Tagung der österreichischen Forschungsgesellschaft Straße-Schiene-Verkehr (FSV) erhoben worden.
Sie fordert eine Anpassung an internationale Standards, denn Österreich und Deutschland seien die einzigen Staaten in Europa, die auf Landstraßen grundsätzlich noch Tempo 100 erlauben.
Mehr Sicherheit
Argumentiert wird vor allem mit dem Argument der gestiegenen Verkehrssicherheit. Erst am Pfingstwochenende gab es wieder sieben Verkehrstote - zwei mehr als im Jahr zuvor. Insgesamt ereigneten sich 393 Verkehrsunfälle mit Personenschaden - mehr dazu in oesterreich.ORF.at.
Gerade im gebirgigen Österreich mit seinen vielen gefährlichen Straßen wäre Tempo 80 sinnvoll, sagte Verkehrsplaner Bernd Skoric anlässlich der FSV-Tagung gegenüber Ö1 - mehr dazu in oe1.ORF.at.
In der Schweiz beispielsweise wurde bereits 1985 Tempo 80 verordnet und 1989 von einer Mehrheit in einer Volksabstimmung bestätigt. Dort gebe es umgerechnet auf die Einwohnerzahl halb so viele Verkehrstote wie in Österreich, so die FSV-Experten.
"80 Tote weniger"
FSV-Projektleiter Wolfgang Berger erwartet bei der Einführung von Tempo 80 "etwa 80 Getötete und 400 Schwerverletzte pro Jahr weniger bei Unfällen auf Landstraßen". Das führt er vor allem auf ein Umdenken der Autofahrer zurück. Sie hätten nicht mehr das Gefühl, dass man überall mit 100 km/h fahren muss, wenn kein anderes Limit vorgeschrieben ist.
"Totes Recht" befürchtet
"Langsamer fahren ist sicher nicht falsch", stimmte der ÖAMTC-Verkehrsexperte Martin Hoffer gegenüber ORF.at diesem Argument grundsätzlich zu. Der Weg sei aber falsch. Derzeit gebe es Geschwindigkeitsbegrenzungen und bei besonderen Gefahrenstellen Hinweisschilder und Tempolimits. "Der Ansatz, generell das Tempo zu reduzieren und an einzelnen Stellen höhere Geschwindigkeiten zuzulassen, ist verkehrt."
Bei gut ausgebauten zwei- oder vierspurigen Straßen sei laut Hoffer das Tempo-80-Limit sicher nicht durchzusetzen. "Das schafft totes Recht und wird zu einer Abzockstelle. Wir haben nichts gegen eine gezielte Limitierung. Aber bei einer generellen Begrenzung nach unten würde die Kennzeichnung besonderer Gefahrenstellen entfallen", so Hoffer.
Argument Emissionsrückgang
Bei der Forderung nach einem Tempolimit 80 werden auch von der FSV immer wieder auch weniger Spritverbrauch, geringerer Lärm und vor allem weniger Umweltbelastung in die Diskussion eingebracht.
Bei den Umweltargumenten laufe den Befürwortern von Tempolimits aber die Zeit davon, betonte Hoffer. "Die Emissionssituation wird durch die Antriebstechnik immer verbessert." Je aktueller die Zahlen, desto besser seien auch die Emissionswerte.
Selbst die FSV trat für höhere Limits in bestimmten Bereichen ein. Auf gut ausgebauten Straßen könne Tempo 100 weiterhin erlaubt werden, sagte Projektleiter Berger.
"Nicht nach oben delegieren"
"Es gibt keine seriöse Unfallursachenforschung", kritisierte Hoffer. Überhöhte Geschwindigkeit als Ursache sei oft eine Verlegenheitserklärung der Polizei. Nicht angepasste Geschwindigkeit dominiere sicher, aber das habe oft nichts mit einem vorgeschriebenen Geschwindigkeitslimit zu tun. Hoffer: "Das hängt auch mit den Witterungsbedingungen, dem Zustand des Lenkers und der Ladung des Fahrzeugs zusammen."
Vorgeschriebene Tempolimits könnten Unfälle nicht vermeiden. Mit der Überreglementierung entmündige man Autofahrer. "Das kann man nicht nach oben delegieren, sondern liegt in der Eigenverantwortung des Lenkers."
Mehr Risiko beim Überholen?
Dagegen spricht laut ÖAMTC auch, dass mit Tempo 80 die Geschwindigkeitsdifferenz zum Lkw-Verkehr schrumpfen würde. Überholen würde dadurch riskanter beziehungsweise sogar unmöglich.
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