"In zehn Jahren" könne das schon wieder anders aussehen, steckte sich Glawischnig dabei einen weiten Horizont als Parteichefin. Vorwürfe von Kritikern, dass es Glawischnig in der Führung der Partei an Charisma und Leidenschaft mangle, wies sie zurück.
Van der Bellen als "Ausnahme"
Ohnehin seien Grün-Wähler eher an Sachpolitik als an Persönlichkeiten interessiert, so Glawischnig. Zugleich räumte sie ein, dass der geringe Bekanntheitsgrad der grünen EU-Spitzenkandidatin Ulrike Lunacek bei der Wahl "eventuell problematisch" gewesen sein könnte.
Die Grünen wähle man jedoch wegen der Themen, so Glawischnig. Bei Alexander Van der Bellen, ihrem Vorgänger an der Parteispitze, sei das hingegen anders gewesen, gab sie zu. "Das war eine Ausnahme." Mit Sachthemen will sie die Wähler auch wieder zurückgewinnen.
Misserfolg auch "hausgemacht"
Glawischnig möchte die Grünen wieder mehr als "Protestpartei" positionieren, die grundsätzliche Gerechtigkeitsfragen in den Vordergrund stellt. Dass SPÖ und ÖVP dabei "wegschauen" würden, sei "die große Chance" ihrer Partei.
Den mangelnden Wahlerfolg sieht sie darin begründet, dass Protestwähler die Grünen nicht als "Alternative zum politischen System wahrnehmen". Daran gebe es zwar einen "hausgemachten Grün-Anteil", eine Analyse des Problems sei jedoch "nicht innerhalb weniger Tage möglich".
Van der Bellen meldet sich zu Wort
Einmal mehr bemühte sich Glawischnig, den Zwist mit dem früheren grünen EU-Parlamentarier Johannes Voggenhuber vom Tisch zu wischen. Bereits zuvor hatte sie am Dienstag gemeint, die Probleme der Grünen lägen wesentlich tiefer als der Streit mit Voggenhuber.
Glawischnig will auch nicht ausschließen, dass Voggenhuber irgendwann einmal wieder eine Rolle in der grünen Parteistruktur übernehmen könnte. Ihr Vorgänger Van der Bellen hält das allerdings für ausgeschlossen, wie er in einem Interview bekräftigte.
Voggenhubers "tragische Entwicklung"
"Wenn uns täglich ausgerichtet wird, was wir für Deppen sind, ist das schwer vorstellbar", so Van der Bellen über einen allfälligen Wiedereinstieg Voggenhubers bei den Grünen gegenüber dem "Kurier" (Donnerstag-Ausgabe).
Van der Bellen bezweifelt außerdem, dass die Grünen mit Voggenhuber als Spitzenkandidat besser abgeschnitten hätten. Voggenhuber versuche "alles, um sich zum Märtyrer und Opfer zu stilisieren - eine tragische Entwicklung einer extrem begabten Persönlichkeit".
Rückendeckung von Meissner-Blau
Glawischnig bekam auch Rückendeckung von der "Grande Dame" der Grünen, Freda Meissner-Blau (82). "Ich wünschte, alle wären so intelligent und so durchschlagskräftig wie Eva Glawischnig", wies die frühere Grünen-Chefin in der ZIB24 in der Nacht auf Mittwoch die Kritiker an ihrer Nachfolgerin in die Schranken.
Scharfe Kritik übte Meissner-Blau an Voggenhuber. Dass er nach dem schlechten Abschneiden der Grünen bei der EU-Wahl den Rücktritt Glawischnigs fordere, "zeigt seine Bosheit". Meissner-Blau selbst würde sich die Grünen "viel radikaler und voller Passion" wünschen, doch eine Rückkehr zu den Tagen der Grün-Bewegung würde die Partei zerreißen.
Links: