte zur Errichtung einer "Tyrannei" im Iran führen, warnte Mussawi.
Der oberste religiöse und weltliche Führer im Iran, Ajatollah Ali Chamenei, gratulierte indes Präsident Mahmud Ahmadinedschad zu seiner Wiederwahl. Gleichzeitig warnte er Mussawi vor "Provokationen". Alle Kandidaten sollten auf provozierenden Handlungen und Worte verzichten, hieß es nach Angaben des britischen Senders BBC in einer Erklärung Chameneis.
"Bin der eindeutige Gewinner"
Bereits auf einer Pressekonferenz kurz vor Schließung der Wahllokale hatte Mussawi der Regierung Wahlbetrug vorgeworfen. "Ich bin der eindeutige Gewinner der Wahl und der rechtmäßige Präsident des Volkes", so Mussawi.
Zuvor hatte er zudem beklagt, dass der Mobilfunkverkehr gestört sei. Vor allem seine zahlreichen Anhänger aus jüngeren Wählerschichten hatten sich über Textnachrichten verständigt. Auch seien seinen Mitarbeitern Kontrollen der Wahlbüros verwehrt worden, sagte er.
Tausende demonstrieren in Teheran
Gegen den verkündeten Sieg Ahmadinedschads gingen am Samstag in Teheran Tausende Anhänger Mussawis auf die Straße, wobei es zum Teil zu gewaltsamen Ausschreitungen kam.
Wie Journalisten der Nachrichtenagentur AFP berichteten, versammelten sich auf dem Teheraner Wanakplatz mehrere tausend zumeist junge Menschen, um ihre Solidarität mit Mussawi zu bekunden. Mit Parolen wie "Tod dem Diktator" forderten sie Ahmadinedschads Ablösung.
An einer Kreuzung in Teheran riefen mehrere hundert Anhänger des gemäßigten Reformers "Mussawi, Mussawi, sammel unsere Stimmen ein". Einige bewarfen die Polizeibeamten an Ort und Stelle mit Steinen und steckten Mülleimer in Brand. Die Polizei ging laut Augenzeugen mit Knüppeln gegen die Demonstranten vor.
"Starke Präsenz der Sicherheitskräfte"
Der Sprecher der Internationalen Kampagne für Menschenrechte im Iran, Hadi Ghaemi, hatte zuvor erklärt, es habe im Iran offenbar über Nacht ein "Coup" stattgefunden, um allen anderen Parteien den Wahlsieg Ahmadinedschads aufzuzwingen.
Wie die NGO am Samstag in einer Aussendung mitteilte, hätten Beamte des Teheraner Innenministeriums den Reformkandidaten Mussawi am Freitagabend bereits informiert, dass er die Wahl gewonnen habe. Die Organisation berief sich dabei auf einen Sprecher Mussawis, Mohsen Machmalbaf, laut dem Mussawi auch mitgeteilt wurde, dass er seinen Wahlsieg nicht öffentlich machen solle.
Unmittelbar darauf habe die Wahlkommission allerdings erste Informationen über einen klaren Sieg von Ahmadinedschad veröffentlicht. "Seitdem gibt es eine starke Präsenz der Sicherheitskräfte und der Armee in Teheran, und die offiziellen Medien publizierten Zahlen, wonach Ahmadinedschad mit großem Vorsprung gewonnen hat", heißt es in der Aussendung.
"Das war eine Auswahl, keine Wahl"
Auch mehrere Experten in den USA sprachen in ersten Reaktionen offen von Betrug. "Ich glaube nicht, dass auch nur irgendjemand dieses Niveau an Betrügerei vorhergesehen hat. Das war eine Auswahl, keine Wahl", sagte etwa Karim Sadjapour von der renommierten Carnegie-Stiftung für internationalen Frieden in Washington.
"Im Nachhinein betrachtet erscheint diese ganze Kampagne als eine Show." Der Präsident des Nationalen Iranisch-Amerikanischen Konzils (NIAC), Trita Parsi, sagte, er glaube nicht, dass die offiziellen Zahlen stimmten.
Laut Parsi sei es eine Sache, wenn Ahmadinedschad die erste Runde mit 51 oder 55 Prozent gewonnen hätte. "Aber diese Zahl hört sich extrem seltsam an", so der Experte weiter.
Experten rechneten mit knapper Entscheidung
Die meisten Experten hatten im Vorfeld der Wahl damit gerechnet, dass sich keiner der vier zugelassenen Kandidaten in der ersten Runde durchsetzen und die Entscheidung stattdessen erst kommende Woche in einer Stichwahl zwischen Ahmadinedschad und Mussawi fallen würde.
Nach offiziellen Angaben konnte Ahmadinedschad die Wahl jedoch mit 62 Prozent der Stimmen klar für sich entscheiden.
Für einen Sieg waren mindestens 50 Prozent der Stimmen nötig. Die Wahlbeteiligung wurde mit 85 Prozent beziffert - sie lag damit so hoch wie nie zuvor.
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