Fahrradinsel gegenüber der Donauinsel

"Wohnen am Strand" - nur das Auto muss draußen bleiben.
In Wien ist ein neues großes Wohnprojekt geplant: eine "Bikecity" am Wasser. 250 Wohnungen sollen in Wien-Brigittenau direkt gegenüber der Donauinsel entstehen, samt Hotel und Park. Das Besondere dabei: Man erreicht die Anlage nicht mit dem Auto.

©Bild: Google
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Momentan liegt das mit 50.000 Quadratmetern ausladende Grundstück südlich der Nordbrücke noch brach. Das soll sich bald ändern, wie der Wiener grüne Politiker Christoph Chorherr in seinem Weblog und in einem Gespräch mit ORF.at berichtet.

Wettbewerb ausgeschrieben
Nach jahrelangen Verhandlungen wird das "rot-grüne Projekt", für das Chorherr Pate steht, nun erstmals öffentlich präsentiert. Fertige Pläne gibt es freilich noch nicht, zunächst soll ein stadtplanerischer Architekturwettbewerb ausgelobt werden.

Interessant dabei sind vor allem praktische Fragen: Wie soll das funktionieren, wenn man niemals mit dem Auto hinkommt? Gleich vorweg: Eine Zufahrt muss es selbstverständlich geben, schon alleine für Rettung, Polizei und Feuerwehr.

Außerdem soll sich niemand sorgen, dass er seine Möbel mit dem Fahrrad transportieren muss. Bei Einkäufen schaut das aber schon wieder anders aus, sagt Chorherr. Hier sollen von den Bewohnern Bestelldienste genützt werden.

Chorherr empfiehlt außerdem Fahrradanhänger - man könne sich kaum vorstellen, wie viel man damit transportieren könne. Ein Lift wird bereitstehen, der die Fahrer zum Radweg auf die Brücke transportiert, von wo aus sie dann entlang des Donaukanals auf Radwegen rund 15 Minuten bis ins Stadtzentrum brauchen.

Parkhaus gegenüber
Wer dennoch ein Auto nützen will, kann ein Parkhaus nützen, das sich außerhalb der Anlage befindet. Auch Carsharing-Modelle sollen angeboten werden.

Die Lärmfrage
Dass die Radlerstadt jederzeit eine perfekte Ruheoase sein wird, kann Chorherr angesichts der Lage allerdings nicht garantieren. Auf der einen Seite werde je nach Windverhältnissen der Verkehr von der Nordbrücke zu hören sein.

Gegen den Geräuschpegel von der anderen Seite - es befinden sich entlang des Grundstücks die S-Bahn und der Handelskai - sind bauliche Maßnahmen geplant. Hoch sei der Lärmpegel aber jedenfalls nicht, sagt Chorherr.

Tropfenförmige Wohnhäuser?
Spannend wird auch, welche Objekte auf dem Grundstück überhaupt entstehen sollen. Hier will sich der grüne Stadtpolitiker noch nicht festlegen. Vorstellen kann er sich aber vieles. In seinem Weblog zeigt er als eines von zwei Beispielen ein Modell mit tropfenförmigen Bauten.


Damit wäre beispielsweise garantiert, dass alle Bewohner Blick auf das Wasser haben. In den "zugespitzten" Räumen Richtung Donau würden die Wohn- und Schlafräume untergebracht, auf der Hinterseite Richtung Handelskai die Nutzräume.


Selbst planen soll möglich sein
Es sind für Chorherr aber auch gänzlich andere Projekte denkbar. So könnten sich privat organisierte "Baugruppen" bilden und nach individuellen Wünschen Gebäude errichtet werden, wenn sich genügend Interessenten zusammenfinden.

Nicht "die eine große" Genossenschaft
Der Wohneinheiten sollen jedenfalls nach den Vorgaben für Passivhäusern errichtet und von der Stadt Wien gefördert werden. Möglich ist auch, dass ein Teil der Wohnungen genossenschaftlich verwaltet wird.

Was Chorherr aber auf keinen Fall will, ist eine einzelne Genossenschaft, der die gesamte Anlage überlassen wird.

Nicht nur Wohnungen
Direkt bei der Nordbrücke soll ein Geschäftsbereich entstehen. Auch ein Radhotel ist angedacht, das sich vor allem an Touristen wenden soll, die den Donauradwanderweg entlangfahren - eine Gruppe, die laut Chorherr nicht zu unterschätzen ist.

Alternativ dazu könnten sich aber auch Geschäfte und Firmen ansiedeln, die dem Radfahrgedanken nahestehen und mit der ansässigen Community etwas anfangen können.

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